Gespräche stehen an

Beschluss zum Peitinger Marienheim ruht

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Mit Fassadenfarbe, Erkern, Giebeln und Gauben ein markantes Gebäude: das Marienheim in Peiting, vom Alten Friedhof aus fotografiert.

Peiting – Vorerst ruhen lässt die Gemeinde den Beschluss, dem Marienheim auf einem Grundstück am Bühlach einen Neubau zu ermöglichen. Laut Bürgermeister Michael Asam kommt es noch im November zu einem Gespräch der Heimleitung, der Arbeiterwohlfahrt und der Gemeinde mit dem Landratsamt, mit dem Bezirk und mit der Regierung von Oberbayern. Asam: „Davon hängt viel ab“.

Der Bürgermeister meint damit die grundsätzliche Standortfrage. Es gibt wohl zwei Varianten: den Umbau am jetzigen Standort an der Bahnhofstraße oder den Neubau einen Kilometer weiter östlich am Bühlach. Vorerst werde der Beschluss des Marktgemeinderates mit der Genehmigung für einen Neubau ausgesetzt, erklärte der Rathaus­chef diese Woche im Gemeinderat.

Schon seit Jahren war eine Sitzung im Sparkassensaal nicht mehr so gut besucht wie am Dienstagabend. Immerhin 60 Interessierte fanden sich dazu ein. Zahlreiche Stühle mussten zusätzlich aus dem Lager nach vorn getragen werden, damit jeder einen Sitzplatz hatte. Das Thema des Marienheim-Neubaus stand zwar nicht offiziell auf der Tagesordnung. Doch Bürgermeister Asam hatte angekündigt, dass er in der Sitzung dazu Stellung nehmen werde.

Vorausgegangen war aufgrund der Anliegerproteste ein runder Tisch. Die Wogen, die das geplante Vorhaben mit dem großen Gebäudekomplex am Bühlach im Osten Peitings hervorgerufen hat, sollten geglättet werden. Der Standort wäre gegenüber dem neuen Friedhof. Das Grundstück hatte die Gemeinde der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Bezirk Oberbayern, die als neuer Träger das Marienheim übernehmen soll und als Bauherr auftritt, zum Verkauf angeboten.

Weiterer Anlauf

Bürgermeister Asam berichtete von einem sachlichen Gespräch. Er habe dazu informiert, dass es einen neuen Anlauf gebe mit dem Versuch, am jetzigen Standort das Marienheim als Einrichtung zur Betreuung psychisch erkrankter Menschen weiter zu betreiben. Für diese Prüfung habe die AWO einen anderen Architekten eingeschaltet.

Der Rathauschef erklärte des Weiteren, dass er mit dem Referatsleiter beim Bezirk Oberbayern darüber gesprochen habe, ob eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung am Standort Bahnhofstraße, wo die Einrichtung seit vielen Jahrzehnten betrieben wird, möglich sei. Die Heimaufsicht beim Landratsamt Weilheim-Schongau hatte einer Verlängerung insbesondere wegen fehlender baulicher Voraussetzungen nicht mehr zugestimmt.

Dabei handle es sich allerdings um einen „rechtskräftigen Bescheid“ des Landratsamtes Weilheim-Schongau, verdeutlichte Bürgermeister Asam im Gemeinderat. Der könne nicht so einfach zurückgenommen werden. Und dass aufgrund baulicher Mängel eine Gefahrensituation entstünde oder ein Unglück passiere, „wollen wir alle nicht“.

Ein „sanfter Umbau“ innerhalb von vier Jahren sei evtl. möglich. Aber der frühere Investor hatte keine langfristige Sicherheit, die Ausgaben durch einen Umbau wieder hereinzubekommen, erklärte Asam. Zu bedenken sei zudem, dass es für die psychisch kranken Patienten, die sozialtherapeutisch betreut werden, und fürs Personal eine erhebliche Belastung bzw. gar eine Zumutung sei, wenn im belegten Haus Wände herausgerissen und Stockwerke verändert würden. Das zunächst ins Auge gefasste Übergangsquartier am früheren Peißenberger Krankenhaus sei nicht mehr aktuell.

Gemeinderat Thomas Elste (Grüne) sagte, dass eine Belegung mit 40 bis 50 Patienten zu überlegen sei – anstelle der aktuell 60 bis 70 Bewohner. Mit seiner Aussage, die Zahl zu verringern, meine er keine dezentrale Struktur mit Wohngruppen an mehreren Standorten, präzisierte Elste.

Bürgermeister Asam antwortete darauf, eine kleinere Einheit mit weniger als den 60 bis 80 Bewohnern könne man wohl prüfen. Das Thema sei freilich, dass die psychisch erkrankten Menschen nicht einfach woanders stationär unterkämen. Bayern habe da im Vergleich mit anderen Bundesländern die meisten betreuten Personen in diesen geschlossenen Einrichtungen, schilderte der Bürgermeister.

In Oberbayern gibt es, laut Asam, 823 geschlossen geführte solche Patientenplätze. Ein Drittel der Betreuten käme von außerhalb des Regierungsbezirks Oberbayern, ergänzte der Bürgermeister, der zugleich stellvertretender Bezirkstagspräsident und Kreisvorsitzender der AWO für Weilheim-Schongau ist.

Sich nicht in eine fachliche Diskussion über Betreuung und Finanzierung zu begeben: Dafür sprach sich Gemeinderat Andreas Barnsteiner (BVP) aus. Darum solle man den Beschluss zum Grundstücksverkauf für einen Neubau ruhen lassen.

Lorys Vorpreschen

Asam hatte sich zuvor noch „verwundert“ gezeigt, dass Gemeinderat Christian Lory öffentlich in einer Mail an die Schongauer Nachrichten aus dem Gespräch am runden Tisch davon berichtet habe, dass bei einem sanften Umbau ein Betrieb für weitere 19 Jahre erlaubt werde und er diesen Weg als richtig ansehe. Lory brauche, so der Bürgermeister, keine Sorge haben: „Wir machen das schon öffentlich.“ Es gebe keine Mauscheleien in nichtöffentlicher Sitzung. Absicht war, dies zunächst im Kreis der Fraktionsführer zu besprechen und dann in der nächsten Gemeinderatssitzung öffentlich zu machen, erklärte Asam.

Lory gab in der Sitzung am Dienstagabend keinen Ton von sich. Nachher bekundete er auf Nachfrage des Kreisboten, er sehe die Kritik des Bürgermeisters „entspannt“. Zu dem Thema des Marienheim-Neubaus hätten sich schon viele Bürger öffentlich geäußert. Dann könne er das auch tun.

jj

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