Auflassen oder pflegen?

Ruhestätte Heinrich Hubers wird zum Schongauer Ehrengrab

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Hier liegen Heinrich Huber und seine Frau Emma auf dem Schongauer Stadtfriedhof begraben.

Schongau – Das Leben Heinrich Hubers endete früh, mit erst 36 Jahren verstarb er in Schongau, wo er zwölf Jahre gelebt hatte. Doch sein Wirken, vor allem das musikalische, hinterließ zahlreiche Spuren in seiner neuen Heimatstadt. Ob seine mehr als 100 Jahre alte Grabstätte aufgelassen oder fortan als städtisches Ehrengrab weitergeführt werden soll, darüber hatte jüngst Bürgermeister Falk Sluyterman zu entscheiden.

Der am 11. August 1916 an vererbter Lungentuberkulose verstorbene städtische Musikmeister und Chorregent Heinrich Huber war verheiratet mit Emma, der Schwester des Schongauer Bürgermeisters Franz Bader. Das Paar – Emma Huber verstarb erst 1966 – liegt begraben in einer Grab­stätte auf dem Stadtfriedhof. Da der letzte Nachkomme in München lebt und mit über 80 Jahren nicht mehr in der Lage ist, das Grab zu pflegen, wurde ein Antrag gestellt, die Grabstelle aufzulassen.

Heinrich Hubers musikalische Verdienste wirken bis heute nach.

Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer war der Meinung, dass dies tunlichst verhindert werden müsse und stellte seinerseits an die Stadt einen Antrag, die Grabstätte als städtisches Ehrengrab weiter zu führen. „Huber war ein meisterhafter Komponist zahlreicher hervorragender kirchenmusikalischer Werke, die auch heute noch von Kirchenchören im gesamten deutschsprachigen Raum bis Südtirol aufgeführt werden“, erklärt Schmidbauer die große Bedeutung des bekannten Schongauers. Seit 2016 findet sich an dessen ehemaligem Wohnhaus, am Marienplatz 11, auch eine Gedenktafel.

Als Stadtkapellmeister habe Huber den Klangkörper der Schongauer Stadtkapelle weg von der überlieferten altbayerischen Blasmusik hin zur sogenannten „Türkischen Musik“ mit Trommeln, Piccoloflöten, Glockenspiel und Becken mit dem heute vertrauten Klangbild geformt, so Schmidbauer.

Verdienste um die Stadtkapelle

Huber, 1879 in Rain geboren und 1904 als Chorleiter nach Schongau gekommen, gelte als Schöpfer der modernen Stadtkapelle. Im Rahmen einer umfangreichen Lehr- und Unterrichtstätigkeit sowie als Leiter der Liedertafel Schongau führte er zudem auch den damaligen musikalischen Nachwuchs zu großen Aufführungen von Oratorien und Messen.

„Nach wie vor kommen immer wieder und teils von weit her Anfragen zu Hubers Person und Grabstätte“, weiß Schmidbauer um das immer noch bestehende Interesse an Person und Wirken des Verstorbenen. „Huber muss deshalb als höchst verdienstvolle Persönlichkeit der neueren Stadtgeschichte gelten“, fasst der Kreisheimatpfleger zusammen.

Kunstvoller Grabstein

Der Grabstein ist ein Werk des ebenfalls bekannten Schongauer Steinmetzen Schropp, der das künstlerisch sehr wertvolle Grabmal im Heimatstil (Art deco auf bayerisch) in Kreuzesform gearbeitet hat. Es zeigt ein Steinrelief mit einer Lyra als Sinnbild der Musik und einen Eichenstamm, der knapp über dem Boden abgesägt ist, ein Hinweis auf den frühen und jähen Tod Hubers. „Das Grab gehört auf jeden Fall zum ‚Gesicht‘ des historischen Stadtfriedhofs“, erklärt Schmidbauer.

Er sei Bürgermeister Falk Sluyterman deshalb sehr dankbar, dass dieser die Anregung aufgegriffen und im Rahmen einer Angelegenheit der laufenden Verwaltung positiv verbeschieden hat. Der Stadtrat erhob in nichtöffentlicher Sitzung keine Einwände.

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