Neujahrsempfang in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne

Zurück im Kalten Krieg

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Oberstleutnant Christian Schoebel, Chef des Ausbildungsstützpunkts Luftlande/Lufttransport, blickte auf ein „herausforderndes Jahr“ zurück.

Altenstadt – Der Neujahrsempfang der Bundeswehr in Altenstadt blickt auf eine lange Tradition zurück. Kein Wunder, dass auch heuer alles, was Rang und Namen hat in der Region, der Einladung in die Franz-Josef-Strauß-Kaserne gefolgt war. Im Rampenlicht stand diesmal einer, den eine besonders innige Beziehung mit dem Standort verbindet: Peter Paul Gantzer. Der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion nutzte sein Grußwort für eine Abrechnung mit der deutschen Sicherheitspolitik.

Doppelt Hände schütteln hieß es für die Gäste zu Beginn des Neujahrsempfang, denn wie schon im vergangenen Jahr richteten Kommandeur Roland Pietzsch, der das Ausbildungs-Bataillon 3 leitet, und Oberstleutnant Christian Schoebel, Chef des Ausbildungsstützpunkts Luftlande/Lufttransport, die Traditionsveranstaltung gemeinsam aus.

Wie hoch deren Stellenwert ist, sei ihm so richtig bewusst geworden, als er 350 Einladungen zum Unterzeichnen vorgelegt bekommen habe, sagte Pietzsch, dem als Standortältesten die langwierige Aufgabe zufiel, den prominentesten der rund 160 erschienenen Gäste namentlich für ihr Erscheinen zu danken – darunter Landrätin Andrea Jochner-Weiß sowie die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden. 

In seinem Grußwort lobte der Kommandeur die gute Zusammenarbeit im Standort und die positive Verankerung der Bundeswehr in der Region. Dazu passe, dass am 18. Mai erneut eine Vereidigung am Schongauer Marienplatz stattfinden werde, kündigte Pietzsch an. Zuvor steht am 3. Februar noch hoher Besuch an, wenn Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Verkehrsminister Alexander Dobrindt in der Franz-Josef-Strauß-Kaserne erwartet werden.

Auf ein „herausforderndes Jahr“ blickte anschließend Christian Schoebel zurück. Herausfordernd deshalb, weil es galt, nach dem Ende der Luftlande-/Lufttransportschule trotz „verringerter personeller und ziviler Ressourcen“ die Ausbildungsqualität in gleichem Maß zu erhalten. „Das ist uns, denke ich, gut gelungen“, stellte er fest.

Die nächste Bewährungsprobe steht allerdings bereits bevor. 2017 werde man voraussichtlich mehr Lehrgangsteilnehmer ausbilden als eigentlich vorgesehen, um den Bedarf der Luftlandebrigade zu decken. Dafür seien zusätzliche Ausbilder nötig, die zuvor entsprechend qualifiziert werden müssten. „Auch heuer gilt es für uns, reichlich dicke Bretter zu bohren“, so der Stützpunkt-Leiter.

Eine entscheidende Rolle beim Sprungbetrieb spielt das Fluggerät. Weil in Penzing Ende 2017 endgültig die Lichter ausgehen und damit die bislang dort stationierten Transall nicht mehr zur Verfügung stehen, setzt man in Altenstadt künftig vermehrt auf zivile Flugzeuge. Für 300 000 Euro wurde im vergangenen Jahr die Start- und Landebahn auf Vordermann gebracht. „Wir hoffen, dass die M-28 in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung stehen“, sagte Schoebel. „Das würde unsere Abhängigkeit deutlich verringern.“

SPD-Landtagsabgeordneter Peter Paul Gantzer kritisiert Sicherheitspolitik

Mann der klaren Worte: Peter Paul Gantzer.

Einer, der auf politischem Weg alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, dass in Altenstadt überhaupt noch Fallschirmjäger ausgebildet werden, befand sich am Donnerstag ebenfalls unter den Gästen. Peter Paul Gantzer pflegt eine besondere Beziehung zur Franz-Josef-Strauß-Kaserne. Der SPD-Landtagsabgeordnete durchlief hier einst selbst die Springer-Ausbildung. Die Idee, den Standort aufzugeben, wie es im Rahmen der Strukturreform ursprünglich angedacht gewesen sei, bezeichnete er im Rückblick als „verrückt“. „Wir haben viel gearbeitet, dass es nicht soweit kommt.“

Kein gutes Haar ließ der 78-Jährige auch an der aktuellen Sicherheitspolitik. Er kritisierte, dass der Verteidigungshaushalt jahrelang als Steinbruch für andere Budgets gedient habe, weil man sich in trügerischer Sicherheit gewähnt habe. Doch die vielen Konfliktherde auf der Welt zeigten deutlich, dass man in der Sicherheitspolitik langfristig denken müsse. „Die Politik hat geglaubt, wer die Schlacht gewinnt, der hat auch den Krieg gewonnen.“ Nach Jahren der Entspannung befinde man sich aber wieder im Kalten Krieg.

Bedauernswert fand Gantzer, dass die Bundeswehr in der Gesellschaft nicht mehr so akzeptiert werde, wie das bis 1989 der Fall gewesen sei. „Es herrscht ein freundliches Desinteresse in der Bevölkerung.“ Selbst schwierigste Einsätze wie in Afghanistan würden von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.

Weil die USA sich unter ihrem neuen Präsidenten Donald Trump womöglich weniger für die Sicherheit Europas engagieren könnten, sei eine gemeinsame Sicherheitspolitik der EU-Länder drängender denn je, mahnte Gantzer zum Abschluss. „Wenn nicht alle an einem Strang ziehen mit dem Fernziel einer europäischen Armee, wird mir Angst um die Verteidigungsfähigkeit Westeuropas.“

Christoph Peters

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