Wie in der Altstadt

Parken am Lido: Acht Euro für Tagesticket vom Tisch

Wie in der Altstadt werden künftig auch die Gebühren am Lido aussehen.
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Wie in der Altstadt werden künftig auch die Gebühren am Lido aussehen.
  • Astrid Neumann
    VonAstrid Neumann
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Schongau – Bei den geplanten Parkgebühren am Lido hat der Stadtrat nun zurück gerudert. Obwohl eine einstimmige Empfehlung des Bauausschusses mit einer Gebühr von acht Euro für ein Tagesticket vorlag, entschied sich das Gremium jetzt dafür, am Lido genauso wie in der Altstadt zu verfahren. Das bedeutet: Die erste Stunde ist frei, jede weitere kostet einen Euro, das Tagesticket fünf.

Die Meinungen zu den Parkgebühren am Schongauer Lido gehen stark auseinander. Von Zustimmung bis zur absoluten Empörung ist auf der Kreisbote-Facebookseite alles dabei. Auch Bürgermeister Falk Sluyterman haben viele Rückmeldungen zu dem Thema erreicht – nicht immer positive.

Der häufigste Vorwurf aus der Bürgerschaft: Abzocke. „Es geht hier nicht ums Abkassieren“, machte das Stadtoberhaupt in der Sitzung noch einmal deutlich. Hier soll einfach Ordnung hergestellt werden. „Das ist auch mit der PI Schongau abgesprochen“, so Sluyterman. Er verweist auch darauf, dass die Stadt jetzt schon erhebliche Kosten am Lido übernimmt und nennt hier rund 8.000 Euro pro Jahr. „An der Höhe von acht Euro hänge ich mich nicht auf“, so der Rathauschef weiter. Er machte aber auch deutlich, dass die Empfehlung des Bau- und Umweltausschusses einstimmig war.

Im Bauausschuss anwesend war auch Kornelia Funke (CSU). Doch entgegen des dort gefassten Beschlusses, machte sie im Stadtrat nun einen anderen Vorschlag: Man könnte sich an den Parkgebühren in der Altstadt orientieren. Das beinhaltet auch, dass die erste Stunde kostenfrei sein soll. „Es gibt viele, die in der Mittagspause schnell zum Lido fahren“, begründete Funke. Zudem hätte sie die Gebühren gerne nur am Wochenende. Am Ende der Saison müsse man ohnehin noch einmal ein Fazit ziehen.

Lösung für Familien

Die Gebühren seien grundsätzlich gerechtfertigt, so die Meinung von Bettina Buresch (Grüne). Man reagiere damit schließlich auch auf den Hilferuf der Rettungskräfte, die durch die zugeparkte Straße im Ernstfall nicht mehr durchkämen. Leute, die extra aus München zum Lido kämen, könnten sich das leisten, so Buresch weiter. Ihr wäre es allerdings ein Anliegen, wenn „eine sozialverträgliche Lösung für schwächere Familien“ erarbeitet würde. Schließlich könne man diesen ja nichts an öffentlichen Verkehrsmitteln anbieten, so Buresch. Außerdem befürwortete sie, bis zu eine halbe Stunde unentgeltlich zum Ausladen zur Verfügung zu stellen. Dass die Möglichkeit zum Be- und Entladen ja bereits besteht, darauf verwiesen Sluyterman und Stadtbaumeister Sebastian Dietrich.

»Zu viel«

Dass sie dagegen stimmen werde machte hingegen Bureschs Fraktionskollegin Janaina Subiabre-Haseitl deutlich: „Acht Euro sind zu viel.“ Sie hätte es gut gefunden, wenn die Stadt weiter über die Möglichkeit, dass der Stadtbus den Lido anfährt, nachgedacht hätte. Außerdem war Subiabre-Haseitl der Ansicht, man könne vielleicht mit Hinweistafeln den Leuten klarmachen, warum dort beispielsweise eine Rettungsgasse freigehalten werden muss.

„Der Beschluss des Bauausschusses war einstimmig, aber dabei wurde offenbar nicht alles bedacht“, meinte Ilona Böse (SPD) dazu. Jetzt sei man am Lido aber im Zugzwang, „wir sind mit Appellen ja nicht weitergekommen“, sagte Böse zu dem Vorschlag von Hinweistafeln. Bei einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt zähle jede Minute, verwies sie auf die Rettungsgasse. Damit, sich hinsichtlich der Parkgebühren an der Altstadt zu orientieren, war sie einverstanden: „Wir müssen da jetzt eine gewisse Lenkung hinkriegen.“

Nina Konstantin (ALS) schloss sich da Böse an. Man zahle schließlich überall. Trotzdem fand sie zwei Euro pro Stunde recht viel. „Vielleicht tun sich die Leute dann aber auch zusammen“, so Konstantin. „Kostenfrei und nur am Wochenende, da werde ich nicht mitgehen“, machte sie deutlich.

Als „fairen Kompromiss“ bezeichnete Michael Eberle (CSU)das Vorhaben, die Gebühren am Lido denen in der Altstadt anzupassen. Er mahnte aber auch an, dass die begleitenden Maßnahmen wie die Überwachung und eine saubere Beschilderung passen müssen.

Ein Minusgeschäft?

Sein Fraktionskollege Oliver Kellermann hingegen teilte da eher die Meinung von Janaina Subiabre-Haseitl. „Ich werde dagegen stimmen“, machte er deutlich. Abzocke sieht er da zwar nicht, im Gegenteil: „Das wird ein Minusgeschäft“, so seine Überzeugung. Er gab zu bedenken, dass die Automaten dem Vandalismus zum Opfer fallen könnten. „Der Lido sollte das Naherholungsgebiet für die Schongauer sein“, so Kellermann weiter, der prophezeite, dass sich diese harten Maßnahmen rumsprechen werden.

Susanne Tischner (UWV) gab sich hin- und hergerissen. Acht Euro seien viel, fünf hingegen durchaus vertretbar „auch unter der Woche“, meinte sie dazu. Ähnlich äußerte sich auch Jiri Faltis (CSU).

Von dem Thema genug hatte offenbar Friedrich Zeller (SPD), der zuvor schon einen Antrag auf Ende der Rednerliste gestellt hatte, welcher jedoch abgelehnt wurde. Seine Kritik bezog sich hauptsächlich auf die Methodik. Der Bauausschuss habe dem einstimmig zugestimmt. „Entweder der Ausschuss entscheidet oder die Vorberatung findet eben nicht statt“, sagte er zur neuerlichen Diskussion im Stadtrat. „So kriegsentscheidend ist das Thema nicht“, befand er.

Am Ende stimmte das Gremium über vier einzelne Punkte ab. Zuerst wurde darüber befunden, ob überhaupt Parkgebühren erhoben werden sollen. Hier sprachen sich nur vier Stadträte dafür aus, dass keine Gebühren erhoben werden. Dafür, nur am Wochenende Parkgebühren zu verlangen, waren nur zwei Stadträte. Diese beiden Punkte wurden demnach abgelehnt.

Dafür, dass eine Stunde kostenfrei am Lido geparkt werden kann, sprach sich der Stadtrat mit 11:8 Stimmen aus. Die Parkgebühren, die sich an der Altstadt orientieren, wo jede weitere Stunde einen Euro und das Tagesticket fünf Euro kostet, wurden mit einer Gegenstimme schließlich vom Gremium abgesegnet.

Bis Automaten aufgestellt werden können, wird zunächst nur Handyparken möglich sein. Die Gebühren werden zwischen 10 und 18 Uhr bis Mitte September fällig.

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