Unfall im Dezember als Auslöser

Milch-Streit am Auerberg

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Letzter Protest: Weil der Laster nicht mehr zu ihrem Hof fährt, haben Andrea Balzer und Georg Waibl die Milch in Kannen abgefüllt.

Badwerk am Auerberg – Ende der Woche war Schluss auf dem Milchviehbetrieb der Familie von Andrea Balzer und Georg Waibl in Badwerk am Auerberg bei Bernbeuren. Als Grund dafür geben die Bio-Bauern an, dass das Fuhr­unternehmen der Andechser Molkerei Scheitz nach einem Unfall im Dezember letzten Jahres sich weigerte, ihren Hof weiterhin direkt anzufahren. Die letzten acht Milchkühe gingen zum Schlachter.

Es ist ein letzter stiller Protest von Andrea Balzer und Georg Waibl am vergangenen Dienstag: In zehn Kannen füllen sie ihre Milch ab und stellen sie dem Laster an die Straße. Die Geschichte der beiden beginnt im Dezember 2017, als bei „schwierigen Wetterbedingungen“ das zur Abholung der Milch beauftragte Sammelfahrzeug einen Unfall in der Hofzufahrt hat, schildern die Bio-Landwirte. Bei dem Unfall sei außerdem einer der Traktoren der Familie beschädigt worden.

Den Vorfall bestätigt auch Molkerei-Sprecherin Irmgard Strobl. Den Vorwurf der Landwirte, sie seien auf dem Schaden am Traktor in Höhe von 20.000 Euro unverschuldet sitzen geblieben, will Strobl aber nicht gelten lassen: „Der verursachte Schaden am Traktor des Landwirts wurde von der Versicherung der Spedition Fischer beglichen“, sagt sie. Darüber hinaus setze die Abholung ab Hof die ungehinderte Zu- und Abfahrt zur und von der Hofstelle voraus, so die Pressesprecherin. „Der Milchfahrer darf kein unangemessenes Risiko übernehmen.“ Am Tag des Unfalls sei die stark ansteigende Hofeinfahrt schneebedeckt gewesen. „Die Zufahrt war häufig weder geräumt noch gestreut worden“, weiß Strobl.

Im Februar dann der Schock für die Landwirte: Die Andechser Molkerei Scheitz, denen der Familienbetrieb seit fünf Jahren seine Bio-Heumilch liefert, teilt ihnen mit, dass die Milchabholung ab Milchkammer ab dem 1. April nicht mehr erfolgen könne. Stattdessen sollen sie die Milch an einem sicheren Übergabeort bereitstellen. „Diese über unsere Köpfe gefallene Entscheidung hätte uns gezwungen, innerhalb von nur wenigen Wochen neue Investitionen in Höhe von rund 40.000 Euro für ein eigenes kühlendes Tankfahrzeug und für eine neue Milchkammer zu tätigen“, erklären die Landwirte. Für einen Betrieb mit nur – am Schluss – 24 Kühen nicht zu leisten. Einziges Entgegenkommen sei gewesen, dass man ihnen einen Aufschub bis zum Oktober gewährt hatte. Als neue Frist sei der 15. Oktober vereinbart worden, um die Milchabholung in den Wintermonaten auf außerhalb des Hofes zu verlegen, erklärt die Molkerei-Sprecherin. Eine solche Regelung sei gängige Praxis, wenn es die Umstände erfordern.

Diese Frist ist nun vorüber. Balzer und Waibl sprechen von „Gängelei“ und „eiskalter Abfertigung“ von Seiten der Molkerei. Sie haben die Konsequenzen gezogen und ihre Tiere weggegeben. Die letzten acht Kühe – die meisten davon mit dem ein oder anderen Wehwehchen, wie Balzer sagt – gehen zum Schlachter. Auf dem Hof in Badwerk am Auerberg wird es künftig keine Milcherzeugung mehr geben. Balzer hat bereits eine Alternative: Sie plant Wellness auf dem Bauernhof. 

asn

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