Gelb-blau statt weiß-blau

Neue Wärmeversorgung für die Franz-Josef-Strauß-Kaserne Altenstadt

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Ein Scherenschnitt, mit dem Landrätin Andrea Jochner-Weiß die Inbetriebnahme der neuen Wärmeversorgungsanlage für die Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt offiziell besiegelte. Von links: Oberstleutnant Robert Badstübner, Standortältester und Kommandeur FA/UA-Bataillon 3, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Bürgermeister Albert Hadersbeck, Johann Nuscheler (Biogas Kees & Nuscheler) und Christian Feuerherd, Geschäftsführer Vattenfall Energy Solutions GmbH.

Altenstadt – Auch wenn Landrätin Andrea Jochner-Weiß vergangene bei der Inbetriebnahme der neuen Wärmeversorgungsanlage für die Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt scherzhaft bemerkte, dass sie dem Anlass entsprechend lieber ein weiß-blaues Band zerschneiden würde, machte sie bei dem gelb-blauen Band des schwedischen Energieunternehmens Vattenfall mit deutschem Hauptsitz in Berlin sehr gern eine Ausnahme. Schließlich galt es, an diesem Tag die neue Anlage für die Kaserne offiziell in Betrieb zu nehmen.

Hierzu war der Geschäftsführer der Vattenfall Energy Solutions GmbH Christian Feuerherd mit weiteren neun Mitarbeitern mit der Bahn aus Berlin angereist. Gemeinsam mit der Landrätin sowie dem Bürgermeister von Altenstadt Albert Hadersbeck, dem Standortältesten und Kommandeur des Feldwebel-/ Unteroffizieranwärterbataillons 3 Oberstleutnant Robert Badstübner, dem Geschäftsführer Biogas Kees & Nuscheler GmbH & Co. KG Johann Nuscheler und zahlreichen weiteren Teilnehmern hatte sich die Delegation aus Berlin vor dem Gasthof Janser in Schwabniederhofen verabredet.

Kommandosache Biowärme

Das von Vattenfall unter dem Leitspruch „Kommandosache Biowärme“ realisierte Projekt führte die Teilnehmer mit einem Bus zunächst zu der nordwestlich von Schwabniederhofen befindlichen Anlage Biogas der Kees & Nuscheler GmbH & Co. KG. Diese befindet sich unmittelbar neben einem Stall mit Kühen und Rindern, in der Rindergülle aus dem Stall sowie Pflanzensilage zu Biogas verwertet werden. Der Geschäftsführer der Anlage Johann Nuscheler erläuterte den Anwesenden, wie aus dem Biogas Strom und Wärme gewonnen wird und dass die Wärme vor der Kooperation mit Vattenfall ganz und gar ungenutzt geblieben sei.

Erst durch das Verlegen einer zwei Kilometer langen Wärmeleitung bis zu dem von Vattenfall im südwestlichen Bereich direkt neben der Kaserne als Holzhybrid-Gebäude auf einem Betonsockel errichtete Heizhaus konnte eine effiziente und sinnvolle ganzjährige Nutzung erreicht werden. Zu dem Heizhaus ging dann auch die weitere Fahrt. Vor Ort erläuterte Christian Feuerherd, dass damit der Warmwasser- und Heizungsbedarf der Kaserne fast ganzjährig abgedeckt wird. Für den erhöhten Wärmebedarf in der kalten Jahreszeit installierte Vattenfall drei Niedertemperaturkessel auf Erdgasbasis. Das Grundstück, auf dem sich dieses moderne Heizhaus befindet gehört Ludwig Filser, dem Inhaber der gleichnamigen Metzgerei in Altenstadt. Mit der langfristigen Verpachtung seines Eigentums an Vattenfall hat auch er entscheidend zur Umsetzung des Vorhabens beigetragen.

Die letzte Steinkohleheizung der Bundeswehr ist seit der an ihrer Stelle zum Einsatz gekommenen umweltschonenden Energie- und Wärmeversorgungslösung von Vattenfall in Kooperation mit der Biogas Kees & Nuscheler GmbH & Co. nun endgültig Vergangenheit. Unter dem Aspekt, dass sich in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne bis zu 1.260 Personen in dreißig Unterkunfts- und Funktionsgebäuden aufhalten, lässt die neue Anlage mit der prognostizierten jährlichen Vermeidung von rund 3.000 Tonnen CO2 aufhorchen. Eine effiziente Energielösung mit einer Gesamtleistung von bis zu fünf Megawatt.

Hinzu kam eine kurze Realisierungszeit, so dass die gemeinsamen Interessen der verschiedenen Partner schnell umgesetzt werden konnten. Der Baubeginn der zwei Kilometer langen Nahwärmeleitung war Mitte August 2019 und der des Holzhybrid-Gebäudes im September 2019. Die Fertigstellung folgte im vergangenen Monat. Von Seiten der Bundeswehr konnte die Leiterin Objektmanagement in der hiesigen Kaserne, Regierungsamtfrau Claudia Seifert auch entscheidend dazu beitragen, dass das Projekt in dieser kurzen Zeit verwirklicht werden konnte.

Ökologische Zeichensetzung

Bei der Eröffnung bilanzierte Landrätin Andrea Jochner-Weiß eine Win-Win-Situation, bei der sich für gleich mehrere Seiten ein Wertzuwachs ergibt. Bürgermeister Albert Hadersbeck erinnerte daran, dass man in der Gemeinde bereits vor zehn Jahren über eine Wärmenutzung mit Biogas diskutiert habe, worin auch die Kaserne mit einbezogen gewesen sei. Damals sah es jedoch so aus, dass der Standort von der Strukturreform der Bundeswehr betroffen war. Mit den Worten „Wir waren überrascht“ ging er kurz darauf ein, dass der Energieversorger Vattenfall den Zuschlag für das Projekt bekommen hatte. Johann Nuscheler wünschte der Anlage einen stets störungsfreien Betrieb.

Der Standortälteste Oberstleutnant Robert Badstübner, der in Begleitung des Leiters des Ausbildungsstützpunktes Luftlande und Lufttransport, Oberstleutnant Udo Francke gekommen war, freut sich über die neue Heizungsanlage. Unbenommen der Feststellung, dass es dem Nutzer vor Ort gleichgültig sei woher die Wärme kommt, sagte er: „Es ist Zeit umzudenken“. Mit der neuen Wärmeversorgung verbindet er auch eine ökologische Zeichensetzung der Bundeswehr.

Ausrichtung auf Bayern

Ziel von Vattenfall sei es, innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen, betonte Christian Feuerherd beim anschließenden gemeinsamen Mittagsimbiss. Im Gespräch verriet Feuerherd außerdem, dass sich Vattenfall in Zukunft strategisch noch stärker auf Bayern ausrichten wird. Insbesondere wolle man sich dem großen Bedarf an innovativen und ökologischen Energielösungen im ländlichen Raum widmen. Hierzu verfolge man die Absicht, auch größere Anlagen zu errichten.

Festzustellen ist, dass es Vattenfall nicht nur verstanden hat, das innovative Versorgungskonzept bei der Inbetriebnahme der Anlage für die Franz-Josef-Strauß-Kaserne in sehr positiver Weise darzustellen, sondern damit auch viel Anklang gefunden hat. Und das ist nicht zuletzt deshalb so, weil sich genauso wie Geschäftsführer Christian Feuerherd auch die weiteren Mitgereisten des Energieversorgers durch und durch überzeugt von dieser Form der Energiegewinnung zeigten. Der Klimawandel ist somit offensichtlich auch zu einem entscheidenden Faktor für die langfristige Ausrichtung von Unternehmen geworden.

Manfred Ellenberger

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