Ausbau für 2020 geplant

Nächster Schritt am Schongauer Bahnhof

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Die Kastanie am Bahnhofsvorplatz könnte dem Umbau der Bushaltestelle zum Opfer fallen.

Schongau – Am Bahnhof soll endlich etwas passieren. Im Zuge des barrierefreien Ausbaus, der für 2020 geplant ist (der Kreisbote berichtete), sollen sowohl Parkplatz, als auch Bike+Ride-Anlagen sowie der Bahnhofsvorplatz inklusive Bushaltestelle neu gestaltet werden. Martin Hofmann vom beauftragten Architekturbüro stellte dem Stadtrat am Dienstag unterschiedliche Varianten vor. Die Einigung im Gremium gelang vor allem beim Busbahnhof nur knapp.

Im Wesentlichen plant die Deutsche Bahn, vertreten durch die Station&Service AG, die Gleise 2 und 3 mit einem Mittelbahnsteig neu zu errichten. Dieser soll eine Breite von 4,90 Meter aufweisen, zwei Wartehäuschen sowie ein neuer Fußgängerüberweg werden ebenfalls gebaut, wie Martin Blockhaus vom Bauamt erläuterte. Die Option einer nachträglichen Elektrifizierung – die auch eine Erhöhung des Bahnsteigs mit sich brächte – sei zudem berücksichtigt worden. Ebenso bedacht wurde offenbar eine Verlängerung der Strecke bis zum Krankenhaus bzw. bis Landsberg. Aufgrund der signaltechnischen Abhängigkeiten sei eine Realisierung laut DB derzeit aber nicht möglich, so Blockhaus.

Der Zeitplan der DB sieht derzeit vor, noch in diesem Jahr mit gewissen Umweltmaßnahmen zu beginnen – im Bereich der künftigen Baustellen leben vor allem Zauneidechsen, die umgesiedelt werden müssen. Die Hauptarbeiten an den Gleisen werden voraussichtlich im Sommer 2020 stattfinden. Laut Bahn können diese unter laufendem Verkehr durchgeführt werden. Ein Schienenersatzverkehr werde daher nicht nötig sein, wie Blockhaus erklärte. Die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes könne erst nach diesen Maßnahmen beginnen.

Die Elektrifizierung wäre wünschenswert, betonte Bürgermeister Falk Sluyterman. Positiv zu bewerten sei außerdem, dass die Bahn ihre Pläne, den Ausstieg etwa 150 Meter nach Norden zu verlagern, aufgegeben habe. Er nannte die Planungen ein „gutes Gesamtpaket“. Wenig Hoffnung, dass die Signaltechnik bald umgestellt werde, machte Blockhaus dem Gremium auf Nachfrage von Friedrich Zeller (SPD). Da dabei Kosten im zweistelligen Millionenbereich auf die Bahn zukommen dürften, sei damit eher erst mittelfristig zu rechnen.

Im Bezug auf das Bahnhofsgebäude stellte Eigentümer Andreas Holzhey eine Öffnung der Wartehalle zu bestimmten Zeiten in Aussicht. Spruchreif sei da aber noch nichts. Er wolle sich aber bemühen, dass der Fahrkartenautomat sowie das Video-Reisezentrum an Ort und Stelle vor dem Gebäude bleiben und nicht etwa auf den neu errichteten Mittelbahnsteig verlegt werden. „Die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes steht und fällt mit einer ordentlichen Zugverbindung nach Weilheim bzw. München“, merkte Stephan Hild (UWV) an. Man habe diese Dinge schon x-mal politisch gefordert, sei aber einfach nicht gehört worden, verdeutlichte Sluyterman. „Wir bleiben dran“, versprach er.

Parken für Auto und Rad

Bezüglich der Parkplätze bildete eine Bedarfsermittlung des MVV aus dem Jahr 2013 die Grundlage für die Planungen. Diese sieht einen zusätzlichen Bedarf an Parkflächen von 30 bis etwa 40 Stellplätzen für Autos, also insgesamt zwischen 55 und knapp 70 Stellplätzen. Bei den Fahrrädern seien ebenfalls zusätzliche 30 bis 40 Stellplätze nötig, sodass insgesamt rund 50 bis knapp 60 vorhanden sind.

Keine leichte Aufgabe, wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich erklärte, denn viele Flächen seien noch der Bahn gewidmet bzw. nicht im Besitz der Stadt. Im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) sei der Erhalt der alten Güterhalle angeregt worden. Auch Planer Martin Hofmann bezeichnete das Gebäude als „städtebaulich interessant“. Eine Nutzung ist aber noch nicht fixiert. Im Raum steht „Raum für Kultur bzw. Jugend“.

Will man die Güterhalle erhalten, fallen zwei von Hofmann vorgestellte Varianten für Parkflächen weg. Lediglich der Anbau würde abgerissen werden. Die Kastanienbäume könnten bei dieser Variante ebenfalls weitgehend bestehen bleiben. Die bei einem Abbruch der Güterhalle realisierbaren zusätzlichen Stellplätze würden den erforderlichen Bedarf gemäß dem MVV-Gutachten decken, was bei Erhalt des Gebäudes nicht vollständig erfüllt ist. Mit zwei Gegenstimmen entschied sich das Gremium dennoch für die Variante, bei der die Halle erhalten bleibt. Im Rahmen des ISEK soll ein Nutzungskonzept für das alte Gebäude erarbeitet werden.

Keine Einwände gab es bei den Fahrrädern. Diese überdachte Bike+Ride-Anlage soll am östlichen Bereich des Bahnhofsvorplatzes verwirklicht werden. Der Standort sei ideal, wie mehrere Stadträte befanden. Mit insgesamt 96 Einstellplätzen bestehe sogar noch ein Puffer zur MVV-Prognose von 60 Plätzen, erläuterte der Planer. Allerdings müssen zur Umsetzung noch Verhandlungen mit der Bahn erfolgen, da die Abstellanlage nicht auf städtischem Grund realisiert werden soll.

Bus gegen Kastanie

Schwieriger gestaltete sich die Entscheidung bei der Bushaltestelle. Erste Gespräche mit der RVO hätten hier einen Bedarf von fünf Bushaltestellen und zwei Haltestellen für den Schienenersatzverkehr ergeben. Der Platz ist jedoch mehr als begrenzt, denn die Flächen befinden sich nicht im Besitz der Stadt. Sowohl das Gebäude Bahnhofstraße 15 mit Nebengebäude, als auch die Rampe im Norden limitieren den Platz hier sehr stark. Will man zudem die große Kastanie an der Bushaltestelle erhalten, wird der Wendekreis für die Busse zu eng oder es stehen nur drei Bushaltestellen zur Verfügung.

Als zukunftsfähigste Lösung präsentierten Planer und Verwaltung den Bau eines Busbahnhofes mit Mittelbahnsteig. Diese Variante setzt natürlich die Fällung des Baumes voraus. Außerdem machte Bürgermeister Falk Sluyterman ebenso klar: „Ohne Grunderwerb wird‘s nicht gehen.“

Denkbar knapp mit 13:11 Stimmen entschied sich das Gremium für diese Variante. Bettina Buresch und Gregor Schuppe (beide ALS) sprachen sich deutlich gegen die Fällung des Baumes aus, da dieser den Platz präge und daher dringend erhalten werden müsse. Stephan Hild hingegen sah in der vorgeschlagenen Variante die schönste Möglichkeit. „Wir müssen auch mal einen größeren Wurf machen“, befand auch Friedrich Zeller und plädierte für die von der Verwaltung vorgeschlagene Variante. Trotz der Entscheidung versprach der Rathauschef: „So schnell wird kein Baum gefällt.“ 

asn

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