Alter Streit neu entfacht

Wie viele Parkplätze in der Schongauer Altstadt?

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Parkplätze Mangelware? Zumindest auf den nördlichen Teil der Münzstraße trifft das nicht zu.

Schongau – Die Tiefgarage unter der Münzstraße hat der Stadtrat bekanntlich in der Vorwoche abgelehnt. Zu teuer, nicht wirtschaftlich lautete die Begründung. Zuvor hatte Planer Jochen Baur junior, als es um die Neugestaltung der Münz- und Weinstraße ging, ein noch viel naheliegenderes Gegenargument angeführt.

Die Altstadt brauche gar nicht mehr Parkraum, stellte er fest. Vielmehr könne man eher noch 70 Stellplätze streichen. Damit freilich zog sich Baur den Zorn der CSU zu. 

Baur spielte mit seiner Aussage auf die vielen freien Parkplätze an, die er bei seinen Besuchen in der Lechstadt im nördlichen Bereich der Münzstraße vorgefunden hatte. Tatsächlich bestätigte auch Reinhold Jaser von der Stadtverwaltung das Problem. Seit die Stadt die Parkzeit in der Münzstraße auf eine Stunde begrenzt hat, um die Nutzungsfrequenz zu erhöhen, werden die Stellplätze in diesem Bereich nicht mehr angenommen. „Wir haben deshalb schon überlegt, die Parkzeit dort wieder zu verlängern“, erklärte Jaser. 

Auch die CSU machte die freien Parkplätze eher an den kurzen Parkzeiten fest, denn an fehlenden Besuchern. „Früher war da alles den ganzen Tag vollgeparkt“, stellte etwa Peter Blüml fest und wiederholte, was er schon bei unzähligen Debatten zu diesem Thema gesagt hatte. „Wir müssen bei Parkplätzen in Vorleistung gehen, dann kommen auch die Geschäfte.“ 

Und Michael Eberle empörte sich über Baurs provokanten Vorschlag. „Da unterliegen Sie einem Irrtum“, sagte er scharf und drohte dem Planer sogar nach dem Motto, wenn er seine Meinung nicht ändere, komme man nicht ins Geschäft. Der CSU-Fraktionsvorsitzende spielte damit auf die Erneuerung der Münz- und Weinstraße an, für die Baurs Firma zuvor einen Entwurf präsentiert hatte. Wie viele Parkplätze bei dessen Umsetzung wegfallen würden, konnte der Planer der CSU an diesem Abend nicht beantworten. 

Dass beim Parkraumkonzept bislang generell „der große Wurf nicht gelungen“ sei, wie Eberle kritisierte, wollte Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl so nicht gelten lassen. Man habe sich erfolgreich um Parkplätze vor der Altstadt bemüht, sagte er. Diese Anstrengungen seien zudem nicht abgeschlossen. Als Beispiel brachte der Bürgermeister die Möglichkeit eines Parkhauses anstelle der jetzigen Bücherei ins Spiel. „Da wären die Leute zu Fuß fast direkt in der Altstadt.“ 

Eine Idee, die auch der UWV gefiel. „Wir brauchen die Tiefgarage nicht um jeden Preis, wenn es Alternativen gibt“, erklärte Stephan Hild. Außerdem führte Gerbl an, dass weder C&A noch H&M bei den Sondierungsgesprächen bezüglich einer Filiale in der Altstadt Stellplätze vor der Tür als K.O.-Kriterium genannt hätten. 

Das war eine Steilvorlage für Robert Bohrer. Es gebe immer genug freie Stellplätze, allerdings nicht unbedingt vor dem Geschäft, bei dem man einkaufen wolle, behauptete er. „Aber mir glaubt ja hier niemand“. Deshalb beantragte der SPD-Fraktionschef, die Parkplatzbewegungen in der Alstadt endlich genau zu erfassen. Zwar lehnte das Gremium eine Untersuchung durch ein Planungsbüro mit 14:7 Stimmen ab. Doch Jaser bestätigte Bohrers These indirekt, in dem er auf Zahlen verwies, die kürzlich ein Praktikant der Stadt erarbeitet hatte. Das Ergebnis: An freien Parkplätzen mangele es nicht.

Christoph Peters

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