Nach sechs Jahren als Schongauer Bürgermeister

"Man muss souverän bleiben"

+
Er kann auch lässig: Karl-Heinz Gerbl ist nach sechs Jahren im Schongauer Rathaus mit sich im Reinen.

Schongau – Am Mittwoch endete die Amtszeit von Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD). Der KREISBOTE sprach mit dem Hohenfurcher über die vergangenen sechs Jahre als Chef des Schongauer Rathauses und seine Pläne für die Zukunft.

Herr Gerbl, Sie waren zwölf Jahre Bürgermeister von Hohenfurch und sechs Jahre das Stadtoberhaupt von Schongau. Am Mittwoch endete vorerst Ihre politische Karriere: Wie fühlt sich das an? 

Gerbl: „Das fühlt sich gut an, auch wenn die letzten Tage natürlich etwas Wehmut aufkam. Doch die Freude auf mehr Freizeit und Privatleben überwiegt.“ 

Sie haben vor eineinhalb Jahren Ihre Entscheidung bekanntgegeben, aus gesundheitlichen Gründen auf die Kandidatur für eine weitere Amtszeit zu verzichten. Gab es seitdem Tage, in denen Sie den Schritt bereut haben?

Gerbl: „Nein, bereut nicht, denn die Signale waren eindeutig. Allerdings ist es schade, dass ich Projekte, die ich angeschoben habe wie den Neubau der Grundschule oder die Zusammenarbeit mit Peiting und Altenstadt nicht mehr weiter begleiten kann.“ 

Das ist jetzt Aufgabe von Falk Sluyterman. Der neu gewählte Bürgermeister war Ihr Wunschkandidat. Macht das den Abschied leichter? 

Gerbl: „In jedem Fall. Ich weiß, dass er ein kompetenter Mann ist, der nicht nur die Verwaltung sicher führen kann, sondern auch in Sachen wichtiger Infratstrukturprojekte wie dem Schongauer Bahnhof ähnlich tickt wie ich.“ 

Im Wahlkampf war immer wieder von Aufbruchsstimmung die Rede, davon, dass in Schongau endlich etwas passieren müsse. Hat Sie das geärgert, denn es ist ja auch eine Kritik an Ihrer Amtsführung. 

Gerbl: „Natürlich hat mich das geärgert. Wir haben in den vergangenen Jahren viele Projekte verwirklicht oder auf den Weg gebracht wie etwa den Europaplatz-Kreisel, die Lechsporthalle, stadtnahe Parkplätze, die Breitbandversorgung, den Kauf der Grundstücke am Bahnhof, die Photovoltaik-Sparte der Stadtwerke oder den Rad- und Fußweg nach Altenstadt, um nur einige zu nennen. Da kann man nicht einfach sagen, da ist nichts passiert.“ 

Die Gräben im Stadtrat waren in den vergangenen Jahren immer wieder zu spüren. Glauben Sie, dass es im neuen Gremium mehr Zusammenarbeit geben wird? Immerhin haben sich viele neu gewählte Stadträte selbiges im Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben. 

Gerbl: „Wenn alle sich daran halten, was sie versprochen haben, kann es nur besser werden. Ich habe immer versucht, zu signalisieren, dass es wichtig ist, fair miteinander umzugehen. Einzelne Leute haben das nicht angenommen, so etwas ist immer schlecht für das Gremium. Drei Viertel waren zum Glück bereit, sachlich auch über Fraktionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.“ 

Die erste Bewährungsprobe steht gleich in der Sitzung am kommenden Dienstag an, wenn der Stadtrat den 2. Bürgermeister wählt. 

Gerbl: „Da wird sich zeigen, ob der Wille des Wählers im Vordergrund steht. Immerhin hat Tobias Kalbitzer die meisten Stimmen bekommen und wäre fast Bürgermeister geworden. Ich kann Falk Sluyterman nur dazu raten."

Sie sind im Stadtrat vor allem von Seiten der CSU oft hart angegangen worden. Ihre Reaktion fiel meist zurückhaltend aus. Hätten Sie nicht öfter auf den Tisch hauen müssen? 

Gerbl: „Das ist so eine pauschale Formulierung. Man muss als Sitzungsleiter souverän bleiben. Meine Art ist eher ruhiger, da mochte ich mich auch nie verbiegen. Ich habe es immer als Pflicht gesehen, mit allen gut zusammenzuarbeiten. Das hat ja auch meist geklappt.“ 

Blicken wir nochmal auf Ihre Amtszeit zurück. Was würden Sie, wenn Sie die Wahl hätten, anders machen?

Gerbl: „Puh, schwere Frage. Das Thema der kleinen Landesgartenschau besser vorbereiten vielleicht. (Der Stadtrat hat eine Bewerbung im vergangenen Jahr abgelehnt, Anm. d. Red.).“ 

Worauf sind Sie besonders stolz? 

Gerbl: „Dass wir die Schulden zurückfahren konnten, auch wenn es dadurch keine großen sichtbaren Projekte gibt. Aber meine Verantwortung gegenüber der Stadt war es, einen größeren finanziellen Spielraum zu schaffen für die vielen wichtigen Projekte, die auf der Agenda stehen, etwa die Grundschule.“ 

Ihre Anfangszeit stand wirtschaftlich unter keinem guten Stern. 

Gerbl: „Richtig. Das muss man sich nochmal vor Augen halten: 2008 hatten wir Gewerbesteuereinnahmen von 8,1 Millionen, 2009 waren es nur noch 1,5 Millionen. Die Wirtschaftskrise war die schlimmste seit 1929.“ 

Der harte Sparkurs wurde Ihnen oft übelgenommen. 

Gerbl: „Klar waren die Vereine sauer, wenn die freiwilligen Leistungen der Stadt gestrichen werden mussten. Die Sportler sind zu mir gekommen und haben sich beschwert, dass die Stadt nur noch Kultur fördert. Die Kulturschaffenden sahen das genau andersherum. Für den politischen Gegner war das natürlich ein gefundenes Fressen. Aber da braucht man Durchhaltevermögen.“ 

Der Haushalt sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Streit. Die Folge waren viele haushaltslose Monate, die die Stadt auch heuer wieder lähmen. Den Haushalt 2014 hat der alte dem neuen Stadtrat überlassen. 

Gerbl: „Das ärgert mich besonders. Zweimal, im Januar und Februar, habe ich dem Gremium vorgeschlagen, ihn zu beschließen. Es gehört für mich zum politischen Anstand, dass der Nachfolger gleich etwas in der Hand hat, mit dem er arbeiten kann. Aber das war nicht gewünscht. Die Folge ist, dass viele Projekte wieder nicht verwirklicht werden. Andere müssen weiter auf ihr Geld warten. Den Scheck über die 45000 Euro für die EA Schongau etwa kann ich nicht unterschreiben, obwohl es einen Stadtratsbeschluss gibt.“ 

Die Sanierung des Marienplatzes ist davon nicht betroffen. Die Bauarbeiten sind in vollem Gang. Nach den Kanalarbeiten wird der Platz aussehen wie zuvor, Autoverkehr inklusive. In anderen Städten wie Landsberg bemüht man sich gerade, den Fußgängern und Radfahrern mehr Platz einzuräumen. Hat Schongau hier eine Chance vertan – Stichwort Fußgängerzone? 

Gerbl: „Nein. Wenn der Stadtrat die Fußgängerzone beschließt, kann er sofort absperren. Dafür braucht man keine Gestaltung, die Millionen kostet. Ich bin immer noch überzeugt, dass die Entscheidung 2011 gegen eine Fußgängerzone, für die ich viel Prügel bezogen habe, damals richtig war. (Gerbl hatte die Pläne für eine Fußgängerzone unterstützt, bei der knappen Abstimmung im Stadtrat (12:11) jedoch dagegen gestimmt, Anm. d. Red.). So etwas funktioniert nur, wenn Stadtrat und Geschäftsleute an einem Strang ziehen. Schongau muss den Ruf loswerden, dass immer alle uneinig sind. Das ist auch mir nicht gelungen. Mittlerweile hat ein Umdenken eingesetzt.“ 

Am Mittwoch ging Ihre Amtszeit offiziell zu Ende. Geht es jetzt für Sie zurück zum Landratsamt Landsberg?

Gerbl: „Das ist noch offen, ich habe für die Entscheidung drei Monate Zeit. Langweilig wir mir deshalb aber nicht.“

Inwiefern? 

Gerbl: „Ich werde an der Bayerischen Akademie für Verwaltungs-Management eine eine Seminarreihe für neu gewählte Bürgermeister durchführen, das geht jetzt sofort los.“ 

Klingt wieder nach viel Arbeit. Was sagt Ihre Frau dazu? 

Gerbl (lacht): „Die freut sich, dass ich dennoch öfter daheim bin. Aber sie wusste, dass ich nicht nur zuhause sitzen werde. Das ist ihr aber auch recht, davor hatte sie eher Angst.“ 

Was werden Sie am meisten vermissen? 

Gerbl: „Den Kontakt mit den Bürgern und die Gespräche mit meinen Mitarbeitern. Das hat mir immer unheimlich viel gegeben.“ 

Und was nicht? 

Gerbl: „Die mit Terminen vollgepflasterten Wochenenden und die langen Arbeitstage. Da bleibt jetzt wieder mehr Zeit für Tennis. Die Hohenfurcher Herren haben, als sie das gehört haben, mich gleich zum Mannschaftsführer gemacht.“

Christoph Peters

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Messerstecherei in Schongau
Messerstecherei in Schongau
Große Bundeswehr-Vereidigung am Marienplatz
Große Bundeswehr-Vereidigung am Marienplatz
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder

Kommentare