"Normalität importiert"

Blickfang aus Holz: Der neue Mühlenmarkt in Herzogsägmühle beherbergt neben Friseur, Metzger, Bäcker, Gärtnerei sowie Werkstatt-und Lebensmittelladen auch einen Vorführraum für Filme. Foto: Peters

Die Eröffnung eines Supermarktes ist normalerweise nichts außergewöhnliches, schießen die Filialen der großen Ketten doch mittlerweile an jeder Ecke wie Pilze aus dem Boden. In Herzogsägmühle jedoch stellte die Einweihung des neuen MühlenMarktes jüngst tatsächlich eine Besonderheit dar, denn mit ihm schafft das Diakoniedorf endlich eine zentrale Einkaufsmöglichkeit – und beseitigt damit einen jahrelangen Missstand.

Über 900 Menschen wohnen in der kleinen Ortschaft, noch einmal 800 kommen täglich zur Arbeit und Schule nach Herzogsägmühle. Für alle habe bislang eine angemessene Einkaufsmöglichkeit gefehlt, führ-te Hans Rock, Vizedirektor von Herzogsägmühle, bei der Einweihungsfeier aus. Schon 1998 sei daher die Idee für einen Markt entstanden, der nicht nur die Produkte der Herzogsägmühlen-Einrichtungen anbiete, sondern auch Dinge des täglichen Bedarfs. Doch erst mit dem Konjunkturpaket II kam Schwung in die Sache, auf einmal musste alles ganz schnell gehen. Nur ein Jahr blieb Architekt Weinberger und seinem Team Zeit, das Projekt zu realisieren, um keine Zuschüsse zu verlieren. „Das war eine große Herausforderung“, blickte er zurück. Doch der Zeitplan blieb nicht die einzige Hürde, die dem Architekten Kopfzerbrechen bereitete. Da der Markt zur Gemeinde passen und zugleich als zentraler Treffpunkt dienen sollte, kamen herkömmliche Bauweisen nicht in Betracht. „Also haben wir versucht, mit viel Licht eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen“, so Weinberger. Den zahlreichen Besuchern, die sich die Eröffnung nicht hatten entgehen lassen wollen und sich dicht an dicht an den Angeboten von Bäcker, Metzger, Friseur, Gärtnerei und Werkstatt vorbeidrängten, jedenfalls schien das Konzept zu gefallen. Sehr zur Freude von Direktor Wilfried Knorr, der gemeinsam mit Peitings Bürgermeister Michael Asam, Marktleiter René Richter und der stellvertretenden Landrätin Andrea Jochner-Weiß symbolisch das rote Band durchtrennte. Immerhin 2,9 Millionen Euro hat sich seine Einrichtung den 1650 Quadratmeter großen Bau kosten lassen, 700000 Euro flossen über das Konjunkturpaket zurück. Eine Investition, die für das Diakoniedorf angesichts einer „nicht unbedingt leichten Zukunft“ (Knorr) alles andere als ein Pappenstiel ist. Doch für den Direktor ist sie es schon aus einem einzigen Grund wert: „Wir haben dadurch ein Stück Normalität importiert.“

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