Neuer Schongauer Lieferdienst erprobt sein Geschäftsmodell

Hexen an der Haustür

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Der Start ist gelungen, fassen Lieferhex-Inhaberin Nadine Andrzejewski (Mitte) und Mit-Erschaffer Fabian Pfettrisch (2. v. links) zusammen. Auch, weil „wir ein tolles, junges Team aufgebaut haben“.

Schongau – Es ist Sonntagmittag, Ihr und Ihm knurrt der Magen. Die Frage nach dem „was essen wir heute?“ ist aber nicht so schnell beantwortet. Etwas vom Opatija, schlägt sie vor. Brauhaus – sonst nix, ist sein Standpunkt. Und weil das Wetter schlecht und das Sofa gemütlich ist, zieht es beide erst gar nicht so recht vor die Tür. Zwei Essen von zwei unterschiedlichen Restaurants liefern lassen, das kann auch mal schiefgehen. Der eine isst schon, der andere wartet noch. Abhilfe schaffen soll nun eine einzige Whatsapp-Nachricht – um den Rest kümmert sich seit April in Schongau und Umgebung die Lieferhex.

In diese Richtung gedacht habe er schon vor 20 Jahren, schildert Fabian Pfettrisch, wie es zur Entstehung der Lieferhex kam. Gleichzeitig bewege er selbst sich beruflich in einem „Start­up-Umfeld“, das solche Gedanken befeuert, schildert der Wirtschaftsingenieur, der für das mit Hirschvogel verbandelte Landsberger Unternehmen Ceravis arbeitet.

Im Frühjahr habe es dann gepasst: Wegen Corona boten viele Gastronomen ihre Speisen to go oder direkt an die Haustür an. Ein Lieferdienst für mehrere Lokale ist da praktisch – Pfettrischs alte Idee, die Nadine Andrzejewski seitdem als Inhaberin der Lieferhex mit ihrem Team umsetzt.

Große Auswahl, ein Ansprechpartner

Mit vier Restaurants gestartet, aus deren Karte die Lieferhex-Kunden wählen können, wuchs die Zahl der Kooperationspartner zwischenzeitlich auf acht an. Heute sind es sechs: neben Opatija und Brauhaus auch Ali Baba, Die Eule, Pasta e Vino und Bong Sen. Kroatisch, bayerisch, türkisch, Sandwiches, italienisch und asiatisch. Weitere Gespräche laufen; eine angepeilte Marke, mit wie vielen Gastronomen man zusammen arbeiten will, hat die Lieferhex aber nicht. Die Mischung ist wichtig. „Interessenten können sich melden.“

Sich der Lieferhex anzuschließen, das biete nur Vorteile für ein Restaurant. Die Fahrer holen die vom Kunden georderten Speisen beim Wirt ab und bezahlen diesem direkt einen rabattierten Preis. Fixe Kosten entstehen dem Gastronomen dadurch nicht. „Wir generieren für ihn neue Bestellungen, sparen ihm die Organisation und Bezahlung eines eigenen Fahrers und machen Werbung, die zusätzlich auch neue Gäste ins Lokal bringt“, zählt Andrzejewski auf.

Für die Kunden läuft eine Bestellung so ab: Per Whatsapp oder telefonisch an Tel. 0175/9086693 melden sie die Gerichte eines oder mehrerer Restaurants, die sie aus den Karten unter www.lieferhex.com oder www.facebook.com/lieferhex ausgewählt haben. Als Antwort folgen alle Infos wie Bestätigung, voraussichtliche Ankunftszeit und Preis.

Das Hauptquartier der Lieferhex nimmt dienstags bis freitags von 11 bis 14 sowie 17 bis 21 Uhr und am Wochenende von 17 bis 21 Uhr die Bestellungen entgegen. Hier wird die Route geplant, ein Fahrer auf den Weg geschickt.

Zehn Prozent des Warenwerts, der Rabatt, den der Wirt gewährt hat, und eine Pauschale zwischen zwei und fünf Euro – je nach Distanz im Umkreis von bis zu 15 Kilometern – gehen so pro Bestellung an die Lieferhex. „Das ist sehr eng kalkuliert, bei einem für uns hohen Aufwand“, erklärt Andrzejewski. Auch die größeren Anbieter in den Städten müssten sich strecken, so der Eindruck. Es sei ein hartes Business.

Erste Phase bestanden

Für die Lieferhex habe anfangs die erste Frage gelautet: Funktioniert das Prinzip überhaupt in und um Schongau? Ja, fällt die Antwort bisher positiv aus. Die Partnersuche läuft erfolgreich, das Angebot sieht die Inhaberin breit gefächert. Die steigende Zahl der Kunden bestätigt das. „Wir bekommen viel Lob“, fasst Andrzejewski zusammen.

Ihr Tag beginnt morgens um 3 Uhr, eineinhalb Stunden später tritt sie ihre Teilzeitstelle in Marktoberdorf an – die Vollzeit hat sie zugunsten der Lieferhex zurückgeschraubt. Zurück in der Schongauer Gannenbacherstraße 4 bearbeitet sie ab 17 Uhr Bestellungen. Vier Stunden Schlaf, „mit viel Kaffee geht das“, lacht Andrzejewski. Doch inwiefern sich die Lieferhex über die erste Testphase hinaus entwickeln soll, ob das bisherige Hobby und der Nebenerwerb vielleicht ihr Hauptberuf wird, diese Entscheidung ist noch zu fällen.

Acht Fahrer auf 450-Euro-Basis, Chefin Andrzejewski und zwei Unterstützer umfasst das Team. Täglich sind ein oder zwei Fahrer im Einsatz, am Wochenende mehr. Montag ist Ruhetag, über den Verlauf der Woche hin steigert sich das Bestellaufkommen. Bester Tag ist der Sonntag.

„Wir positionieren uns“, erläutert Pfettrisch, „und schauen, dass es langfristig weitergeht, ohne, dass der Kunde höhere Preise zu erwarten hat.“

Bestellen bei der Lieferhex

• Alle Infos unter www.lieferhex.com oder www.facebook.com/lieferhex

• Bestellung telefonisch oder per Whatsapp an Tel. 0175/9086693

• Partnerrestaurants: Gasthaus zum Lindauer Opatija Grill, Schongauer Brauhaus, Ali Baba, Die Eule, Pasta e Vino und Bong Sen

• Dienstags bis freitags 11 bis 14 sowie 17 bis 21 Uhr; Wochenende von 17 bis 21 Uhr; Montag Ruhetag

ras

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