Abertausende Einzelteile nach Bonn

Orgelsanierung in Rottenbuch endlich in den Startlöchern

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Blickt auf die Restaurierung der Rottenbucher Orgel voraus: Pfarrer Josef Fegg. Im Oktober soll der Abbau des Instrumentes starten.

Rottenbuch – Sie ist das Schmuckstück der ehemaligen Rottenbucher Stiftskirche: die im Jahr 1747 von Balthasar Freywis (etwa 1710 bis 1783) erbaute Orgel. Doch sie bedarf auch dringend einer Restaurierung. Seit Jahren laufen die Vorbereitungen, auch jetzt kam es erneut zu einer Verzögerung. Der anvisierte Termin ist nun Mitte Oktober. Dann wird das riesige Instrument in Abertausende Einzelteile – allein über 3.000 Pfeifen – zerlegt und in die Werkstatt der Orgelbau-Firma Klais nach Bonn transportiert. 2020 soll sie im Gotteshaus in Rottenbuch wieder erklingen.

Bereits vor fünf Jahren untersuchte die Bonner Orgelbau-Firma das Instrument eingehend. Zuletzt nahmen Experten im September letzten Jahres die Freywis-Orgel in der ehemaligen Rottenbucher Stiftskirche noch einmal unter die Lupe. Das Ergebnis: Eine Wiederherstellung des historischen Instrumentes ist denkbar. Dass es mit der geplanten Restaurierung so lange dauert, begründet Pfarrer Josef Fegg unter anderem mit der umfangreichen Geschichte der Orgel.

Diese beginnt mit der Erbauung um 1747. Nach dem Rottenbucher Vorbild erschuf Freywis einige Jahre später außerdem die Orgel auf der Klosterkirche Irsee. Die beiden Instrumente wurden in der Folgezeit architektonisch kaum noch übertroffen und gelten daher als ideale Schöpfungen des Hochbarocks im oberschwäbisch-bayerischen Kulturraum.

„Nach der Säkularisierung 1803 ist nicht mehr viel an der Orgel passiert“, bedauert Pfarrer Josef Fegg. Erst im Lauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm man sich des Instruments wieder an, was allerdings zu – aus heutiger Sicht – bedauernswerten Modernisierungen führte.

Ziel der jetzt geplanten Sanierung ist daher, das Instrument wieder in den Originalzustand zurückzuversetzen. Laut Fegg ist dafür eine umfangreiche Spurensuche notwendig. „Was ist mit der Orgel passiert? Stimmen Theorie und Praxis überein?“ – das dürften die Fragen sein, die sich die Bonner Orgelbauer stellen müssen. Die Originalteile sollen dabei auf jeden Fall wieder verwendet werden, nachträglich eingebrachte Ersatzteile sollen bei Bedarf nach damaliger Technik ersetzt werden, erklärt der Pfarrer.

Anvisierter Termin für das Mammutprojekt – allein der Abbau dürfte rund vier Wochen dauern – ist nun Mitte Oktober. Die rund sechsmonatige Verzögerung begründet Fegg mit der Finanzierung. Insgesamt wird die Maßnahme rund 700.000 Euro kosten. Mit 300.000 Euro greift der Bund unter die Arme, 150.000 wurden nun vom Ordinariat bewilligt. Außerdem erwarte er noch weitere Zuschüsse vom Freistaat sowie vom Denkmalamt, so Fegg. „Die verbleibende Lücke werden wir sicherlich mit Spendengeldern füllen können“, ist der Pfarrer zuversichtlich.

Die musikalische Lücke, die durch die Abwesenheit der Orgel entstehen wird, soll durch örtliche Gruppen gefüllt werden. Die Kirchenbläser, der Kirchenchor sowie andere Musikgruppen hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt. „Man wird schon spüren, dass die Orgel nicht da ist“, sagt Fegg. Jedoch hofft er, dass die Rottenbucher dadurch auch das Gefühl bekommen, dass es ihre Orgel ist und die Gemeinde dadurch gestärkt wird.

Nach der Zeit in der Bonner Werkstatt soll das Instrument voraussichtlich 2020 in das Rottenbucher Gotteshaus zurückkehren. „Wir wollen dem großen historischen Erbe gerecht werden und das Gotteshaus so wieder mit Leben füllen“, so der Pfarrer. 

asn

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