Abstimmung zur Edeka-Ansiedlung

Rottenbuchs Bürger entscheiden

+
Fällt das Votum der Rottenbucher positiv aus, könnte auf dem Gelände der alten Gärtnerei bald ein Edeka entstehen.

Rottenbuch – „Täglich fahren viele Leute durch Rottenbuch, wissen aber gar nicht, dass es sich lohnt, mal auszusteigen“, glaubt Bürgermeister Markus Bader. Dazu beitragen, das zu ändern, soll ein Edeka-Supermarkt. Am südlichen Ortsrand, dort, wo aktuell noch die alte Gärtnerei steht, soll er entstehen. Zumindest wenn es nach dem Rathaus-Chef geht. Doch im Klosterdorf rührt sich, angeführt von drei ortsansässigen Initiatoren, Widerstand. Der Gemeinderat lenkte ein, ein Bürgerentscheid soll Klarheit bringen, ob die Bürger die zeitnahe Ansiedlung eines Vollsortimenters wünschen. Sie werden am 24. September, an die Urnen gebeten.

„Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Rottenbuch mit der Bauleitplanung für die mögliche Ansiedlung eines Lebensmitteleinzelandels auf den Flurnummern 112 und 112/1 (ehemaliges Gärtnereigelände) in Rottenbuch beginnt?“, lautet der komplette Wortlaut, zu dem die Wahlberechtigten Stellung beziehen sollen. „Ich finde den Bürgerentscheid gut“, sagt Bürgermeister Markus Bader. So ließe sich nochmal alles transparent durchdiskutieren und die Edeka-Ansiedlung letztendlich mit der Rückendeckung der Bevölkerung vorantreiben – oder eben abblasen.

Günstiger Termin

Auch den Zeitpunkt des Entscheids am selben Tag wie die Bundestagswahl hält das Gemeinde-Oberhaupt für stimmig. Bader hofft auf rege Wahlbeteiligung und auch, dass der zusätzliche Aufwand überschaubar bleibe, sei zu begrüßen.

Rückblick: Zum Jahreswechsel hatte die Gemeinde zugeschlagen und sich das schon länger zum Verkauf stehende Gärtnereigelände nördlich des Sportplatzes gesichert. Die Entscheidung dafür fiel im Gemeinderat einstimmig. „Ausschlaggebend war der gemeindeeigene Bedarf“, erklärt Bader. Bauhof, Feuerwehr und Musiker litten seit Jahren unter räumlicher Beengtheit, damit solle künftig Schluss sein. Nicht mehr einstimmig aber in der Tendenz dennoch positiv war hingegen das Votum dafür, auf dem Areal auch Nahversorgung vorzusehen.

Die Gemeinde-Verantwortlichen suchten schon vor dem Kauf des Geländes das Gespräch mit Regierung und Landrats­amt. Unter anderem galt abzuklären, ob das Areal als Gewerbegebiet beplant werden könne. „Das ist generell zulässig“, fasst Bader zusammen.

Dafür, dass aus der noch ganz allgemeinen „Nahversorgung“ schnell „Supermarkt“ wurde, ist das Unternehmen Kutter aus Memmingen verantwortlich, das als möglicher Investor eine Edeka-Ansiedlung ins Spiel brachte. Mit 8:5 stieß das Supermarkt-Konzept im Gemeinderat auf zumindest nicht mehr ungeteilte Gegenliebe. Geht es nach Bader, wollten die Räte, die dagegen stimmten, aber weniger die Sinnhaftigkeit, sondern den vermeintlich zu frühen Zeitpunkt einer Ansiedlung bemängeln.

Er selbst hält das Momentum dagegen für günstig: „Die Befürchtung, der Ortskern könne durch eine Edeka-Ansiedlung ausbluten, teile ich nicht.“ Er hege vielmehr die Hoffnung, dass sich gerade durch den Supermarkt angelockte Auswärtige dazu motivieren ließen, anzuhalten und den Ort zu erkunden. Seiner Erfahrung nach seien es gerade Touristen, Wanderer und Radler, die eine derartige Einkaufsmöglichkeit im Klosterdorf vermissten. „Es geht darum, Kaufkraft in den Ort zu holen.“

Eine Zuversicht, der Bader bei der Bürgerversammlung Anfang April, als die Supermarkt-Absichten erstmals öffentlich an die Bevölkerung herangetragen wurde, Ausdruck verlieh. „Relativ positiv“ seien die Rückmeldungen damals ausgefallen.

Widerstand im Ort

Drei ortsansässige Geschäftsleute allerdings formierten sich gegen die Supermarkt-Pläne. Ihr Ansinnen: Möglichst viele Unterschriften zu sammeln, um den Gemeinderat zu einem Umdenken zu bewegen. „Ich sehe nicht, dass der Supermarkt für die drei die allergrößte Konkurrenz wäre“, findet Bader. Ein Einschnitt, sicherlich, doch wenn die ansässigen Anbieter ihr Potenzial ausschöpften, ließe es sich mit einem neuen Edeka „Hand in Hand“ gehen. Und zu bedenken sei: „Noch sind wir relativ gut versorgt.“ Doch das könne sich ändern. „Alle drei Initiatoren der Unterschriften-Aktion hören wahrscheinlich in den nächsten Jahren als Ladenbetreiber auf.“ Die Folge: Defizite in der Nahversorgung.

Gemeinsam Transparenz schaffen

Dennoch steht Bader dem nahenden Bürgerentscheid – mehr als 300 Wahlberechtigte hatten sich per Unterschrift gegen eine Supermarkt-Ansiedlung ausgesprochen und den Gemeinderat zu einem Ratsbegehren bewogen – positiv gegenüber: „Es gibt zwei Sichtweisen im Ort.“ Diese abzuwägen und mittels Informationsveranstaltungen für Klarheiten zu sorgen, sei das Ziel, das Befürworter und Gegner des Projekts eine. Alles sei offen, noch ist mit Edeka nichts fixiert. „Es gibt noch keinen Masterplan.“

Schwierige Prognose

Eine Prognose, wie der Tenor der Bürgerschaft im September ausfallen wird, sei schwerlich zu treffen, glaubt der Bürgermeister. Zumindest die Rückmeldungen, die direkt an ihn herangetragen würden, fielen zu 75 Prozent positiv aus. „Ich sehe das ganz gelassen.“ Eine „gmahde Wiesn“ sei es zwar nicht, „aber ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem Areal Baurecht schaffen können“.

Auflagen bezüglich Höhe, Gebäudeausrichtung und dergleichen, die die Bevölkerung umtrieben, gebe es angesichts des frühen Stadiums des Projekt aber noch nicht. Bader erkennt die Sensitivität für die Ortsansicht, verweist aber gleichzeitig auf die positiven Signale der Genehmigungsbehörden. Noch dazu lägen zwischen Gärtnerei-Areal und Ortsbebauung rund 400 Meter freies Feld. „Das soll auch so bleiben.“ 

ras

Auch interessant

Meistgelesen

Sparkasse spendet 5.250 Euro an Vereine in der Region
Sparkasse spendet 5.250 Euro an Vereine in der Region
Auf die Hand spezialisiert
Auf die Hand spezialisiert
Schongauer Teilnehmer bei TV-Kuppel-Show
Schongauer Teilnehmer bei TV-Kuppel-Show
Finanzspritze für Bus
Finanzspritze für Bus

Kommentare