Das Opern-Image aufpolieren

Der Don Giovanni von heute

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Haben den Weiberheld Don Giovanni (Daniel Weiler) durchschaut: Hans (Maria Hegele), Gretel (Anne Reich) und Suse (Anna Perwein) (v. links).

Schongau – Don Giovanni ist ein Frauenheld. Mit Pilotenbrille und Smartphone lehnt er lässig an der Bar. In der Tasche hat er ein Parfüm, dem alle Frauen verfallen. Nur blöd, wenn die Frauen herausfinden, welches Spiel Don Giovanni treibt, denn sie schwören Rache.

So die Handlung des komödiantischen Singspiels „Don Giovanni‘s Liebesbriefe“, welches die Musikschule Pfaffenwinkel e.V. vergangene Woche im Ballenhaus präsentierte. Bevor die Besucher am Donnerstagabend allerdings in den Genuss kamen, saßen am Mittwochvormittag Schüler der Mittelschule in den Zuschauerreihen. Das Ziel sei es, jungen Menschen die klassische Musik und das Thema Oper leichter zugänglich zu machen und aufzuzeigen, dass das angestaubte Klischee nicht berechtigt ist, schildert Anna Perwein, die sich für das Projekt fünf Musikerkollegen an Bord geholt hat.

Den Stoff des treulosen Schürzenjägers aus der Mozart-Oper transportieren die sechs jungen Musiker in ein komödiantisches Singspiel mit bekannten Melodien aus Oper und Operette. Da findet sich der Zuhörer zunächst in einer Vorlesung eines Professors (Jürgen Erhard) wieder. Er philosophiert über die Liebe, die Ehe sowie Leid und Schmerz, die mit der Liebe stets einhergehen. Als Moderator kommentiert er das Geschehen, welches auf der Bühne dargestellt und von Almira Kreimel am Klavier begleitet wird.

Suse lebt mit den Geschwistern Hans und Gretel in einer WG. Schwer verliebt in – und bereits schwanger von – Don Giovanni, der im Besitz eines Parfüms ist, das auf Frauen betörend wirkt und ihnen die Sinne vernebelt. Neben Suse erliegt auch Mitbewohnerin Gretel schließlich diesem Duft. Und Suse, die bereits mit einem Antrag gerechnet hatte (dazu passend ertönt der Brautchor aus „Lohengrin“), erwischt die beiden in flagranti.

Doch während die schwangere Suse ihrem Schmerz über den Betrug mit Schokoküssen und Essiggurken entgegen tritt und eine Tüte Chips aus dem Flügel zieht, wird Gretel in der Zwischenzeit klar, dass der Liebesbrief, den sie von Don Giovanni erhalten hat, genau derselbe ist, mit dem er auch die Freundin verführt hat. Die beiden schwören schließlich Rache und Hans muss herhalten und sich als Frau verkleiden.

Als solche soll er sich dem Casanova an den Hals werfen. Der versprüht aus seiner Parfümflasche jede Menge – doch auf Hans scheint das wenig Wirkung zu haben. Scheinbar gibt Hans dennoch dem Werben nach, nur um dem Schürzenjäger einen Riegel vorzuschieben – in Form eines Schlosses am Gürtel.

Der so bloßgestellte – oder „gedisste“, wie Erhard sagt – Don Giovanni gelobt Besserung. Und der Redner beendet seine Vorlesung mit einem Zitat aus einem anderen Genre: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel...“

asn

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