Ergänzend zur Polizeiarbeit: 

Sicherheitswacht für Peiting

Sicherheitswacht auf einem Markt im Winter
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„Ein Geschenk des Freistaats“ sei die Sicherheitswacht, hieß es in der Sitzung. Peitings Gemeinderat beschloss, dieses Geschenk anzunehmen.

Peiting – Nach Schongau, Peißenberg und Weilheim soll auch in Peiting eine Sicherheitswacht installiert werden. Das voraussichtlich achtköpfige Team ist als Ergänzung zur Polizeiarbeit zu sehen. Eine deutliche Mehrheit im Gremium war dafür; die Abstimmung endete mit 16:5. Einige Räte wie beispielsweise Alex Zila hätten dagegen lieber einen Streetworker.

In Schongau gibt es die Sicherheitswacht bereits seit 2010. Damals hatten sich die Marktgemeinderäte in Peiting dagegen entschieden. Doch die Vorzeichen sind inzwischen andere. Es gebe Fälle von Vandalismus im Ort. Auch kämen Beschwerden über Alkoholexzesse und sogar zu Drogenkonsum, führte Bürgermeister Peter Ostenrieder in die Debatte ein. Als Beispiel nannte er den Gumpen.

Herbert Kieweg, Chef der Polizeiinspektion Schongau, stellte eingangs klar, dass die Sicherheitswacht keine Hilfspolizei sei. Vielmehr sei sie als Ergänzung zu sehen. Wenn Frauen und Männer der Sicherheitswacht zu Tag- oder Nachtzeiten auf Patrouille gehen, würden sie immer durch den diensthabenden Beamten der Polizeiinspektion kurz eingewiesen.

Dienststellenchef Kieweg und Polizeikollege René Kießlich, der bei der Inspektion Schongau Ansprechpartner für die Sicherheitswacht ist, erklärten im Peitinger Marktgemeinderat einige Details. Die Ausbildung umfasst 40 Stunden und geht über drei Monate. Bewerben könnten sich Frauen und Männer zwischen 18 und 65 Jahren. Wesentlich sei die Kommunikation, betonte Polizeibeamter Kießlich.

Normalerweise seien Mitglieder einer Sicherheitswacht 15 Stunden pro Monat im Einsatz. Pro Stunde wird vom bayerischen Innenministerium eine Aufwandsentschädigung von acht Euro ausbezahlt, so Kieweg. Die Stadt oder Gemeinde selbst hat da keine Kosten.

Wie vielfältig die Aufgaben einer Sicherheitswacht sind, zeigte auch Heidi Schrödl auf. Sie ist 65 Jahre alt und geht seit acht Jahren in Schongau Streife, wo eine der ersten Sicherheitswachten in Oberbayern eingeführt wurde. Schrödl schilderte, dass sie bei den Patrouillen keine Angst verspüre; nur in wenigen Fällen sei es vorgekommen, dass sie Verstärkung gerufen habe.

In Schongau habe man im Laufe der Zeit viele unerfreuliche Vorkommnisse in den Griff bekommen, stimmten Kieweg, Kießlich und Schrödl überein. Stichwörter dafür seien laute Partys auf Spielplätzen, der vermüllte Grillplatz am Lech, Ruhestörungen am Lido, Wildbiesler in der Altstadt, Beschädigungen an Blumenkübeln und anderes mehr.

Die Beschwerden laufen oft übers Ordnungsamt. Dazu warf Geschäftsleiter Stefan Kort bei der Debatte im Marktgemeinderat ein: „Wir würden das (gemeint ist die Sicherheitswacht) sehr begrüßen. Ich kann nicht den Kollegen vom Ordnungsamt auf Streife schicken“.

Die Sicherheitswacht wird lediglich in Peiting eingesetzt, nicht hingegen in den zahlreichen Ortsteilen und Weilern. Das erklärt Geschäftsleiter Kort auf Nachfrage der Redaktion. Somit wird die Sicherheitswacht auch nicht in Herzogsägmühle oder Birkland unterwegs sein. Man erachte diese Einteilung schon aufgrund der Größe des sonst abzudeckenden Gebietes bei der begrenzten Stundenanzahl für sinnvoll, fügt Kort hinzu.

Frage: Reicht das?

Wortführer derjenigen, die eine Sicherheitswacht durchaus kritisch sehen, ist Alex Zila (Unabhängige Peitinger). Er arbeitet im Jugendamt Weilheim-Schongau. Zila stellte die Frage, ob es ausreiche, den Vandalismus aus der Welt zu schaffen. Wo bleibe der „Entzug danach“, fuhr er fort. Da setze eben die Arbeit eines Streetworkers an, der genau hinschaue. Wenn zwei Streetworker an Wochenenden und in den Abendstunden vor Ort seien, brächte das eine Menge. Auch Claudia Steindorf (SPD) und Christian Lory (Unabhängige) waren der Ansicht, dass mit einer Sicherheitswacht die Symptome bekämpft würden, aber nicht an den Ursachen angesetzt werde.

Norbert Merk (CSU) nannte zwei Vollzeitstellen für Streetworker in Peiting eine „Illusion“. Das bedeute Ausgaben von zirka 100.000 Euro. Wenn das Innenministerium die Kosten für die Sicherheitswacht übernehme, sei das „ein Geschenk des Freistaates“. Der große Profiteur sei eindeutig die Gemeinde, ergänzte Merk.

Johannes Jais

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