Springer springt im Kuhstall

Neues Herbstprogramm im Kuhstall startete mit Kabarettist Christian Springer

Kabarettist Christian Springer im Kuhstall in Schwabbruck
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Mit seinem Programm „Alle machen, keiner tut was“ machte Christian Springer den Auftakt im Schwabbrucker Kuhstall.
  • VonKlaus Mergel
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Schwabbruck – Der „Kuhstall“ trotzt der Corona-Krise: Die Kleinkunstbühne in Schwabbruck startet mit einem neuen Herbstprogramm durch. Den Auftakt lieferte der Kabarettist Christian Springer: Mit seinem Programm „Alle machen, keiner tut was“ sorgte er für großen Beifall beim Publikum.

Wenn man Christian Springer zuhört, braucht das eine Mindestportion Konzentration. Nicht nur, dass er ruhelos über die kleine Bühne mit Gründerzeit tigert. Der Kabarettist kommt, wie man in Bayern sagt, „von der Wurst auf’d Schuhwichs“ – schafft es aber immer wieder elegant zum gedanklichen Ausgangspunkt zurück. Zum dritten Mal gab er sich die Ehre im Kuhstall, rund 80 Zuschauer waren der Einladung gefolgt. Coronabedingt, logisch, immer im nötigen Abstand, auch Springer hatte auf der Bühne immer seine Atemmaske zur Hand. Auch als Stilmittel.

Genau: Corona. Das Gute und das Schlechte dran, das waren unter anderem seine Themen an diesem Abend. Gut für Venedig: „Das Wasser in der Lagune ist jetzt so klar, dass du das Mi­kroplastik mit dem bloßen Auge erkennst“, sagt er, „und die ersten Delfine hocken schon in der Pizzeria am Markusplatz.“ Schlecht für Einbrecher: Da wir ja nun alle mehr zu Hause sitzen würden, können die osteuropäischen Banden ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen: „Das sind die wahren Verlierer der Corona-Krise.“

Doch Springer verliert sich nicht in platte Witze. Politik ist – im Gegensatz zu den zahlreichen „Spaßmachern“ im Kabarettfach von heute – bei ihm immer noch fester Bestandteil. So hinterfragt der Mann im Tweed-Gilet auf der gemütlichen Bühne des Kuhstalls mit feinem Witz jene Werte, die konservative Politikern in Bayern Asylbewerbern gerne abverlangten. Ja, welche Werte eigentlich? Cholesterin und Blutdruck – vom Schweinsbratenfressen? Promille – vom übermäßigen Bierkonsum? Da tue sich so ein Mädel aus Afghanistan schwer: „Das schaffst du selbst mit hundert Maß Pfefferminztee nicht.“ Der Künstler prangert an, dass Fantasie und Kreativität nun leider nicht zu den angesagten Werten in unserem Bildungssystem gehörten.

Er schafft es auch, sein persönliches humanitäres Engagement in dem von ihm gegründeten Verein „Orienthelfer e.V.“ dezent ins Programm einzuflechten. Denn da habe ihn – den überzeugten 1860er Fan, seit Generationen! – doch ein Journalist der Süddeutschen Zeitung am Münchner Flughafen mit einem FC Bayern-Schal abgelichtet. Der Hintergrund: Uli Hoeneß hatte ihn angerufen, und die Bayern 200.000 Euro für gebrauchte Rettungswägen für Beirut gespendet. „Bedanken wird man sich ja dürfen. Ich ahnte ja nicht, dass der mich mit dem Schal fotografiert!“

Springer springt, und das macht an diesem Abend allen richtig Spaß, immer vom Leichten zum Ernsten, vom Bösen zum Charmanten. Und bleibt doch dabei stets eines: glaubwürdig und menschlich.

Klaus Mergel

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