Wirtschaftsförderin im Interview:

»Kein Schongauer Phänomen«

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In Schongau angekommen: Wirtschaftsförderin Meike Petro fühlt sich vor allem mit einem Kaffee auf dem Marienplatz wohl.

Schongau – Seit Mai ist die Stelle der Wirtschaftsförderung der Stadt nach Monaten der Vakanz wieder besetzt. Die 29-jährige Meike Petro sprach nach den ersten 100 Tagen im Amt mit dem Kreisboten über Schongauer Potenziale, Hindernisse und Phänomene.

Die Stelle des Wirtschaftsförderers hat in Schongau eine bewegte Geschichte. Ihre beiden Vorgänger haben der Lechstadt vorzeitig den Rücken gekehrt. Was sagen Sie dazu?

Petro: „Meine Vorgängerin Frau Voigt hat die Stelle ja leider aus persönlichen und tragischen Gründen aufgeben müssen. Bei ihrem Vorgänger kenne ich die Beweggründe nicht. Über einen kurzen Zeitraum kann die Arbeit eines Wirtschaftsförderers aber nur wenig bewirken, denke ich. Ich bin ja immer noch dabei, mich erst einmal einzuarbeiten. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Stelle unbefristet ist.“

Wie wird man denn eigentlich Wirtschaftsförderer?

Petro: „Ich komme aus dem Münchner Umland und habe in Augsburg meinen Bachelor in Geografie gemacht. Danach war ich eineinhalb Jahre in einem Stadt- und Sozialgeographischen Büro in München, habe meinen Master in Regionalmanagement an der FH Weihenstephan-Triesdorf gemacht und war für die LEADER-Region Ammersee tätig. Danach bin ich nahtlos nach Schongau gekommen.“

Kannten Sie Schongau denn zuvor?

Petro: „Naja, ich kannte Schongau vom Hören und wusste, wo es liegt. Das hat sowohl Vor-, als auch Nachteile für meine Arbeit.“

Welche denn?

Petro: „Ein Nachteil ist mit Sicherheit, dass ich noch gar nicht vernetzt bin. Ich muss erst einmal die Leute kennenlernen. Positiv ist aber, dass ich mir so die fachliche Perspektive gut bewahren kann.“

Das heißt, Sie werden auch nicht hierher ziehen?

Petro: „Ich bin das Pendeln gewöhnt. In 50 bis 60 Minuten mit dem Auto bin hier. Mein Mann muss außerdem eine Stunde in die andere Richtung in den Münchner Norden, von daher steht kein Umzug an. Ich bin auch ziemlich in meiner Heimatgemeinde verwurzelt.“

Wie war Ihr erster Eindruck von Schongau?

Petro: „Sehr gut. Ich habe mich eigentlich gleich zurechtgefunden, als ich in die Stadt gefahren bin. Dann habe ich mich erst einmal umgeschaut und war überrascht und begeistert vom Ambiente.“

Und wie ist der Eindruck nach drei Monaten?

Petro: „Immer noch positiv. Ich bin von Schongau überzeugt. Nur mit der negativen Sicht auf die Dinge hadere ich. Zum Beispiel bei den Öffnungszeiten in der Altstadt. Hier wird sich beschwert, dass viele Läden über Mittag zu haben, anstatt zu sehen, dass mittlerweile über die Hälfte über Mittag geöffnet sind. Oder auch die Baustellen, die gibt es momentan nun einmal überall. Aber diese Beschwerden sind ja kein Schongauer Phänomen.“

Sondern ein bayrisches?

Petro: „Vielleicht.“

Die Belebung der Altstadt dürfte einer Ihrer obersten Punkte auf der Liste sein. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Petro: „Ganz oben stehen die Maßnahmen des Einzelhandelskonzepts, die umgesetzt werden wollen. Noch vor Weihnachten soll ein Einkaufsführer mit Gutscheinen rauskommen. Außerdem steht die Evaluation der Fußgängerzone an. Da habe ich in den letzten Wochen einen Fragebogen mit etwa 30 Fragen erarbeitet, den die Gewerbetreibenden in der Altstadt dann hoffentlich ehrlich beantworten. Mein Ziel ist es, bis Ende Oktober hier Ergebnisse zu haben.“

Schongaus Parkraumkonzept war auch immer ein großes Thema. Beschäftigen Sie sich damit noch?

Petro: „Frau Voigt hat hier super Arbeit geleistet. Ich habe es zwar immer noch im Blick, aber eigentlich läuft es. Es ist sehr verständlich, auch ich habe mich am Anfang gleich zurechtgefunden. Meiner Meinung nach haben wir kein Parkplatzproblem in der Altstadt.“

Ihrem Vorvorgänger Martin Soyka wurde oft vorgeworfen, er habe sich zu wenig in der Öffentlichkeit gezeigt und sei zu wenig vernetzt...

Petro: „Für mich hat es oberste Priorität, mich nach und nach bei allen vorzustellen und ich versuche, mich oft sehen zu lassen. Zum Beispiel treffe ich mich regelmäßig mit der Werbegemeinschaft oder ‚Schongau belebt‘. Ich versuche, Sprachrohr und Vermittler zwischen Stadt und Gewerbe zu sein. Dabei geht es aber nicht nur um die Altstadt, sondern um die ganze Stadt. So besuchen Bürgermeister Sluyterman und ich zur Zeit auch ungefähr einmal pro Woche ein mittelständisches Unternehmen, um herauszufinden, wo die Stadt unterstützen kann. Ich bin auch jemand, der lieber persönlich mit den Leuten spricht als am Telefon.“

Ihren Vorgänger hat auch die „politische Komponente“ an der Stelle gestört. Wie politisch ist denn Ihre Arbeit?

Petro: „Erst mit dem neuen Stadtlogo habe ich gemerkt, wie politisch sie sein kann. Ich bleibe aber immer neutral. Mich interessiert die Bevölkerung und das Gewerbe. Trotzdem ist der Stadtrat nicht zu unterschätzen. Mir ist es jedoch wichtig, den Stadtrat bei meinen Projekten mitzunehmen. Aber das ist nichts Neues für mich. Auch in meiner Tätigkeit bei dem Münchner Büro mussten wir oft in Gemeinde- oder Stadtrat. Meine Mutter ist selbst seit fast 18 Jahren im Gemeinderat und mein Vater hat mich auch gut vorbereitet. Er war jahrelang gemeindlicher Bauleiter und hat mir beigebracht, nicht alles persönlich zu nehmen. Das kriege ich gut hin.“

Auch am zur Verfügung stehenden Budget übte ihr Vorgänger Kritik...

Petro: „Bisher stand mir das noch nicht im Wege. Da ich aber zum ersten Mal in der Verwaltung arbeite, ist Haushaltsplanung noch neu für mich. Aber die Unterstützung im Haus ist gut. Wo die Stadt etwas zur Belebung beitragen kann, macht sie es auch.“

Was haben Sie in der Zukunft mit Schongau vor?

Petro: „Nächstes Jahr möchte ich eine Qualitätsoffensive starten. Wie die aussehen wird, kann ich noch nicht genau sagen. Außerdem muss dem ISEK wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden und der Jahresbericht für die Bürgerversammlung steht an. Auch das ReCup-System (Pfandsystem für Kaffeebecher, Anm. d. Red.) möchte ich gerne mit Weilheim zusammen einführen. Das Thema Müll wird mich ja immerhin auch weiter begleiten, da wären die Pfandbecher ein Anfang. Sonst will ich mich eigentlich nicht festlegen, das ergibt sich.“

Was wünschen Sie sich denn von den Schongauern?

Petro: „Dass sie positiv denken, die Sachen annehmen wie sie sind und vielleicht besser machen. Sie sollten die Potenziale der Stadt erkennen.“

Welche Potenziale hat Schongau denn Ihrer Meinung nach?

Petro: „Schauen wir uns die Altstadt doch an. Mit ihrer intakten Stadtmauer und dem Marienplatz ist sie wunderschön. Wieso kann man nicht darauf weiter aufbauen und den Ist-Zustand annehmen, anstatt über die Fußgängerzone zu schimpfen? Autos bringen auch keine Belebung.“

Und welche Hindernisse?

Petro: „Das Bauen auf der grünen Wiese ist natürlich schwierig für die Altstadt. Bei dem Thema hat Schongau in den letzten Jahrzehnten einiges versäumt. Den Ihle am Kreisverkehr hingegen hätte ich nicht schlecht gefunden. Wettbewerb belebt nun mal das Geschäft und es hätten Synergieeffekte entstehen können. Insgesamt könnten die Schongauer manchmal ein bisschen aufgeschlossener sein.“

Interview: Astrid Neumann

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