Die leidige Standortfrage

Ansage der AWO zum Peitinger Marienheim

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Ein massiver Umbau des jetzigen Gebäude oder gar eine komplette Entkernung mit einer vorübergehenden Auslagerung der Patienten scheide als Alternative aus, stellt die AWO ihre Sicht dar.

Peiting – Für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Oberbayern kommt nur ein Neubau des Marienheims infrage. Ein massiver Umbau des jetzigen Gebäudes an der Bahnhofstraße oder gar eine komplette Entkernung mit einer vorübergehenden Auslagerung der Patienten scheide als Alternative aus. Freilich: Die AWO möchte als Betreiber zusätzlich zum umstrittenen Standort am Bühlach eine alternative Planung für ein Grundstück vorlegen, das sich mitten im Ort zwischen Bahnhofstraße und AWO-Seniorenzentrum befindet.

Aufgrund des Widerstandes der Nachbarn gegen ein großes Heimgebäude auf einem gemeindlichen Grundstück am Bühlach sei wieder die Alternative an der Bahnhofstraße denkbar, schreibt Cornelia Emili, die Vorstandsvorsitzende der AWO Oberbayern, in einem Brief an Bürgermeister Michael Asam. Eventuell könnte durch eine Reduzierung der Platzzahl auf ungefähr 50 zu betreuende Bewohner und durch Hinzunahme angrenzender Gemeindeflurstücke noch eine Lösung gefunden werden, bekundet die Chefin der AWO Oberbayern in dem Schreiben, das der Rathaus­chef vor den Gemeinderäten und vor 70 interessierten Besuchern verlesen hat.

Emili fordert gleichwohl Planungssicherheit ein, will einen Beschluss des Gemeinderats. Der AWO als Betreiber seien bereits „erhebliche Kosten“ entstanden. Weitere Aufwendungen könne man nur dann in Kauf nehmen, „wenn wir entsprechende Sicherheit haben, dass ein Neubau in Peiting möglich ist.“

Im Gemeinderat wurden freilich Stimmen laut, dass erst die Planung für ein Gebäude am alternativen Standort auf dem Tisch liegen müsse, ehe man Grundstücke dafür bereitstelle. Es müsse aber in der nächsten Sitzung, wenn Pläne für einen Neubau südlich der Bahnhofstraße vorgelegt werden, eine Entscheidung getroffen werden, ergänzte Bürgermeister Michael Asam: „So oder so“.

Schwachstellen

Cornelia Emili vom AWO-Bezirksverband Oberbayern schildert im Brief an die Gemeinde, dass eine Begehung des Marienheims mit dem Architekten vorgenommen wurde und ein Haustechnik-Mitarbeiter dabei war. Die Liste der Erneuerungsmaßnahmen sei lang. Sie reiche von der Sanierung aller Grundleitungen über das komplette Erneuern der Großküche bis zur brandschutztechnischen und statischen Ertüchtigung der Wände und Holzdecken.

Ein Personenaufzug sei einzubauen, jedem Zimmer sei ein Bad zuzuordnen. Man bräuchte andere Treppen, eine Brandmeldeanlage mit einer Sicherheitsbeleuchtung und eine befestigte Umfahrt für die Feuerwehr. Das Nutzgebäude mit dem Therapiebereich müsste abgerissen und durch einen Neubau ergänzt werden. Das komplette Marienheim müsste für mindestens zwei Jahre in eine Interimslösung umziehen. Dies bedeute für die Bewohner einen sehr großen Stressfaktor. Eine Sanierung würde knapp neun Millionen Euro kosten, wobei der Aufwand für eine Interimslösung in Höhe von zwei Millionen Euro enthalten sei.

Kontroverse Meinungen

Politisch emotional wurde es im Sitzungssaal, als Norbert Merk (CSU) die Meinung vertrat, dass der bisherige Betreiber nicht rechtzeitig die Hausaufgaben gemacht habe. Ein weitsichtiger Unternehmer kümmere sich überdies „um einen Plan B“, ohne dass andere Beteiligte unter Zeitdruck entscheiden müssten. „Das trifft überhaupt nicht zu“, erwiderte Adolf Kapfer, der unter den 70 Besuchern saß. Er ist der Ehemann der Marienheim-Gesellschafterin Ingrid Kapfer und war früher SPD-Gemeinderat.

Seine Frau habe sofort nach dem Brief der Heimaufsicht (Landratsamt) zum Auslauf der Betriebsgenehmigung eine Prüfung veranlasst. Drei Architekten aus Schongau, München und Regensburg seien eingeschaltet worden. Der sozialtherapeutische Bereich bedürfe einer völligen Erneuerung, um zukunftsfähig zu sein.

Kapfer gab zu bedenken, das Gebäude sei vor 100 Jahren als Altenheim konzipiert worden. In den letzten zwei Jahrzehnten sei es von einer geschlossenen Einrichtung zu einem anerkannten sozialtherapeutischen Betrieb entwickelt worden. Nun sei aber ein Neubau „zwingend erforderlich“; das alte Gebäude sei hierzu überhaupt nicht mehr geeignet, heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschafterin Ingrid Kapfer. Die AWO, die sich gemeldet habe, wolle in Absprache mit dem Bezirk Oberbayern einen zukunftsfähigen Modellbetrieb erstellen.

Herwig Skalitza (CSU) bekundete dazu, der Gemeinderat wisse doch erst seit kurzem, „was da auf ihn zukommt.“ Ein weiteres Gebäude nahe des AWO-Seniorenheimes reinzusetzen, sieht er problematisch: „Das geht so nicht.“

Thomas Elste (Grüne) begrüßte das Angebot der AWO, eine Fläche an der Bahnhofstraße als alternativen Standort zu prüfen. Michael Deibler (CSU) bewertete es freilich kritisch, wenn aufgrund des Flächenzuschnitts im Vergleich zu einem Neubau am Bühlach 20 Plätze wegfallen müssten.

Peter Ostenrieder (CSU) sah das anderes herum. Bei einer Reduzierung von 70 auf 50 Plätze würde auch ein Neubau am umstrittenen Standort Bühlach im Osten der Ortschaft in der Kubatur deutlich kleiner ausfallen als in den ersten Plänen. Andreas Barnsteiner (Bürgervereinigung) vertrat die Meinung, wenn sich in Peiting keine Lösung finden lasse, dann müsse man den Neubau des Marienheims „interkommunal“ betrachten. Die Worte münzte er auf das Mittelzentrum Schongau/Peiting/Altenstadt.

jj

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