Einmalige Premiere bei EVA in Erbenschwang

Das Potenzial des Mülls nutzen

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Gemeinsam mit Claudia Knopp, die zuständig ist für fast alle Fragen rund um Abfallentsorgung und Verwertung, stehen Fritz Raab und Holger Poczka (v. links) am Rand der Baustelle, wo in den kommenden Monaten die neue Presswasservergärungsanlage entstehen soll.

Erbenschwang – Was wir in der Mülltonne entsorgen ist nicht gleich wertloser Dreck. Neben diversen Wertstoffen wird in der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft (EVA) auch ein Ersatzbrennstoff aus dem Restmüll gewonnen. Nun haben die Arbeiten für eine neue Anlage begonnen, die dem Müll noch weiter Potenziale entlocken soll. In der so genannten Presswasservergärung entsteht ein Gas, das zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden kann. EVA-Geschäftsführer Fritz Raab stellte die rund vier Millionen Euro teure und deutschlandweit einmalige Pilotanlage nun vor.

33.000 Tonnen Restmüll fallen jährlich in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Bad Tölz an. Daraus werden in der Abfallverwertung in Erbenschwang über 13.000 Tonnen (40 Prozent) Ersatzbrennstoffe, die verheizt werden. Knapp ein Viertel der Ausgangsmenge ist so genannter Rotteverlust bei der Kompostierung und 30 Prozent des Restmülls werden deponiert – bisher.

Man habe lange gesucht, erklärte Holger Poczka, stellvertretender Geschäftsführer der EVA GmbH, um ein „robustes“ Verfahren zu finden, das den Restmüll weiter aufspaltet. Und wurde bei der Firma Sutco fündig, die den organischen Inhalt des Restmülls, alte Taschentücher, Straßenkehricht, Laub oder Küchenabfälle, vornehmlich die Fraktion kleiner 60 Millimeter, weiter nutzt. Anstatt auf der Deponie zu landen, wird dieser organische Anteil mit Wasser versetzt und zum Gären gebracht. In einem mehrstufigen Reaktor entsteht Biogas, das gebunkert oder in einem Motor genutzt werden kann. Dabei entstehen Strom und Wärme, die man innerhalb der Wertstoffaufbereitung und auf dem Gelände der EVA wieder nutzen kann.

Große Einsparungen

Mit Hilfe der Biogasverwertung, so Raab, können rund 2.500 Megawattstunden Strom produziert werden, die 80 Prozent des Bedarfs von Erbenschwang decken. Außerdem werde man den Bedarf an Erdgas um zehn und den an Heizöl um 100 Prozent reduzieren und noch 800 Megawattstunden Strom pro Jahr für Dritte bereitstellen. Besonders stolz ist man aber darauf, dass bei dieser Art der Biogasanlage keine Lebensmittel, also etwa Mais, genutzt und verschwendet werden. Das Gas entsteht rein aus dem Müll, so Raab. Wichtig ist den Betreibern der Anlage, die im kommenden Frühjahr ihre Arbeit aufnehmen soll, dass man durch die Nutzung der Abwärme weitere 3.000 Megawattstunden aus fossilen Energieträgern einsparen und somit 1,3 Millionen Kilogramm (entspricht 1.300 Tonnen) Kohlendioxid. Durch die Abwärme können zudem die Ersatzbrennstoffe um weitere 25 Prozent getrocknet und somit ihr Brennwert erhöht werden. Der so genannte Presskuchen muss zwar noch immer deponiert werden, dafür sinkt dieses Deponat aber.

Teil der Anlage, die direkt neben der Ersatzbrennstoffgewinnung steht, sind mehrere Fermenter- und Gärbehalter, ein Rührkesselfermenter und ein Gasspeicher für 2.400 Kubikmeter Gas sowie ein Blockheizkraftwerk. Rund vier Millionen Euro soll der Bau kosten, knapp 900.000 Euro fließen als Förderung vom Umweltministerium. Dabei ist man sich bei der EVA bewusst, dass sich die Blicke vieler Abfallentsorger auf Erbenschwang richten werden, wo die erste solche Anlage entstehen wird. Der Betrieb wird wissenschaftlich durch die Universität Rostock begleitet und die Abläufe und Ergebnisse dokumentiert.

gau

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