Jede Menge Kies:

Simulierte Natürlichkeit

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Jede Menge Kies – insgesamt 1.250 Kubikmeter – müssen herangeschafft werden, um den Fischen unterhalb der Lechstaustufe Dessau optimale Laichbedingungen zu schaffen.

Burggen – Zwischen 80 und 90 Lkw-Ladungen sind notwendig, um die Mengen an Kies für die Laichplatzschaffung unterhalb der Lechstaustufe Dessau heranzuschaffen. Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Lebensraum Lechtal e.V., den Wasserwirtschaftsämtern Weilheim und Kempten sowie dem Fischereiverein „Die Gesplißten“.

Insgesamt rund 1.250 Kubikmeter Kies rollen in diesen Tagen an. Sie stammen von der Mündung des Halblechs bei Lechbruck. Der Kies wird aufbereitet und das Feinmaterial, das für die Flussfische so wichtig ist, wird herausgesiebt. Diese Arbeiten übernimmt das Wasserwirtschaftsamt Kempten. Anschließend muss das feine Material zur Staustufe Dessau zwischen Burggen und Bernbeuren transportiert werden.

Damit wird ein Prozess simuliert, der so auch in der Natur vorkommen würde – wenn der Mensch nicht eingegriffen hätte. Denn der Lech führt durch sein starkes Gefälle und seinen Ursprung im Gebirge eigentlich eine große Menge Kies mit sich. Bevor der Mensch durch den Bau von Staustufen eingegriffen hat, wurden in seinen Fluten jährlich rund 30.000 Kubikmeter Kies transportiert. In hochwasserreichen Jahren waren es sogar 100.000 Kubikmeter und mehr.

Von den neuen Laichplätzen profitieren aber nicht nur typische Flussfische wie Bachforelle, Nase und Huchen, sondern auch viele Kleinst-Kiesbewohner, wie Harald Jungbold vom Lebensraum Lechtal erklärt. Zusätzlich werden noch große Fichtenstämme und Wurzelstöcke eingebracht, die für die kleinen Brutfische als Unterstand und Schutz vor Vögeln dienen sollen, ergänzt Stefan Kotz von der Flussmeisterstelle Weilheim.

Bernd Bieber vom Vorstand des Fischereivereins „Die Gesplißten“ sieht in der Maßnahme die „essentielle Grundlage für die Reproduktion“. Dadurch werde die ursprüngliche Natürlichkeit simuliert und so ideale Laichbedingungen geschaffen. So beteiligt sich der Verein auch mit 5.000 Euro am Transport des Materials. Dem Lebensraum Lechtal stehen außerdem rund 20.000 Euro aus Mitteln des Hotspot-Projekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ dafür zur Verfügung.

Wenn der Kies an der Dessau in den Lech gekippt wird, ist das Wasserwirtschaftsamt Weilheim am Zug. Das übernimmt die Kosten für die Bagger- und Radladerarbeiten, um aus einem Haufen Kies eine langgezogene Unterwasser-Kiesbank zu machen und so den kieslaichenden Fischarten beste Brutbedingungen zu geben.

Natürlich zersetzt sich der Kies im Laufe der Zeit und verstopft. Etwa alle drei bis fünf Jahre müsse man die Kiesbank daher auflockern, so Bernhard Müller vom Weilheimer Wasserwirtschafts­amt. 

Astrid Neumann

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