Nachbarschaftshilfen und Corona-Care: 

Engagement gegen das Virus im Schongauer Land

+
Zum Beispiel bei notwendigen Besorgungen wollen die Freiwilligen helfen.

Schongau – Corona macht den Alltag schwieriger. Freiwillige organisieren sich, um ihren Mitmenschen beizustehen. Bürgermeister Thomas Dorsch weist darauf hin, dass die Nachbarschaftshilfe in Hohenpeißenberg aktiv bleibt. Er nennt Einkaufs- und Arztfahrten sowie Kinderbetreuung als Beispiele. Auch der Schongauer Marcel Burghardt, Freundin Nadia Iannantuoni und fünf weitere Helfer wollen sich engagieren. Sie bringen eigeninitiativ mittels einer Facebook-Gruppe Hilfesuchende und -leistende zusammen und bieten ihre Unterstützung an. Der Kreisbote hat sich am Mittwoch mit Burghardt unterhalten.

Wie kam es dazu, die Facebook-Gruppe „Schongau hilft sich – Coronacare“ einzurichten?

Burghardt: „Die Idee kam eigentlich recht spontan. Wir verfolgen die Entwicklung in den vertrauenswürdigen Medien und machten uns Gedanken, wie man sich gegenseitig helfen kann. Wir sind beide sind in der Pflege tätig, ich persönlich zudem im öffentlichen Dienst und ehrenamtlich im Sanitätsdienst und Hausnotruf bei einer Hilfsorganisation im Allgäu. Wir haben uns gefragt, welche Unterstützung Menschen haben, die beispielsweise keine Familienangehörigen in der Nähe haben oder vielleicht auch gar niemanden, der ihnen in dieser Situation behilflich sein kann. Zu unserer Zielgruppe zählen demnach vor allem Ältere, direkt Betroffene, Menschen mit Immunschwäche als auch einfach nur die, die sich an die aktuellen Auflagen halten.“

Ist Schongau ein fruchtbarer Boden für so eine Idee?

Burghardt: „Dazu können wir aktuell auch noch nichts genaueres sagen. Momentan ist das ja eine absolute Ausnahmesituation. Wir halten es in diesen Zeiten allerdings für enorm wichtig, dass wir in unserer Gesellschaft nicht nur auf uns selber achten, sondern auch auf unsere Mitmenschen, allen voran die schwächeren.“

Statt eine neue Facebook-Gruppe zu gründen, ist die rund 550 zählende Facebook-Gruppe „Zu Verkaufen Schongau und Umgebung“ umfunktioniert worden?

Burghardt: „Ja. Der Gedanke dahinter war, so schnell wie möglich eine große Anzahl an Nutzern zu erreichen – die dann auch durch mündliche Weitergabe dazu beiträgt, dass diese Form der Bürgerhilfe bekannt gemacht wird.“

Wie sahen die ersten Reaktionen der Gruppenmitglieder aus?

Burghardt: „Die waren durchaus positiv. Wir haben viele Nachrichten bekommen von Angehörigen, die beispielsweise Großeltern zuhause sitzen haben, die sich nicht mehr heraustrauen. Auch gab es Zuschriften von Betroffenen, die aufgrund von Vorerkrankungen dringend auf Mundschutz und Desinfektionsmittel angewiesen sind; da sie aber beides nicht mehr haben, trauen sie sich nicht mehr vor die Tür und haben gelegentlich auch niemanden, der das für sie erledigt.“

Worin besteht Eurem Eindruck nach also der größte Bedarf an Hilfeleistungen?

Burghardt: „Aktuell sehen wir den größten Bedarf erst einmal an Freiwilligen, die uns dabei helfen, andere Menschen in dieser Ausnahmesituation zu unterstützen. Ideal wären auch Freiwillige, die Einkäufe und wichtige Besorgungen, bestenfalls mit eigenem Pkw, für betroffene Personen erledigen könnten. Uns erreichen auch Anfragen, ob wir einfach nur mal Gespräche telefonisch anbieten können für ältere Menschen, die den ganzen Tag alleine zuhause sind. Auch hier sehen wir großen Bedarf, denn Einsamkeit kann gerade jetzt gefährlich sein.“

Wie war die weitere Resonanz bisher?

Burghardt: „Wie schon erwähnt haben wir viel Zuspruch bekommen. Es gab auch einige wenige Nachrichten, in denen man uns vorwarf, auf diese Weise nur mehr Menschen anzustecken. An dieser Stelle kann ich versichern, dass jeder von uns auf den Schutz anderer und auch auf seinen eigenen achtet. Wir sind zudem regelmäßig in Absprache mit den zuständigen Behörden und ich persönlich spreche bestimmte Dinge dort auch ab.“

Worauf ist dabei zu achten?

Burghardt: „Vor einer Versorgungsfahrt wird natürlich der Einkaufspreis vereinbart und ein Einkaufszettel übermittelt. Zudem führen wir Listen, welcher Helfer wann mit welcher Person in Kontakt gewesen ist, aus welcher auch Adressdaten hervorgehen und die Zeiträume, sowie besuchte Läden. Diese Dokumente erstelle hauptsächlich ich, da es so für alle Beteiligten einfacher wird. Diese Angaben werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Wir sind auch am überlegen, da es ja sinnvolle Datenschutzgesetze gibt, ob wir jedem Helfer in der Gruppe einfach ein Dokument zur Verfügung stellen – und somit jeder seine Kontakte für Erledigungen selbst sicher verwaltet. Das werden wir heute im Laufe des Tages noch mit der Polizei besprechen.“

Facebook dürfte für Senioren allerdings ein Kanal sein, der nicht alle erreicht. Wie könnte man sich sonst melden und Hilfe suchen/bieten?

Burghardt: „Das ist richtig. Deshalb haben wir auch darum gebeten, diese Nachricht mündlich zu verbreiten. Wir kümmern uns auch im Urlaubsrückkehrer aus Asien und betroffenen Risikogebiete, wenn diese unter Quarantäne stehen. Auch dieser Artikel kann vielleicht dazu beitragen, dass wir noch mehr Menschen erreichen.“

Sind Euch ähnliche Facebook-Gruppen zum Thema bekannt und seid Ihr mit diesen vernetzt?

Burghardt: „Aktuell kennen wir nur ein Engagement aus Peiting, mit denen wir jedoch noch nicht in Kontakt stehen. Grundsätzlich sind derartige Hilfsangebote von Menschen für andere Menschen immer gut und vor allem in diesen Zeiten auch wichtig. Ansonsten haben wir uns bei den größeren Radiosendern in den entsprechenden Facebookgruppen schon angeboten.“

Welche konkreten Hilfsangebote bietet Ihr als Gruppengründer denn selber an?

Burghardt: „Ich persönlich kümmere mich um die Vernetzung zwischen Hilfesuchenden und freiwilligen Helfern, gebe Basic-Informationen für die eigene Sicherheit und die der Betroffenen weiter. Da Ich aktuell selbst krankgeschrieben bin, kann ich natürlich keine persönlichen Dienste erledigen. Sobald ich genesen bin, beteilige ich mich nach Möglichkeit natürlich an Besorgungsfahrten.“

Kontaktaufnahme

„Schongau hilft sich – Coronacare“ ist auf Facebook, unter Tel. 08861/2268365 oder per Mail an schongau.hilft@t-online.de zu erreichen.

Kontakt zur Nachbarschaftshilfe Hohenpeißenberg kann unter Tel. 0160/3133543 sowie 08805/921998 aufgenommen werden.

Sie organisieren ebenfalls eine Nachbarschaftshilfe? Bitte melden Sie sich unter redaktion-sog@kreisbote.de oder Tel. 08861/92150. Wir nehmen Sie dann gerne in unsere Übersicht auf.

Interview: Rasso Schorer

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Projekt „Leuchtturm“ für Menschen in Notlagen von Kreisbote und Rotary-Club geht in die zweite Runde
Projekt „Leuchtturm“ für Menschen in Notlagen von Kreisbote und Rotary-Club geht in die zweite Runde
Attacke auf Rettungskräfte und Polizei
Attacke auf Rettungskräfte und Polizei
Schongauer Gold als Krisen-Bier
Schongauer Gold als Krisen-Bier
Vorhabenbezogener Bebauungsplan fürs Marienheim
Vorhabenbezogener Bebauungsplan fürs Marienheim

Kommentare