Hoher Grundstücks-Preis an der Villa Rustica:

Wer kauft die Wiese am Schutzhaus?

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Leider durchkreuzt wurde das Vorhaben, dass Peiting das Grundstück an der Villa Rustica zu einem günstigen Preis erwerben kann. Das Archivfoto zeigt Jakob Leicher vom Förderverein bei einer Führung auf dem Gelände vor dem Schutzhaus.

Peiting – Beschlossene Sache ist der Kauf eines 2,5 Hektar großen Grundstückes, das sich am Schutzhaus der Villa Rustica befindet. Das hat einen hohen Preis für die Marktgemeinde. Laut Gutachter ist der Verkehrswert auf sechs Euro je Quadratmeter festgesetzt, was in der Summe zirka 150.000 Euro ausmacht.

Offen ist noch, ob der Förderverein Villa Rustica das Grundstück vom Staat erwirbt oder ob die Gemeinde der Käufer wird. Zu klären ist vorher nämlich die Frage der Zuschüsse. Der Gedanke ist, dass der Förderverein eventuell Mittel aus der Denkmalpflege erhalten kann.

„Wir können froh sein, dass wir momentan in so einer guten Finanzlage sind“, kommentierte Bürgermeister Michael Asam nach dem einstimmigen Beschluss der Gemeinderäte. Allgemein hieß es, dass man in den sauren Apfel beißen müsse. Was der Staat dafür verlangt, wird in Peiting aber als viel zu hoher Preis angesehen.

Jakob Leicher vom Förderverein Villa Rustica war erleichtert nach der Entscheidung des Gemeinderates. Zuvor hatte er im Gremium daran erinnert, dass der Bau des Schutzhauses trotz enormer Eigenleistungen 400.000 Euro gekostet hatte. Der Verein nutzt den Stadel, der auf dem Grundstück steht, als Lagerfläche.

Werner Schmitt vom Förderverein verwies auf den antiken Mauerbestand der Römersiedlung, der auf dem Grundstück vorhanden sei. Dies habe man beim Kauf des Grundstückes für das Schutzhaus noch nicht gewusst, sondern sei erst seit 2002 bekannt. „Da steckt noch jede Menge drinnen“, betonte Schmitt im Gemeinderat und erwähnte zugleich, dass in der Wiese auch eine Gasleitung verläuft.

Das umliegende, zweieinhalb Hektar große Gelände an der Villa Rustica (am freigelegten Badegebäude der römischen Villa nahe Peiting) hat der Förderverein vom Staatlichen Bauamt Weilheim in Schutzpacht. Vor zwei Jahren wurde die Gemeinde darüber informiert, dass diese Behörde den Vertrag gekündigt hatte, weil das Grundstück nördlich der Umgehungsstraße an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (mit Sitz in Bonn) zur Vermarktung abgegeben werden müsse.

Eintrag in Denkmalliste

Die Fläche ist als Bodendenkmal in der Denkmalliste eingetragen. Geophysikalische Untersuchungen in den Jahren 2002 und 2015 bestätigen dies. Das bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat in einer Stellungnahme vom Juni 2016 auf die überregionale Bedeutung der Anlage hingewiesen. Touristisch ist die Villa Rustica in den seit 2015 eingerichteten Wanderweg mit dem Thema „Römer und Welfen am Lech“ eingebunden.

Im Peitinger Gemeinderat herrschte einmütig die Auffassung, dass dieses Grundstück erworben werden soll – „zu einem wirtschaftlich vertretbaren Preis“. Weil es aber wegen der Bodendenkmäler und wegen der Grunddienstbarkeit für die Ferngasleitung nur eingeschränkt nutzbar sei, müsse es zu einem deutlich niedrigeren Preis zu erwerben sein, als dies sonst typisch für die Region sei. Der Kämmerer hatte einen Kaufpreis von einem Euro je Qua­dratmeter angeboten.

Kämmerer Christian Hollrieder führte zahlreiche Gespräche – unter anderem beim Landwirtschaftsamt und beim Landesamt für Denkmalpflege. Doch sei er, nachdem der landwirtschaftliche Gutachterdienst bei der Bundesimmobilienanstalt den Verkehrswert auf sechs Euro je Quadratmeter taxiert hatte, schließlich „ratlos dagestanden“. Und er ergänzte vor den Gemeinderäten noch den Satz: „Da komm i nimmer weiter.“ Landwirtschaftlich sei die Fläche dort „zwischen zwei und drei Euro“ wert, erklärte Gemeinderat Andreas Barnsteiner, selbst Bauer.

Trotz des Unmuts, den viele Räte wegen des hohen Preises ebenso bekundeten wie über die Vorgehensweise, beschlossen sie schließlich den Erwerb – „mit Bauchweh“, wie mehrere Redner sagten. Wenn der Kauf an uns vorbeigeht, dann verlieren wir etwas, was nicht wiedergutzumachen ist“, bekundete zweiter Bürgermeister Franz Seidel seine Meinung. Es wäre fatal, dieses Grundstück aus der Hand zu geben, meinte Herbert Salzmann. Wenn der Förderverein oder die Gemeinde die Fläche nicht kaufen würden, bestünde sogar die Gefahr, dass auf einer Seite ein Teil des Schutzhauses abgerissen werden müsste, gab Bürgermeister Asam zu bedenken.

Johannes Jais

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