"Pro Bahn" wirbt für Hybridzüge auf der Pfaffenwinkelbahn

Ohne Umsteigen von Schongau nach München

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Der neue Talent 3 von Bombardier.

Schongau – Mit dem Zug von Schongau nach München ohne umzusteigen: Bislang ist das für Fahrgäste der Pfaffenwinkelbahn nur ein Wunschtraum. Ginge es nach dem Fahrgastverband Pro Bahn, könnte dieser jedoch schon in naher Zukunft in Erfüllung gehen. Möglich machen soll es eine neue Generation an Hybridzügen.

Elektroautos sind die Zukunft, immer mehr Hersteller setzen auf den emissionslosen Antrieb. Doch nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Schiene soll die Batterie als Energiequelle künftig ein Rolle spielen. Auf der Verkehrstechnikmesse InnoTrans hat Bombardier kürzlich den Nahverkehrstriebwagen Talent 3 vorgestellt, der dank Batteriespeicher auch dort elektrisch fahren kann, wo es bislang keine Oberleitung gibt.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zeigte sich vom Konzept derart angetan, dass er ankündigte, sein Ministerium werde das Entwicklungsprojekt mit rund vier Millionen Euro unterstützen. Davon könnte auch die Pfaffenwinkelbahn profitieren – jedenfalls, wenn es nach dem Fahrgastverband „Pro Bahn“ geht. So dränge sich diese förmlich als Pilotprojekt für die neue Technik auf, sagt Norbert Moy, Leiter der Kreisgruppe Weilheim-Schongau.

Zurzeit wird die Bahnstrecke Weilheim-Schongau von der Bayerischen Regiobahn mit Dieseltriebwagen betrieben, da die Strecke nicht elektrifiziert ist. Das hat zur Folge, dass die Fahrgäste in Weilheim umsteigen müssen, wenn sie von München kommend weiter in Richtung Schongau wollen oder andersherum. Das verlängert nicht nur die Fahrtzeit, sondern hat laut „Pro Bahn“ auch eine abschreckende Wirkung. „Viele potentielle Bahnkunden werden heute durch das Umsteigen und die damit verbundenen Umstände wie das Risiko eines Anschlussverlusts vom Bahnfahren abgehalten“, so Moy.

Mit den modernen Hybridzügen ließe sich die Situation grundlegend verbessern, ist der „Pro Bahn“-Vertreter überzeugt. Denn da die neuen Triebwagen Talent 3 kompatibel zu den derzeit eingesetzten Zügen vom Typ Talent 2 wären, bestünde die Möglichkeit, den bisher in Weilheim endenden Zug des Halbstunden-Taktes anstatt der bisherigen Wendezeit nach Peißenberg zu verlängern, erklärt Moy.

Stündlich ohne umzusteigen von Schongau nach München

Zum anderen könnte ein Zugteil des Haupttakt-Zuges nach Garmisch-Partenkirchen in Weilheim abgekoppelt werden, um nach Schongau weiterzufahren. Beides wäre laut „Pro Bahn“ ohne zusätzliche Fahrzeuge und Personal möglich. Für das Mittelzentrum Schongau/Peiting/Altenstadt wäre so eine stündliche umsteigefreie Direktverbindung nach München geschaffen. Für Peißenberg entstünde durch den Halbstundentakt eine „enorme Aufwertung“. Auch Weilheim würde von dieser Lösung profitieren, da der Park&Ride-Verkehr durch die bessere Verbindung nachlassen würde, betont Moy.

Umgesetzt werden könnte das Hybrid-Pilotprojekt möglicherweise bereits ab 2019, wenn der Vertrag für das Dieselnetz „Augsburg 2“ ausläuft. So schlägt „Pro Bahn“vor, die Strecke zu diesem Zeitpunkt herauszulösen und separat zu vergeben. Für Moy wäre es die längst überfällige Aufwertung der Pfaffenwinkel-Bahn. Unterstützung erhält „Pro Bahn“ erwartungsgemäß von den Kommunen entlang der Bahnlinie. Sowohl von Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman als auch von dessen Amtskollegen aus Hohenpeißenberg, Thomas Dorsch, habe er bereits eine positive Rückmeldung erhalten, sagt Moy.

Auch bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die für die Ausschreibung der Strecken zuständig ist, zeigt man sich durchaus offen für den Vorstoß des Fahrgastverbands. Man beabsichtige, „im Rahmen eines Gutachtens die betrieblichen und wirtschaftlichen Potentiale alternativer Antriebsformen zu prüfen und im Hinblick auf Einsatzmöglichkeiten in konkreten Netzen bewerten zu lassen“, teilt Geschäftsführer Johann Niggl auf Anfrage des Kreisboten mit. „Es wird dabei auf diese jeweiligen Anwendungspotentiale ankommen, welche Netze vom Gutachter näher in Betracht gezogen werden. Ob auch die Pfaffenwinkelbahn hierbei berücksichtigt wird, ist denkbar, aber derzeit noch offen.“

Christoph Peters

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