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Große Motivation und Anwesenheit bei neuen Integrationskursen in Schongau

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Von: Rasso Schorer

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Integrationskurse Schongau
„So lässt sich Gemeindesaal in ein Klassenzimmer verwandeln“, schildert Dr. Monika Langrock von der Kolping Akademie. Zwei der drei allgemeinen Integrationskurse finden im Evangelisch-Lutherischen Gemeindehaus statt. © Langrock

Schongau – Zumindest eine kurze schulfreie Zeit ist derzeit auch für die Teilnehmer an den Integrationskursen. Nachdem auch – aber nicht nur – durch die wachsende Zahl an Geflüchteten aus der Ukraine entsprechend großer Bedarf da war, entschied sich die Kolping Akademie, zwischen Ende Juni und Anfang August drei neue Integrationskurse zu starten. Bevor es ab dem 5. September weitergeht, schildert Dr. Monika Langrock, Lehrgangsleitung Integrationskurse und Berufssprachkurse, ihre Eindrücke.

Guten Tag Frau Dr. Langrock. Drei neu gestartete Integrationskurse – inwiefern hat die Ankunft ukrainischer Geflüchteter den Bedarf daran steigen lassen?

Dr. Langrock: „Bis dahin hatten wir in Schongau nur einen Berufssprachkurs mit dem Zielniveau B2 am Abend. Da es aber sehr viel Nachfrage von der Seite der Afghanen und UkrainerInnen im Frühjahr gab, habe ich mich entschlossen, sie nicht alle nach Weilheim fahren zu lassen, sondern Unterrichtsräume in Schongau zu suchen.“

Wie kann man sich die Aufgabe, so einen Integrationskurs zu organisieren, vorstellen?

Dr. Langrock: „Wenn ich einen Integrationskurs organisiere, benötige ich Räume, Dozenten und Teilnehmer. Nach einem Tag telefonieren mit vielen Organisationen in Schongau, habe ich auch mit Pfarrer Jost Hermann gesprochen. Er hat sofort angeboten die Kurse im Evangelisch-Lutherischen Gemeindehaus durchzuführen. Die Kolping Akademie hat die Räumlichkeiten beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) genehmigen lassen und danach den Mietvertrag mit der Gemeinde abgeschlossen. Was die Teilnehmenden betrifft, da habe ich am 29. April im Gemeindehaus einen Infotag veranstaltet; zeitgleich haben unsere zwei Dozentinnen und ich Anträge auf Zulassung für mehr als 60 Personen gestellt.“

Wie ging es dann weiter?

Dr. Langrock: „Die Berechtigungen zur Teilnahme am Integrationskurs kamen vom BAMF nach circa sechs Wochen. Da aber noch andere Ukrainerinnen im Mai dazukamen, habe ich noch die Berufsschule wegen Räumlichkeiten am Abend angesprochen. Und dies hat auch geklappt. Letztendlich haben wir in Schongau zwischen 30. Juni und 1. August drei allgemeine Integrationskurse gestartet, zwei im Gemeindehaus in der Blumenstraße und einen in der Berufsschule. Bis diese, wie wir dann alle der Einfachheit halber sagten, ‚großen‘ Integrationskurse anfingen, hat das Pfarrheim ‚kleine‘ ehrenamtliche Deutschkurse angeboten. Das war für die Teilnehmenden sehr hilfreich.“

Bevor es am 5. September weitergeht, sind die Ferien nun ein kleiner zeitlicher Einschnitt. Welche Eindrücke haben Sie und die zwei Dozentinnen bisher gewonnen?

Dr. Langrock: „Jeden Kurs besuchen 20 bis 25 Teilnehmende jedes Alters, vor allem Frauen. Sie kommen aus Schongau, Peiting, Altenstadt, Bernbeuren, Steingaden, Schwabsoien, Apfeldorf und Denklingen her und schätzen es sehr, dass sie hier in Schongau den Kurs besuchen dürfen. Die beiden Dozentinnen, Frau Hindelang und Frau Kranjec, und ich sind der gleichen Meinung: Die Teilnehmenden sind sehr motiviert, sehr gut anwesend und geben sich wirklich Mühe. Man merkt aber, dass viele durch Sorge um ihre Familie belastet und nicht vom Kopf her ganz ‚frei‘ fürs Lernen sind.“

Sie haben geschildert, dass die Nachfrage vor allem seitens Menschen aus Afghanistan und der Ukraine groß ist. Wie klappt das Miteinander in den Kursen?

Dr. Langrock: „Die Nachfrage ist das eine. Leider nehmen an den allgemeinen Integrationskursen in Schongau noch nicht viele Afghanen teil, da es mehrere Monate bis zu einem halben Jahr dauert, bis ihnen das BAMF die Berechtigung ausstellt. Auch die Personen, die einen Integrationskurs mit Alphabetisierung brauchen, müssen weiterhin nach Weilheim, darunter auch Afghanen. Und das gelebte Miteinander? Obwohl das Ziel des Integrationskurses die Mischung der Nationalitäten ist, damit Deutsch gesprochen wird, ist dies derzeit bei der hohen Anzahl an Teilnehmenden aus der Ukraine einfach unrealistisch und dem BAMF ist es auch bewusst. Ja, wir haben in Schongau auch ein paar Teilnehmende aus dem Irak, Iran, Somalia, Bosnien oder Rumänien und es werden auch schon kleine Feste zusammen gefeiert. In den Pausen spricht man aber ukrainisch.“

Wie geht es für jene, die an den Kursen in Schongau teilnehmen dürfen, nach den Ferien weiter?

Dr. Langrock: „Die Kurse werden bis Sommer 2023 gehen und schließen ab mit der Prüfung ‚Deutsch Test für Zuwanderer‘. Durch diese skalierte Prüfung bekommen die Teilnehmer entweder das Sprachniveau A2 oder B1, je nach ihrer Leistung. Bis dahin haben sie insgesamt 600 Unterrichtseinheiten Deutsch besucht, danach kommen noch 100 Unterrichtseinheiten im Orientierungskurs mit Geschichte, Politik und Geografie und die BAMF-Prüfung ‚Leben in Deutschland‘ dazu. Zusammen mit dem B1 Sprachniveau ist das notwendig für den dauerhaften Aufenthalt in Deutschland.“

Ist dieser dauerhafte Aufenthalt der Wunsch der Teilnehmenden?

Dr. Langrock: „Es ist unterschiedlich und hängt mit der Situation im Heimatort zusammen. Die Personen, in deren Heimatorten vieles zerstört worden ist, sind entschlossen zu bleiben. Für die meisten ist aber die Frage, ob sie zurückkommen können und, wenn das der Fall ist, das Wann, noch offen. Da aber manche schon arbeiten gehen möchten, kommt Carola Dempfle, Jobbegleitung von der Herzogsägmühle im September in die Kurse, um die Teilnehmenden bei der Arbeitssuche zu unterstützen. Frau Dempfle habe ich aus Überzeugung kontaktiert: Das Beherrschen der deutschen Sprache und eine gute Arbeitsstelle sind das Wichtigste für eine gute Integration.

Beim Organisieren der Integrationskurse in Schongau ist mir aufgefallen, wie offen und hilfsbereit viele private Personen, Hilfsorganisationen und Schulen waren. Das habe ich sehr geschätzt und möchte mich an dieser Stelle dafür bedanken.“

Ehrenamtliche Kurse

Im September starten auch wieder die ehrenamtlichen Deutschkurse für Geflüchtete im evangelischen Gemeindehaus in Schongau, Blumenstraße 5. Anmeldung und Terminvereinbarung ist am Dienstag, 6. September, von 9.30 bis 19.15 Uhr im dortigen Untergeschoss. „Es wird Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene geben, morgens und abends“, erklärt Pfarrer Jost Herrmann. 

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