Ausrufezeichen in der Blasmusik

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Das Osterkonzert überzeugte über beide Tage auf voller Linie – hier die Trompeten und Saxophone mit dem Fagott.

Schongau – Es waren schwierige Werke, aber jedes für sich war brillant gespielt: Die Stadtkapelle Schongau hat mit ihren beiden Frühjahrskonzerten ein dickes Ausrufezeichen in der Blasmusik gesetzt. Davon konnten sich knapp 800 Besucher bei den zwei Aufführungen in der Lechsporthalle einen Eindruck verschaffen. Franz von Suppés Ouvertüre zu „Pique Dame“, das imposante Tongemälde „Persis“ von James Hosay, das 2002 komponierte Werk „Pilatus: Mountain of Dragons“ von Steven Reineke und die Suite aus „Harry Potter und der Feuerkelch“ von ­Patrick Doyle waren Highlights, die es tonlich und technisch in sich hatten.

Eine heitere Note bekam das Konzert spätestens beim Stück „Wenn Ludwig ins Manöver zieht“. Da fielen die Register nicht nur optisch mit Pickelhauben und anderen Kopfbedeckungen auf, sondern kämpften mit preußischen und bayerischen Melodien munter gegeneinander an, ehe sie nach einem Handgemenge und der Aufforderung zum friedlichen Miteinander der Harmonie schließlich musikalisch Nachdruck verliehen. Auch Stadtkapellmeister Marcus Graf legte dabei – frei nach Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ – bei Stücken verschiedener Komponisten als Arrangeur Hand an.

Lechsporthalle erstmals ganz genutzt

In der Lechsporthalle gibt die Stadtkapelle bereits seit mehreren Jahren ihre Frühjahrskonzerte, soweit nichts Neues. Bisher wurden immer zwei Halleneinheiten geöffnet. Novum war heuer, dass die gesamte Fläche genutzt wurde und nichts mehr abgetrennt war. Der wachsende Zuspruch der Zuhörer aus nah und fern ist dafür der Grund; aber auch, dass der Brandschutz bei mehr als 400 Stühlen die komplette Öffnung verlangt.

Damit konzertierte die Stadtkapelle Schongau – der Klangkörper umfasste trotz Erkrankung mancher Musiker nahezu 70 Instrumentalisten auf großer Bühne (zwölf Meter breit und zehn Meter tief). Die große Kubatur mit dem Nachhall bedeutete akustisch eine große Herausforderung. Ja sogar eine gewaltige, die aber – vom „Sturm-Galopp“ des Karl ­Komzak abgesehen – gemeistert wurde. Viele große Fahnen und Vorhänge mussten hinter der Bühne und auf der Eingangsseite aufgehängt werden. Auch an den Glasscheiben der Tribüne wurden Tücher angebracht, um die Reflektion zu dämpfen.

Mit dem Grenadiermarsch „Fridericus Rex“ von ­Ferdinand ­Radeck hatte der von Marcus Graf bestens vorbereitete Klangkörper den Konzertabend eröffnet. Bei der Ouvertüre zu „Pique Dame“ erklang zunächst ein kräftiges Unisono. Schön und leicht anmutend die Partien im Holzregister. Claudia Riedenauer und Patrizia Graf spielten einfühlsam und stimmig die Solo-Partien im Flötenduett.

Im „Slawischen Tanz Nummer 8“ von Antonin Dvorák war, wie auch die charmante Kathrin Beckstein in der zügigen Moderation hervorhob – der ständige Wechsel zwischen Dur und Moll kennzeichnend. Antreiber im ganzen Orchester: klar, der Dirigent, aber auch die Percussion. Und vor allem das Piccolo, das kräftig gespielt, in der großen Halle noch mehr „durchgeht“ als ohnehin schon.

Zu Beginn des zweiten Abschnittes ließ die Jugendkapelle der Musikschule Pfaffenwinkel von sich hören. Sie legte, ebenfalls von Marcus Graf dirigiert, im Vergleich zum Vorjahr nochmals an Stimmung zu. Clara Eichelberg vom Flötenregister sagte die Stücke an: die Musik aus dem „Phantom der Oper“, die Episode II aus „Star Wars“, den Titel „Fluch der Karibik“ sowie als Zugabe „Barba’s Reggae Rock“.

Die Stadtkapelle selbst präsentierte nach der Symphonic Suite aus Harry Potter und den Feuerkelch-Stücken auch aus dem Zeichentrick-Klassiker „Das Dschungelbuch“ von Walt Disney. Sechs bekannte Fernsehmelodien waren im Medley „Bugs Bunny and Friends“ zu hören – unter anderem aus der Sendung mit der Maus und aus „Dick und Doof“. Drei Zugaben setzte der bestens aufgestellte Klangkörper, der auch mit zwei Oboen, Bassklarinette und Fagott sowie Kontrabass bestens besetzt war, noch drauf. Es waren der imposante Titel ­„Music“ von Johan Miles mit einem mächtigen Finale, die „Finkenberger Polka“ sowie das heitere Stück „Die fliegenden Männer mit ihren tollkühnen Kisten“.

Zahlreiche Geehrte

Arthur Keck vom Musikbezirk und Vorstand Michael Horn würdigten bereits bei der ersten der zwei Aufführungen das einzigartige, 60-jährige Musizieren von Luitpold Fischer (70) aus Hohenfurch. Zunächst hatte er zwei Jahre Cello gelernt. Als sein Lehrer starb, folgte der Wechsel auf die Posaune. Der Stadtkapelle Schongau gehört er seit deren Anfängen 1963 an. ­Theresa ­Sedlmeier (Oboe) hat den Dirigentenkurs des MON (Musikbund für Ober- und Niederbayern) erfolgreich abgelegt. ­Kathrin Beckstein (Flöte) wurde für 25 Jahre aktives Musizieren die Silberne Ehrennadel angesteckt.

jj

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