Potentieller Betreiber stellt sich vor

Nahkauf im Bernbeurer Schnitzerstadel?

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Dem Wunsch nach einem Vollversorger im Schnitzerstadel haben die Bernbeurer bereits mehrfach Ausdruck verliehen. Nun hat ein möglicher Betreiber seine Ideen dargelegt.
  • vonRasso Schorer
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Bernbeuren – Mit Gerd Nieth und Özlem Günay haben sich am gestrigen Dienstag die potentiellen Betreiber eines Nahversorgers dem Bernbeurer Gemeinderat vorgestellt. Ihr Konzept für einen „Nahkauf Tante Emma“ im Schnitzerstadel könnte aufgehen – wenn die Rathausverwaltung grünes Licht gibt. Zwei Hürden müssen dort nämlich noch genommen werden. Wenn alles klappt, könnte im Frühjahr 2023 eröffnet werden.  

Knapp 500 Quadratmeter misst das Obergeschoss im Schnitzerstadel. Dort, wo seit Jahren Leere herrscht, könnte sich in Bälde ein Nahversorger niederlassen. Ein großer Wunsch der Gemeinde würde damit in Erfüllung gehen, zeitgleich dem historischen Gebäude wieder Leben eingehaucht.

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung begrüßte Bürgermeister Karl Schleich mit Gerd Nieth und Özlem Günay die Geschäftsführer der Firma GüNiEs. Beide sind gelernte Kaufmänner und betreiben unter den Namen „Nahkauf Tante Emma“ bereits mehrere Niederlassungen, überwiegend im Schwäbischen Allgäu. „Wir wissen, wovon wir reden“, schickte Nieth gleich vorneweg.

Obschon die Nahkauf-Niederlassungen der GüNiEs oHG den fast schon heimeligen Beinamen „Tante Emma“ führen, dürfe Bernbeuren mit einem echten Vollversorger rechnen, sagte Gerd Nieth. Zwar gehöre das Nahkauf-Konzept zum Rewe-Konzern, könne GüNiEs dennoch zu einhundert Prozent selbständig agieren. Würde beispielsweise Eigenproduziertes eines ansässigen Landwirts ins Sortiment passen, „dann könnten wir das aufnehmen!“.

Knapp 10.000 Artikel würde das Sortiment umfassen, das beide vor Ort umsetzen wollen. Halten Discounter in der Regel eine Sortimentsstärke von bis zu 5.000 Artikeln vor, legt der potentielle Nahversorger für Bernbeuren damit also deutlich vor.

Auch dem wohl vorauseilenden Gerücht einer höheren Preisgestaltung wollte Gerd Nieth gleich entgegentreten: „Wir decken Preise für alle Bevölkerungsschichten ab“. So gehörten Rewe-Eigenmarken zu Discountpreisen genauso zum Angebot wie Markenprodukte.

Mit Post, Metzger, Bäcker

Mitintegriert in das Nahversorger-Sortiment werde eine Postfiliale, gab Gerd Nieth Auskunft. Zwar seien er und Özlem Günay keine Befürworter dieses Systems, „daran verdient nämlich nur die Post selbst“, doch respektierten beide die Notwendigkeit für die Bevölkerung. Geöffnet haben wird der „Nahkauf Tante Emma“ voraussichtlich wochentags von 7 bis 19 Uhr, an den Samstagen von 7 bis 18 Uhr.

Geplant sei zudem die Integrierung von Bäcker- und Metzgertheke. Hier würden sich die beiden Kaufleute über Bewerbungen regionaler Handwerksbetriebe freuen. „Ein paar potentielle Thekenbetreiber hätten wir bereits an der Hand“, erklärte Gerd Nieth, Betriebe aus der unmittelbaren Region wären jedoch immer die erste Wahl.

Auch ein kleines Tagescafé könnte sich die GüNiEs oHG vorstellen. Da die 500 Quadratmeter Grundfläche des Schnitzerstadels dafür nur bedingt ausreichten, käme eine Art Anbau – etwa ein Wintergarten – in Betracht. Unter dieser Prämisse musste Gerd Nieth deshalb die Bitte eines Zuschauers nach Errichtung des Marktes im Erd- anstelle des Obergeschosses ablehnen. Für beide Kaufleute käme nur eine Realisierung im oberen Teil des Gebäudes in Frage.

Markt im Obergeschoss

„Es geht für uns nicht anders“, sagte Nieth, im unteren Bereich überwiegen zu viele negative Aspekte. „Wenn wir nach Bernbeuren kommen, dann nur ins Obergeschoss.“

Ein deutlich positives Signal konnte Gerd Nieth zur Publikumsfrage nach Personal ausgeben. Knapp zehn Arbeitsplätze würden geschaffen werden, „am liebsten natürlich rekrutiert aus der heimischen Bevölkerung“, sagte er. Zudem dürfe die oHG ausbilden, was wohl auch für Bernbeuren spruchreif wird.

Als im Anschluss Bürgermeister Karl Schleich schließlich das Wort ergriff, zeigte auch er sich überzeugt von den Plänen Nieths und Günays. Zum einen sei er sehr froh, dass beide mit der zur Verfügung stehenden Fläche etwas anfangen können, zum anderen dass mit der Sortimentsstärke ein echter Vollversorger nach Bernbeuren komme. Auch ein möglicher Vorvertrag über eine Betreiberlaufzeit von zehn Jahren – Tendenz Verlängerung – stimme ihn optimistisch. Zuletzt gefiel dem Rathaus­chef das Konzept besonders, das örtliche Bäcker und Metzger mit einschließe. „Damit wäre alles erfüllt, was wir am Ort brauchen.“

Optik bleibt

Dass sich das äußere Erscheinungsbild des historischen Hauses so gravierend nicht verändern wird, auch das konnte Karl Schleich bestätigen. „Der sichtbarste Einschnitt wären Hofumfahrt und Parkplätze“. Die Optik wird also bleiben, „nur eben saniert“, sagte er. Rückendeckung gäbe es auch vonseiten Denkmalschutz und Amt für ländliche Entwicklung, „die hinter den Plänen stehen“.

Als nächsten Schritt werde die Verwaltung in der kommenden Woche Gespräche mit Planern und Architekten vom kommunalen Denkmalkonzept führen, gab der Bürgermeister Auskunft. Eine Machbarkeitsstudie steht ebenfalls an; falle diese positiv aus, könne über die Finanzierung gesprochen werden. „Noch ist nichts in trockenen Tüchern“, sagte Schleich, doch sei er zuversichtlich. „Wenn alles klappt, könnte im Frühjahr 2023 eröffnet werden.“

Wie hoch die Summe sein könnte, die für die Ertüchtigung des Schnitzerstadels zum Einsatz kommt, darüber konnte und wollte Karl Schleich noch keine Prognose abgeben. Die Ausbaupläne, die noch vor etwa eineinhalb Jahren im Raum standen, sind ja zwischenzeitlich vom Tisch. Der Gebäudeumbau wird nun deutlich kleiner ausfallen, was auch Auswirkungen auf die Kosten hätte.

Regine Pätz

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