Geburtshilfe gesichert

Im Kampf gegen Schließung

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Das Team der Hauptabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Schongauer Krankenhaus: Chef­arzt Dr. Gerhard Schmidberger und Oberarzt Dr. Ikechukwu Emmanuel Anikwemit dem Ärztlichen Direktor Dr. Wilhelm Fischer (v. rechts).

Schongau – 462 Kinder haben im vergangenen Jahr das Licht der Welt im Schongauer Krankenhaus erblickt. Seit 1. Februar hat die Gynäkologie und Geburtshilfe eine neue Hauptabteilung und einen neuen Chefarzt: Dr. Gerhard Schmidberger, der dem Krankenhaus bereits seit 27 Jahren als Belegarzt verbunden ist, bekleidet nun diese Position.

In den letzten Jahren haben drei der vier Geburtshilfen im Landkreis geschlossen: zunächst Peißenberg, dann Penzberg und zuletzt Weilheim. Für den Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Thomas Lippmann ein deutliches Zeichen „gegen den bundespolitischen Trend zu schwimmen“ und eine wohnortnahe, kleine Geburtshilfe zu erhalten.

Auch der neue Chefarzt Dr. Gerhard Schmidberger vertritt diese Ansicht: „An einem Ort im Landkreis sollte es Geburtshilfe geben“, sagt er im Pressegespräch. Den geburtshilflichen Beleg­abteilungen hingegen prophezeit Schmidberger das Ende. Das liege zum einen an den hohen Versicherungsbeiträgen für Belegärzte, zum anderen beim Risiko einer Geburt, das viele nicht mehr übernehmen wollen.

Durch die neuen Räumlichkeiten und die Familienfreundlichkeit kann die Geburtshilfe in der Lechstadt punkten, ist Ärztlicher Direktor Dr. Wilhelm Fischer überzeugt. Derzeit rechnet man mit über 500 Geburten pro Jahr. Aber nicht nur im Bereich Geburtshilfe, auch im operativen Teil der Frauenheilkunde deckt der neue Chefarzt das gesamte Spektrum ab, heißt es im Pressegespräch. Wie lange der gerade 64 Jahre alt gewordene Schmidberger die Position bekleiden will, wisse er selbst noch nicht.

In Schongau steht Schmidberger, der seit fast 38 Jahren in der Gynäkologie und Geburtshilfe tätig ist, ein Team von neun erfahrenen Hebammen, die freiberuflich arbeiten, zur Seite. Leitender Oberarzt ist Dr. Ikechukwu Emmanuel Anikwe, der zuvor in Weilheim tätig war. Auch Anikwe ist der Meinung, dass alle im Kampf gegen die Schließungen zusammenhalten müssen. Eine weitere Oberärztin, ein Facharzt, zwei Assistenzärzte und zwei Belegärzte machen die Abteilung komplett. Sie ist rund um die Uhr geöffnet.

Für Lippmann liegt darin der Grund für die Stilllegung in Weilheim: „Wir konnten diese rund-um-die-Uhr-Versorgung nicht gewährleisten. Zu keinem Zeitpunkt ist es dabei um Geld gegangen“, betont der Geschäftsführer. Wenn irgendwie möglich, will Lippmann auch wieder in Weilheim Geburtshilfe anbieten. Der Kreißsaal im Weilheimer Krankenhaus bleibt also vorerst wie er ist: „Weder ein Rück- noch ein Umbau sind hier geplant.“ Man suche durchaus aktiv nach Personal, der Markt sei aber leergefegt. Eine Frist für die Reaktivierung will sich der Geschäftsführer nicht setzen. Zunächst wolle man sich auf die neue Hauptabteilung in Schongau konzentrieren.

Eine weitere Möglichkeit sieht der Geschäftsführer vielmehr in Kooperationen mit anderen Krankenhäusern. Ein Hauptproblem stellt, laut dem neuen Chefarzt Schmidberger, beispielsweise die fehlende Neonatalogie dar. Die nächste Neugeborenen-Intesivstation befindet sich in Garmisch, selbst ein Krankenwagen braucht für die Strecke eine Stunde. In zwanzig Minuten jedoch wäre beispielsweise Landsberg über die B17 zu erreichen. Am dortigen Klinikum gibt es bereits eine Pädiatrie – eine Voraussetzung für die Schaffung einer Neonatalogie. Wenn beide Landkreise zusammenhelfen würden, könnte sich das lohnen. „Gespräche diesbezüglich haben bereits stattgefunden“, sagt Lippmann. 

Astrid Neumann

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