Kunst während Corona:

Bronzeguss flirtet mit Gesichtsmasken

+
Gesichtsmasken statt Töpfereien widmet sich die Hohenfurcherin Franziska Zimmermann – zumindest für kurze Zeit.

Hohenfurch – Für viele Berufsgruppen sind schwierige Zeiten angesagt. Schließungen von Firmen, Kurzarbeit, Schule zuhause, dazu Ausgangsbeschränkungen. An Sportveranstaltungen oder Partys nicht zu denken. Die Musikbranche hat Fastenzeit, Musiker werkeln maximal in eigenen Kellerstudios. Doch was machen freischaffende Künstler, für die jetzt Ausstellungen oder Märkte tabu sind? Wir haben nachgefragt.

Das Atelier von Egon Stöckle liegt in idyllischer Quarantäne, so könnte man formulieren. Weit ab vom Schuss. Schafe grasen auf der großen Wiese, Schwäne ziehen ihre Kreise auf dem Lech vor der kleinen Insel. Doch für all dies hat der Künstler im Moment so gar keinen Blick übrig. Er ist in seiner Werkstatt beschäftigt, um unbedingt schon lange zugesagte Arbeiten fertig bringen. Auftragsarbeiten, die schon im vergangenen Jahr nach einer Ausstellung bestellt wurden.

Egon Stöckle wie man ihn kennt: Blauer Overall, die handgestrickte Wollmütze tief ins Gesicht gezogen, die Brille auf der Nasenwurzel. Doch an diesem Tag ist selbst sein Gesicht hinter der Schutzmaske versteckt. Corona? „Diese Maske trage ich immer, wenn ich mit Schleifarbeiten beschäftigt bin“, ist sein Begrüßungsatz. Nur die Augen wandern zum Besucher, die Hände setzen die Arbeit an dem Werkstück fort.

Kurze Schaffenspause. Die Maske bleibt auf. Erklärungen in dumpfer Stimmlage. „Nachdem ich im vergangenen Jahr von der Stadt Landsberg denHerkomer-Preis bekommen habe, bekam ich von Privatleuten Anfragen für kleine Skulpturen“, erzählt Stöckle. Ein Vater wollte für seine beiden Kinder je einen Elefanten gefertigt bekommen, zwei andere Besucher entschieden sich für zwei Eulen und den „Kleinen Läufer“. Priorität hatte aber zuerst das große Holzkreuz für die neue Kapelle im Weilheimer Krankenhaus.

Jetzt sind endlich die sechs kleinen Skulpturen an der Reihe – kann man daran so lange arbeiten? Kann man. Das Stück wird in Wachs modelliert, nachgearbeitet und verfeinert und dann in Bronze gegossen. Der große Vorteil für den Künstler: Er muss zu keinem der Arbeitsschritte sein Domizil am Lech verlassen. Selbst den Bronzeguss kann er in eigener Werkstatt ausführen. Der Rohguss wird dann am Ende überarbeitet und patiniert. Von jedem Stück fertigt Stöckle ein zusätzliches Exemplar an. Aus Sicherheitsgründen. „Falls ein Guss misslingt, habe ich immer noch ein Ersatzstück.“ Und setzt noch nach, dass er somit gut ausgelastet sei.

Schluss mit Pause. Als Zusatz der Hinweis von Stöckle, dass seine Frau Franziska in der Wohnstube arbeitet. Richtig, fast vergessen, Künstlerehepaar. Aber Wohnstube? Der Arbeitsplatz von Franziska Zimmermann ist doch ihre Töpferwerkstatt im Nebengebäude. Nicht an diesen Tagen. Da gilt Nähmaschine anstatt Töpferscheibe. Sie kommt dem Wunsch der Kinder und Enkel nach, Gesichtsmasken zu nähen. Kein Problem für die Künstlerin, schließlich hat sie Geschick in den Händen.

Doch auch in ihrem eigentlichen Metier hat Franziska Zimmermann noch einige Bestellungen und Aufträge vom Weihnachtsmarkt im Gerbersaal abzuarbeiten. „Das wird jetzt Stück für Stück erledigt.“ Kein Problem in Sachen Gesundheit, sie sitzt ja auch alleine in ihrer Werkstatt. „Leider“, wie sie erzählt, denn eigentlich hätte sie eine Praktikantin an ihrer Seite. Eine junge Frau aus Landshut von der Keramikfachschule, die sich vor ihrer Gesellenprüfung noch bei Zimmermann den letzten Schliff holen wollte. „Sie wollte hier vor allem an der Töpferscheibe drehen, weil sie ja an der Schule dazu keine Möglichkeit hat.“ Die ist wie alle Schulen geschlossen.

Ebenfalls werden Töpfer- und Keramikmärkte abgesagt, die vor allem im Frühling stattfinden. Zum großen Leidwesen für Zimmermann auch der in Urbach bei Schwäbisch-Gmünd. Der war für die Künstlerin in jedem Jahr ein Muss, da dort sehr gute Umsätze gemacht wurden. Was soll´s, „Meine Ware wird wenigstens nicht schlecht oder verdirbt“, so ein Schimmer der Hoffnung in der Idylle am Lech.

hh

Auch interessant

Meistgelesen

Missglücktes Überholmanöver bei Ingenried
Missglücktes Überholmanöver bei Ingenried
Schlangenlinien auf der B 23
Schlangenlinien auf der B 23
Diskussion im Brauhaus zum Thema Rassismus allgemein und im Landkreis
Diskussion im Brauhaus zum Thema Rassismus allgemein und im Landkreis
Investition bei TQ-Systems auf ehemaligem Agfa-Gelände
Investition bei TQ-Systems auf ehemaligem Agfa-Gelände

Kommentare