Zankapfel aus dem Fokus

Alternativer Supermarkt-Standort in Rottenbuch

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Postplatz statt Gärtnereigelände: Anstelle der Bankfiliale könnte hier ein Supermarkt für den Ort entstehen.

Rottenbuch – Die Bürger Rottenbuchs hatten vor rund einem Jahr per Bürgerentscheid für einen Supermarkt am Ort gestimmt. Das Anfang 2018 von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro sollte ergebnisoffen an die Planungen herangehen. Das erweist sich als Glücksgriff, denn der Zankapfel „Gärtnereigelände“ scheint aus dem Fokus geraten zu sein.

Der Planer schlug nämlich nach intensiver Prüfung von Größenbedarf und örtlichen Verhältnissen als stimmige Alternative den Postplatz vor. „Noch ist nichts in trockenen Tüchern“, betont Bürgermeister Markus Bader. Doch es sieht nicht schlecht aus, denn auch die Raiffeisenbank als Eigentümerin zeigt sich offen für diese Variante. Zwar würde dies einen Abriss des bisherigen Gebäudes bedeuten, im Sinne der Städtebauförderung würden die Maßnahmen am Postplatz aber als Beseitigung eines städtebaulichen Missstandes gelten und wären daher förderungswürdig, erläuterte Bader.

Bankfiliale bleibt

„Dass übrigens die Kreditabteilung, bisher in Rottenbuch ansässig, nach Steingaden umzieht, hat nichts mit den neuen Plänen zu tun und ist eine rein bankinterne Entscheidung“, weiß Bader. Denn die Raiffeisenbank werde auf jeden Fall ihre Filiale in Rottenbuch beibehalten, so das klare Signal an die örtlichen Kunden.

Der Gemeinderat will noch in diesem Jahr einen Verkehrsplaner beauftragen, damit dieser auch gleich loslegen kann. Die ersten Ergebnisse erwartet Bader dann im Januar beziehungsweise Februar. Aber auch hier soll in Alternativen gedacht werden, um sich gegebenenfalls mehrere Optionen offen zu halten. Einen Kreisverkehr im Ort soll es in naher Zukunft eher nicht geben.

„Gründlichkeit vor Schnelligkeit“, das ist das Credo des jungen Ortsvorstehers. Denn bevor man in die Detailplanung gehen könne, müssten erst einmal grundlegende Fragen der zukünftigen Verkehrssituation, beispielsweise Parkplätze, eine Unter- oder Überführung der Straße und dergleichen geklärt sein. Die neue Idee hat auf jeden Fall den Charme, die bisher von der Bundesstraße getrennten Ortsteile wieder zusammenzuführen.

Im Rahmen des Bürgerentscheids hatte es massiven Widerstand gegen das Vorhaben gegeben. Hauptkritikpunkt war die Verschandelung des Ortsbilds durch einen Zweckbau. Auch das Landesamt für Denkmalschutz sah dies durchaus kritisch. Zudem befürchtete sowohl der Einzelhandel am Ort als auch in der Umgebung eine Konkurrenzsituation.

Bereits damals versuchte Bürgermeister Markus Bader die Gemüter zu beruhigen. Bei einer angedachten Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern sei beispielsweise eine integrierte Bäckerei gar nicht sinnvoll. Dies habe er auch gegenüber den benachbarten IKEK-Gemeinden, die sich im Rahmen des interkommunalen Entwicklungskonzepts zusammengeschlossen haben, so kommuniziert, bekräftigte Bader. Denn die Gemeinde kann durchaus beeinflussen, ob eine Poststelle, Bankfiliale oder Bäckerei gestattet ist. „Und“, räumt Bader eventuelle Befürchtungen aus, „der Standort am Postplatz gibt es alleine wegen der baulichen Beschränkungen gar nicht her, dass da eventuell nachträglich noch Räumlichkeiten für einen Bäcker oder ähnliches angebaut werden“.

Allerdings sei es natürlich dem Eigentümer beziehunsweise Investor des Supermarktes überlassen, an welchen Betreiber er verpachtet. „Da haben wir als Gemeinde kein Mitspracherecht“, stellt Bader klar.

Wichtig für die Gemeinde

Zufrieden zeigt Bader sich auch noch im Nachhinein mit der Entscheidung der Gemeinde, das damalige Gärtnereigelände zu kaufen. „Das ist jetzt unser Türöffner“, erläutert er. Denn der Zufall wollte es, dass der avisierte Neubau der Schule von Regens Wagner ins Wasser zu fallen und damit eine Abwanderung drohte. Die Regens Wagner Stiftung kümmert sich in Rottenbuch vor allem um behinderte Kinder und Jugendliche und bildet am Standort Erzieher aus. Bader stellte klar, dass Regens Wagner als größter Arbeitgeber für die Gemeinde unverzichtbar sei. Zudem würden die behinderten Kinder das Dorfleben bereichern; sie seien stets herzlich willkommen.

Als es eine offizielle Anfrage von Regens Wagner an die Gemeinde nach einem alternativen Bauplatz gab, kam die Option mit dem Gärtnereigelände gerade recht. „Eine Schule würde sich auch architektonisch ganz anders ins Ortsbild einfügen als ein Supermarkt“, ist sich Bader sicher.

„Es gibt zwar noch nichts Konkretes“, verrät der Rathauschef noch, „aber eventuell gibt es doch noch eine Möglichkeit für Regens Wagner so zu bauen wie ursprünglich geplant“. Und sollte nach den Ergebnissen der Planung doch die Notwendigkeit bestehen, sich bei der Bebauung des Gärtnereigeländes zwischen Schule und Supermarkt zu entscheiden, gibt es für Bader gar keine Diskussion: „Die Schule ist uns wichtiger als ein Supermarkt!“

spe

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