Landsberg schert aus

Kein Krankenhaus-Verbund mit Weilheim-Schongau

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Ist durch den Ausstieg Landsbergs auch ein Verbund zwischen Weilheim-Schongau und Fürstenfeldbruck vom Tisch?

Landkreis – „Die Zusammenarbeit ist die große Chance, überhaupt kommunal lebensfähig zu bleiben.“ Eine Aussage, die Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau im März vergangenen Jahres mit Blick auf den damals geplanten Verbund mit den Kliniken in Landsberg und Fürstenfeldbruck getroffen hat. Doch nun steht fest: Der Landkreis Landsberg steigt aus.

Rund ein Jahr nach Lippmanns damaligem Statement, am 16. und 17. März 2018, zogen sich Vorstand, Chefärzte, Mitarbeitervertreter und Verwaltungsrat des Landsberger Klinikums zwei Tage lang zur Klausurtagung nach Bad Bayersoien zurück. Auf ihrer Agenda stand nur ein Thema: Wolle man die angedachte Fusion mit den Krankenhäusern in Schongau, Weilheim und Fürstenfeldbruck vorantreiben oder eine Landsberger Beteiligung abblasen? Am Ende entschloss man sich einstimmig für letzteres.

„Wir werden einen Verbund nicht weiter verfolgen“, bestätigt Landrat Thomas Eichinger, der auch Vorsitzender des dortigen Verwaltungsrats ist, auf Anfrage des Kreisboten. „Zumindest im Augenblick.“ Das Jahr 2016, in dem das Landsberger Krankenhaus ein Minus von 2,3 Millionen Euro einfuhr, habe sich mit etwas zeitlichem Abstand als negativer Ausreißer erwiesen.

Ein Ausrutscher also, der aber einige Wirkung entfaltete. Denn vor allem angesichts dieses damaligen Eindrucks sei seinerzeit die Idee eines Verbunds gereift, dem sich auch Landsberg hatte anschließen wollen. Doch mittlerweile stehen die Vorzeichen anders: Bereits 2017 wurde das Defizit wieder auf 500.000 Euro gesenkt, im laufenden Jahr ist die Schwarze Null das erklärte Ziel.

Eichinger beschreibt es so: „Die angestoßenen Maßnahmen in unserem Haus wirken und sollen weiter wirken, dann sind wir fit für weitere Schritte.“ Ökonomisch und medizinisch entwickle sich das Klinikum erfreulich. Angesprochen auf Lippmanns Zitat aus dem März 2017, entgegnet er: „Wir trauen uns die Lebensfähigkeit ohne Verbund zu.“

Beim Krankenhaus Weilheim-Schongau ist man überrascht. „Ich weiß gerade auch nur, was in der Zeitung steht“, sagt Pressesprecherin Isa Berndt am Gründonnerstag, 29. März. Erschienen war der entsprechende Artikel im Landsberger Kreisboten am Vortag und damit immerhin sechs Tage, nachdem der Landsberger Verwaltungsrat sich zur entscheidenden Sitzung getroffen hatte. Genug Zeit also für die Landsberger, um ihren Entschluss zu kommunizieren. Was auch geschehen sei, so Eichinger. „Ich habe Landrätin Jochner-Weiß gleich tags darauf, am 23. März, informiert.“

„Punktuelle Kooperationen“, so Eichinger, halte man von Landsberger Seite aus ungeachtet des derzeitigen Umschwenkens weiterhin für wünschenswert – beispielsweise bei der Geburtshilfe und Kindermedizin. Die Tür für einen Verbund in etwas weiter entfernter Zukunft will er „auf keinen Fall“ endgültig zuschlagen. „Das Gesundheitswesen ändert sich ständig“, vielleicht sei eine enge Zusammenarbeit bis hin zur Fusion in fünf Jahren auch aus Landsberger Warte wieder reizvoll.

Ob die Entscheidungsträger in Weilheim-Schongau das genauso sehen, ist zum aktuellen Zeitpunkt unklar. „Wir können gerade überhaupt nichts sagen“, so Berndt stellvertretend für das Krankenhaus Weilheim-Schongau am Gründonnerstag. Nur die Landrätin könne sich äußern. Doch diese war am Gründonnerstag im Urlaub und deshalb nicht zu erreichen – ebenso wie Amtskollege Thomas Karmasin aus Fürstenfeldbruck. Vorerst offen bleibt damit, ob durch das Landsberger Ausscheren die gesamte Verbund-Idee platzt, oder ob ein solcher mit Fürstenfeldbruck weiter vorangetrieben wird. Und wenn nicht, was das für die von Lippmann skizzierte Entwicklung der Weilheim-Schongauer Lebensfähigkeit bedeuten würde.

Ebenfalls im März 2017 hatte dieser auf die Frage des Kreisboten, wer seinerzeit die Idee eines Verbunds angestoßen habe, geäußert: „Die Erkenntnis war bei allen gleich, nämlich, dass unsere kleinen Krankenhäuser auf Dauer alleine nur schwer überleben können.“ Zumindest in Landsberg ist man von dieser Ansicht mittlerweile abgekommen.

ras

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