»Die Ärmel hochkrempeln«

Vorsitzende Claudia Steindorf über den SPD-Ortsverein und die Fraktion

Claudia Steindorf, die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Peiting
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Claudia Steindorf, die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Peiting.

Peiting – „Nach vorne blicken, die Ärmel hochkrempeln und weiter gute Politik für Peiting machen“: Dazu ruft SPD-Ortsvorsitzende Claudia Steindorf auf. Die 41-Jährige ist auf der Jahresversammlung in ihrem Amt bestätigt worden, das sie seit 2016 innehat. Im Interview beantwortet sie die Fragen unserer Redaktion und verrät nebenbei, wann und wo sie die Tüte Popcorn vermisst.

Wo steht die Peitinger SPD?
Steindorf: „Mit derzeit 79 Mitgliedern stehen wir ganz gut da. Wie in anderen Vereinen auch sind in Zeiten von Corona auch unsere Tätigkeiten stark zurückgegangen. Bis auf das Ferienprogramm und die kürzliche Jahresversammlung ist unser aktiver Ortsverein momentan ein bisschen im Dornröschenschlaf. Unsere traditionellen und sehr beliebten Flohmärkte haben wir dieses Jahr abgesagt. Aber wir hoffen, dass wir im Frühjahr wieder am Eisstadion sein können.“

Und wo steht die Fraktion?
Steindorf: „Was die Fraktion betrifft, haben wir anstatt sieben nur noch fünf Sitze. Aber Jammern hilft nichts. Jetzt muss man nach vorne blicken, die Ärmel hochkrempeln und weiter gute Politik für Peiting machen. Immerhin stellen wir mit Gunnar Prielmeier den zweiten Bürgermeister. Ich glaube, da haben nicht nur wir uns gefreut, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger.“

Wofür steht die Peitinger SPD?
Steindorf: „Seit mittlerweile hundert Jahren stehen wir für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit. Ich denke die SPD-Fraktion und auch unser ehemaliger Bürgermeister haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten gute Politik im Marktgemeinderat in Peiting gemacht. An diese Erfolge wollen wir in der Peitinger SPD anknüpfen. Gleichzeitig wollen wir auch unsere Mitbürger ermutigen sich politisch zu engagieren und mitzumachen und mit uns zu diskutieren. In punkto Bürgerdialog ist Vieles im Wahlkampf gemacht worden, beispielsweise beim Markt der Ideen oder bei der Infoveranstaltung zum Thema JUZE. Diesen offenen Diskurs möchten wir weiterhin beibehalten.“

Was sind Ihre Eindrücke im Gemeinderat, dem sie seit Mai angehören?
Steindorf: „Während des Wahlkampfes war die Stimmung sehr aufgeheizt. Nach dem anfänglichen Beschnuppern im neuen Gremium ist die Stimmung recht gut, und es kehrt langsam wieder Ruhe ein. Für jemand neuen wie mich muss man sich natürlich erstmal in die Arbeit reinfinden, sprich die Unterlagen durcharbeiten, Fraktionssitzung besuchen und dann die Sitzung des Marktgemeinderates. Viel Arbeit, aber mir gefällt das. Man erfährt immer wieder neue Dinge, und auch in der Diskussion bekommt man oft eine andere Sichtweise zu einem Thema. Am besten gefallen mir die Wortgefechte einzelner Gemeinderäte, der verbale Schlagabtausch ist dann schon mal großes Kino. Da fehlt dann nur noch die Tüte Popcorn.“

Wie ist das Verhältnis zu Bürgermeister Ostenrieder?
Steindorf: „Mein Verhältnis zum Bürgermeister würde ich als kollegial bezeichnen. Eineinhalb Jahre Wahlkampf lassen sich nicht einfach wegknipsen. Dass Bürgermeister Ostenrieder sich bei mir immer noch in der Probezeit befindet, ist sicher nachvollziehbar und verständlich. Ich habe kurz nach der Wahl gesagt, ich wünsche mir einen Bürgermeister für alle und nicht einen für eine bestimmte Farbe. Was ich bisher gesehen habe: Er bemüht sich, dieser Rolle gerecht zu werden. Und er versucht, ein bürgernaher Ansprechpartner zu sein. Sechs Jahre sind eine lange Zeit; warten wir also ab, wie sich alles weiterentwickelt.“

Und wie kommen Sie mit Christian Lory klar, der aus der SPD austrat und die Unabhängigen mitbegründet hat?
Steindorf: „Ich sehe ihn genauso wie andere Gemeinderatsmitglieder aus anderen Fraktionen. Der Wahlkampf ist vorbei.“

Bei welchen Themen kann künftig vor Ort die soziale Handschrift der SPD ihren Ausdruck finden? Bei wichtigen Themen scheint es ja eine große Koalition von CSU und SPD zu geben, wenn wir an den Marienheim-Neubau oder die Baumarkt-Ansiedlung denken.
Steindorf: „Mit dem Begriff der großen Koalition ist ja nun schon ein paar Mal gespielt worden. Grundsätzlich muss man natürlich für seine Ziele Mehrheiten finden. Ich denke man sollte im Marktgemeinderat gute Politik für Peiting machen, und das sollte unabhängig von einer bestimmten Farbe sein. Wenn ein gutes Argument vorgebracht wird, warum sollte es nicht auch entscheidend für die spätere Abstimmung sein, egal aus welcher Richtung es kommt? Was die beiden großen Themen angeht, waren wir uns mit der CSU erstaunlicherweise einig.“

Wird das auch künftig der Fall sein?
Steindorf: „Das wird zukünftig sicher nicht immer so sein. Einige Abstimmungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass das Ergebnis manchmal doch überraschend anders ausfällt. Wir haben in der SPD Fraktion noch vieles vor. In unserem Wahlprogramm stecken viele Ideen von den Bürgerinnen und Bürgern, die wir in unsere Arbeit im Gemeinderat einfließen lassen wollen. Lassen Sie sich überraschen.“

Zur Jahresversammlung kam auch Bürgermeisterkandidatin Annette Luckner, die in der Stichwahl mit 44 zu 56 Prozent Peter Ostenrieder (CSU) unterlag. Woran hat’s gelegen, dass es am Ende trotz eines intensiven Wahlkampfs nicht gereicht hat?
Steindorf: „Ich glaube, als Gründe könnte man viele verschiedene Sachen aufzählen. Die heißen Wahlkampfthemen Marienheim, V-Baumarkt, die angeheizte Stimmung, dass Politik hinter verschlossenen Türen gemacht werde, offene Kritik an den Marktgemeinderäten und dem ehemaligen Bürgermeister, Corona, Annette ist eine Auswärtige, die Sache mit der öffentlichen Distanzierung von unserem Flugblatt von Michael Asam, der Streit derSPD Schongau mit Daniel Blum und die Entgleisung unseres Landratskandidaten Alexander Majarus kurz vor der Wahl. Was es genau war, kann ich wirklich nicht sagen, wir haben jedenfalls alles gegeben. 44 Prozent war trotzdem ein tolles Ergebnis für uns, auch wenn es am Ende nicht ganz gereicht hat.“

Interview: Johannes Jais

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