»Das ist für uns Neuland«

Peiting und die Musikschule Pfaffenwinkel 

Musikschule Pfaffenwinkel Peiting Beitritt Gemeinderat
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Marcus Graf (2. v. rechts), Leiter der Musikschule Pfaffenwinkel, und Dr. Erwin Krauthauf (rechts) vom Förderverein im Gemeinderat.
  • VonJohannes Jais
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Peiting – „Das ist für uns Neuland.“ Diesen Satz nahm Marcus Graf, Leiter der Musikschule Pfaffenwinkel in Schongau, in den Mund. Er beschrieb damit die besondere Situation, dass mit Peiting gleichsam „eine ganze Gemeinde“ den Auftrag erteile, künftig den Musik­unterricht für Kinder und Jugendliche aus dem Markt mit zu übernehmen. 

Wie berichtet, haben die Gemeinderäte Ende Juli mit 17:7 Stimmen den „Abschluss einer Zweckvereinbarung“ befürwortet. Damit tritt Peiting der Musikschule Pfaffenwinkel bei, die ihren Sitz in Schongau hat. Der Zuschuss an den Förderverein „Musik in Peiting“, in dem die freiberuflichen Musiklehrer organisiert sind, wird heuer letztmals ausbezahlt (29.000 Euro). Auf der anderen Seite werden aus der Kasse der Marktgemeinde 25.000 an die Musikschule Pfaffenwinkel überwiesen. Ab 2022 werden es jährlich 50.000 Euro sein. Dieser Betrag wird zunächst auf die Dauer von fünf Jahren gewährt.

Alexander Schnackenberg, Vorsitzender beim Verein „Musik in Peiting“, sagte am Mittwoch auf Anfrage des Kreisboten, er hätte sich eine längere Übergangsphase vorgestellt. Die Details seien nie ausdiskutiert worden. Als Beispiel nannte er die Frage, wie bei Jugendlichen verfahren wird, die fünf Jahre in Peiting Unterricht haben und nach 2022 z.B. noch ein oder zwei Jahre dranhängen möchten, ohne den Lehrer zu wechseln.

Schnackenberg kündigte an, dass im Herbst eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen wird. Dort werde er die Auflösung des Fördervereins vorschlagen. Dafür brauche es drei Viertel aller Stimmen. Eine Kündigung seitens der Eltern, deren Kinder jetzt noch Musikunterricht bei den Peitinger Musiklehrern haben, sei nicht erforderlich.

Schnackenberg bestätigte, dass der bisherige Koordinator Andreas Fuchs diese Aufgabe Ende August gekündigt hat. Fuchs gehöre ebenso wie Wilhelm Binder oder Daniela Schnackenberg zu dem Dutzend an Musiklehrern, die nicht nach Schongau zur Musikschule Pfaffenwinkel gehen, sondern weiter freiberuflich Stunden für knapp 150 Buben und Mädchen in Peiting geben. Drei Lehrkräfte, die bisher sowohl an der Musikschule Pfaffenwinkel als auch zusätzlich freiberuflich in Peiting gearbeitet haben, würden ihre Schüler nach Schongau mitnehmen.

Marcus Graf schilderte in der Schloßberghalle vor den Marktgemeinderäten, die Reaktionen würden von Begeisterung bis zur Ablehnung reichen, wenn er persönlich oder am Telefon mit den bisher in Peiting tätigen Musiklehrern über eine Anstellung an der Musikschule Pfaffenwinkel rede. Man müsse Verständnis aufbringen, wenn ein Lehrer etwa 35 Jahre selbstständig sei, kurz vor der Rente stünde und sich die Frage stelle, ob er sich das noch antun möchte, innerhalb der Musikschule als angestellte Fachkraft zu unterrichten. Im Schnelldurchgang stellte Graf das Angebot der Musikschule Pfaffenwinkel vor, wo über 700 Kinder und Jugendliche am Instrument, in Ensembles oder im Gesang ausgebildet werden.

Es reicht von der Minimusik, der Früherziehung, der musikalischen Grundausbildung und den Perkussionsklassen über zahlreiche Instrumental- und Vokalfächer bis zu den Ensembles, die kostenfrei seien. Ergänzend seien Fächer wie Theorie und Gehörbildung, oder Förderklassen für sehr gute Nachwuchsmusiker zu nennen, um diese auf ein Additum fürs Abitur oder auf ein Musikstudium vorzubereiten. Kooperationen bestünden mit 14 Kindergärten, sechs Schulen und elf Musikkapellen. Da wolle man künftig auch die Zusammenarbeit mit der Knappschaftskapelle Peiting forcieren.

Die Anregung der Gemeinderätin Claudia Steindorf (SPD), einen Elternabend anzubieten, nahm Graf positiv auf – zusätzlich zu einem Tag der offenen Tür. Thomas Elste (Grüne) fragte zu Vergünstigungen bei Kindern aus sozial schwachen Haushalten nach. Graf verwies auf die Ermäßigung in Bläserklassen und auf die kostenfreien Ensembles für alle, die ein Instrument erlernen.

Norbert Merk (CSU) meinte, er wolle sich nicht in Kritik am bisherigen System üben. Aber so eine Musikschule sei weit mehr als die Koordination einzelner Lehrer. Herbert Salzmann (SPD) resümierte zur Darstellung Grafs: „Das hat sich für mich sehr erschlossen“. Die Informationen seien für ihn Bestätigung, dass die Entscheidung Peitings zur Kooperation mit der Musikschule richtig sei. Dagegen hatte Tobias Eding (SPD), Tischnachbar von Salzmann und Kritiker des neu eingeschlagenen Weges, seine Meinung (diesmal) für sich behalten.

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