Trio begeistert Zuschauer

"Opern auf Bayrisch": Bestes Musiktheater

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Brillierten in ihren Sprechrollen: Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg (v. li.).

Schongau – Beste Unterhaltung: Das war das Programm „Opern auf Bayrisch“. Anspruchsvoll und doch kurzweilig, deftig und doch nachdenklich boten Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg sowie das Ensemble um Dirigent Andras Kowalewitz vor 380 Besuchern im Jakob-Pfeiffer-Haus die drei Stücke dar, nämlich „Carmen“, „Die Zauberflöte“ und „Der fliagade Holländer“. Und als Zugabe gab’s eine Kurzversion von „Madame Butterfly“.

 „Wenn Sie mit Ihrem Beifall die Protagonisten zu einer Zugabe bewegen können, dann werte ich das als Auftrag, die „Opern auf Bayrisch wieder nach Schongau zu holen.“ Diese Worte richtete Peter Mahl, Vorstand des Theatervereins Schongau, am Sonntagabend schon an das Publikum, bevor die Akteure auf die Bühne kamen. Mahl steht im Wort. Es gab mit „Madame Butterfly“ eine Zugabe.

Der Theaterverein Schongau, meist Theaterstadl genannt, war es, der das Ensemble nach Schongau holte und sich damit auf einen finanziellen Kraftakt einließ. Der Zuspruch hat Peter Mahl und seinen Mitstreitern Recht gegeben. Der Verein hätte noch deutlich mehr als die knapp 400 Karten verkaufen können, obwohl eine davon 29 Euro gekostet hat.

Aber es ist eine Besonderheit, dass solche schauspielerischen und musikalischen Profis, die mit diesem Programm meist in großen Stadthallen (wie etwa in Marktoberdorf oder in Weilheim) zu sehen sind, im Pfeiffer-Haus auftreten. Der nächste Abend mit demselben Programm ist schon am Samstag, 23. Januar im niederbayerischen Ergolding. Die Marktgemeinde ist genauso groß wie Schongau, hat aber einen Bürgersaal, der 600 Leute fasst.

Routiniert und als eingespieltes Trio trugen Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg in Schongau am viereckigen Tisch die markanten Texte vor, die aus der Feder von Paul Schallweg stammen. Der Autor hatte in seinen Opern wie „Die Zauberflöte – oder das Wunder Königsee“ beziehungsweise in „Der fliagade Holländer“, einer Parodie auf Richard Wagners Opernvorlage, die Handlung nach Bayern verlegt.

Nur bei „Carmen“ mit dem bezeichnenden Zusatz „Wia d’ Liab an Sepp zum Mörder gemacht hat“ sollten die Besucher in Gedanken in die Ferne schweifen – in eine Stierkampfarena. Bildliche Unterstützung leistete dabei Werner Hofmeister, der Perkussionist des Orchesters mit seinem umfassenden Instrumentarium, das von der Wärmflasche über die Maultrommel und Trillerpfeife bis zum Hammer und zur Pfanne reichte. Hofmeister setzte in der „Carmen“ eine Maske mit kurzen Hörnern des Stieres auf.

Die Hauptrolle kommt in „Opern auf Bayrisch“ – das soll keine Schmälerung des schauspielerischen Beitrages sein –dem Orchester zu. Es war eine Freude, den Profimusikern – nur auf die Geige und auf die Oboe wurde in Schongau verzichtet – zuzuhören und zuzuschauen. Das feine Spiel in der für Bläser schwierigen, trockenen Akustik des Saales wusste ebenso zu überzeugen wie die vielen rhythmischen Raffinessen, die Dirigent Andras Kowalewitz ohne viel Aufhebens mit den Musikern gekonnt in Szene setzte.

Die Musik zu „Opern auf Bayerisch“, die Friedrich Meyer und Rolf Wilhelm geschrieben haben, ist anspruchsvoll und gefällig zugleich. Sie lassen das Original der Oper nie aus den Augen. Es fließen aber bajuwarische und alpenländische Klänge mit ein. Die Sprechrollen sind bisweilen deftig, was dem Ganzen die Würze verleiht.

Besonders gut kam das kräftige Bajuwarische in Schongau zur Geltung, wenn Gerd Anthoff seine tiefe, voluminöse Bassstimme zum Forte anschwellt. Beeindruckend für den Zuhörer war, wie sowohl die drei bekannten bayerischen Schauspieler als auch die Musiker sofort nach der Musik bzw. nach dem Text einsetzten, jede noch so kleine Pause vermieden und so gehörig Spannung aufbauten.

Das Publikum im Pfeiffer-Haus dankte all das mit manchen Lachern und viel Applaus. Unter den Zuhörern waren viele, die sonst nur selten oder nie in die richtige Oper gehen. Müssen sie auch nicht. „Opern auf Bayrisch“ soll ja wieder nach Schongau kommen – eventuell mit einem andren Programm. Da sollen die Leute Vereinsvorstand Peter Mal – wir erinnern an dessen theatralische Ansage im Fall einer Zugabe – ruhig beim Wort nehmen.

Johannes Jais

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