Appell unter Coronabedingungen

Neuer Kommandeur in der Kaserne Altenstadt

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Der Ausmarsch von Oberstleutnant Robert Badstübner nach seiner Amtsübergabe an Oberstleutnant Sven Tillery mit dem Bundeswehrgeländewagen Wolf.

Altenstadt – „Ich melde mich ab!” Mit diesen Worten beendete Oberstleutnant Robert Badstübner am Freitag auf dem Sportplatz der Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt seine Ansprache zum Übergabeappell des Feldwebel-/Unteroffizierbataillons 3 an seinen Nachfolger. Zuvor aber zeigte er sich froh, dass der Appell – „wenngleich durch die Coronakrise deutlich anders als gewohnt“ – durchgeführt werden konnte.

Der Sportplatz bot genug Raum zur Einhaltung der gebotenen Abstände der rund 180 Stammsoldaten und der etwa 400 auszubildenden Lehrgangsteilnehmer des Bataillons. Zudem trugen beim Einmarsch und zum Beginn des Appells alle Soldaten noch einen einheitlichen Mund- und Nasenschutz. Darüber hinaus wurden Musikstücke durch den moderierenden Stabsfeldwebel Andreas Reich vom Band eingespielt, was aber die durchaus feierliche Gesamtatmosphäre nur wenig beeinträchtigte. Dafür ließ es der Sommertag zu, dass gleich zu Beginn vier Fallschirmspringer der hiesigen Sportfördergruppe der Bundeswehr mit jeweils einer wehenden Deutschland- und Bayernflagge auf dem Sportplatz einschweben konnten.

Badstübner, der das im Jahr 2013 in Altenstadt aufgestellte Bataillon im Oktober 2018 als seinerzeit dritter Kommandeur übernommen hatte, bezeichnete seine zu Ende gehende Verwendung als „wohl schönste, die diese Streitkräfte haben“ und bedankte sich für „eine schöne, interessante und spannende Zeit an einem beeindruckenden Standort“.

Wieder sichtbarer

Sein besonderer Dank galt seinen Stammsoldaten für deren großes Engagement. Viele Gespräche mit Lehrgangsteilnehmern hätten ihm gezeigt, dass deren Bemühen sehr positiv wahrgenommen werde. Er erinnerte daran, dass die Bundeswehr es ihm und seinem militärischen Stammpersonal nicht immer leicht gemacht habe. In seiner Kommandeurszeit wurde zunächst die Unteroffizierausbildung umgestellt. Eine modifizierte Grundausbildung, hin zu mehr Sportausbildung, habe ihm und allen Bataillonsangehörigen darüber hinaus hohe Flexibilität und Kreativität abverlangt. Die Coronakrise habe weiteres Engagement, unter anderem bei der Ausgestaltung des distance learning, eingefordert. Auch habe man in der Krise Unterstützung in der Region geleistet. Robert Badstübner zeigte sich überzeugt davon, dass das Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillon 3 auch mit seiner Übungstätigkeit und vor allem den öffentlichen Vereidigungen die Bundeswehr in der Region wieder etwas sichtbarer geworden sei.

In Anwesenheit von Landrätin Andrea Jochner-Weiß, dem Bürgermeister der Garnisonsgemeinde Altenstadt Andreas Kögl, dem Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman und weiteren Bürgermeistern und Honoratioren umliegender Gemeinden wurde die feierliche Übergabe des Bataillons durch den bereits einige Tage zuvor aus Delitzsch zur Dienstaufsicht angereisten Leiter Führung Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillone und Stellvertretenden Kommandeur der Unteroffizierschule des Heeres Oberst Baron von Bistram durchgeführt.

Nach der Bataillonsübergabe: Der neue Kommandeur Sven Tillery (links) mit seinem fünfjährigen Sohn Erik, rechts daneben vor der Truppenfahne der Leiter Führung Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillone und Stellvertretende Kommandeur der Unteroffiziersschule des Heeres Oberst Baron von Bistram sowie Oberstleutnant Robert Badstübner (rechts).

In seiner zunächst an die Soldaten der beiden Kompanien gerichteten Rede ging auch er auf die Rahmenbedingungen durch COVID-19 ein. Weiterhin sprach er aber auch die öffentliche Diskussion um das Kommando Spezialkräfte (KSK) und die Wiedereinführung der Wehrpflicht an.Neben der Frage zur Qualität des Distance learning ging es ihm beim Thema Rechtsextremismus darum, ob es stimmt, dass dieser sich „in einer Berufsarmee stärker entwickeln kann als in einer Wehrpflichtarmee“ und was dies für den Berufswunsch der jungen Soldaten bedeute. Dabei betonte er, dass es auf diese Fragen nicht nur eine und ganz sicher keine einfache Antwort gebe. Mit den Worten „Die öffentliche Diskussion um die Bundeswehr – ob COVID 19, KSK oder Wehrpflicht – ist eine Chance! Die Chance zur Selbstrefllexion, zur Weiterentwicklung und vor allem die Chance zur Veränderung“ fordere er dazu auf, Verantwortung zu übernehmen.

Respekt und Anerkennung

An den scheidenden Kommandeur Robert Badstübner gerichtet sagte er, dass dieser sich nach reiflicher Überlegung und aus Verantwortung vor sich und seiner Familie dazu entschieden habe, die Bundeswehr zum 30. September dieses Jahres zu verlassen. „Diese Entscheidung verlangt von uns allen Respekt und Anerkennung.“ Zudem attestierte er Badstübner eine erfolgreiche Bilanz. „Fast 2.500 Lehrgangsteilnehmer sind in dieser Zeit durch Sie und Ihr Ausbildungspersonal geführt, ausgebildet und erzogen worden.“

"Gut gerüstet"

Danach wandte er sich dem Offizier zu, dem er kurz darauf das Kommando über das angetretene Bataillon zu übergeben gedachte. Der in Hamburg geborene 41-jährige Oberstleutnant Sven Tillery ist gelernter Heeresflugabwehr-Mann und hat Betriebswirtschaft studiert. Zuletzt war der im Jahr 1998 in die Bundeswehr eingetretene Tillery Einsatzstabsoffizier im Stab der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim. Nicht zuletzt aufgrund seiner drei Auslandseinsätze attestierte ihm Oberst Baron von Bistram, gut für die neue Aufgabe gerüstet zu sein. 2007 und 2012 war Tillery im Einsatz in Afghanistan und 2018 im Kosovo.

Genauso wie sein Vorgänger wird der neue Bataillonskommandeur ergänzend zu dieser Tätigkeit auch die Dienststellung des Standortältesten übernehmen. Neben der Regelung territorialer Aufgaben ist er damit auch Bindeglied zwischen Militär und den zivilen Behörden.

Wie bereits Robert Badstübner, der mit seiner Ehefrau und zwei Kindern (neun und zwei Jahre) in Rheinland-Pfalz im kleinen Ort Föckelberg in der Nähe von Kusel wohnt, wird auch Sven Tillery mit seiner Ehefrau und dem 5-jährigen Sohn am derzeitigen Wohnort Veitshöchheim verbleiben. Robert Badstübners Frau Mejda verriet, dass ihr Mann seine Pendlerwohnung in Kasernennähe am Tag nach der Übergabe an seinen Nachfolger übergeben werde. Anschließend gehe es nach Hause. Bis zu seinem Dienstzeitende im September wird Robert Badstübner erst einmal Resturlaub und Mehrarbeit abgelten.

Seine berufliche Zukunft ließ Robert Badstübner gegenüber dem Kreisboten zwar offen, er verriet aber, dass er zu einem der Bundeswehr nahestehenden Unternehmen in Heimatnähe wechseln werde. 

mel

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