Zweimal 40 statt einmal 75

Neue Pläne für Flüchtlingsunterkunft in Peiting

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Das Grundstück an der Ecke Erlachstraße/Kohlenstraße ist im Besitz der Katholischen Kirche. Ab Herbst soll hier eine Unterkunft für 40 Asylbewerber entstehen.

Peiting – Das Vorhaben hatte zu großen Protesten der Anwohner geführt: Ende Januar war bekannt geworden, dass der Landkreis auf einem Grundstück der katholischen Kirche an der Erlachstraße in Peiting 75 Asylbewerber in Wohncontainern unterbringen will. Jetzt zeichnet sich ein Kompromiss ab: Die Zahl der Flüchtlinge soll auf 40 begrenzt werden. Gleichzeitig stellt die Gemeinde ein weiteres Grundstück an der Jägerstraße zur Verfügung, auf dem ebenfalls eine Unterkunft für 40 Asylsuchende installiert werden soll.

Die Situation ist angespannt. Immer mehr Flüchtlinge kommen in Bayern an. Die Erstaufnahme-Einrichtungen sind längst überfüllt. Die Asylsuchenden werden deshalb auf die Landkreise verteilt. Doch auch hier tut man sich schwer mit der Unterbringung. Rund 20 Flüchtlinge kommen aktuell im Landkreis Weilheim-Schongau pro Woche an – Tendenz steigend. 

Peitings Bürgermeister Michael Asam weiß, dass auch seine Gemeinde ihr Scherflein dazu beitragen muss, wenn es darum geht, die wachsende Zahl an Asylbewerbern unterzubringen. Bis zu einem Prozent der eigenen Bevölkerung soll jede Kommune aufnehmen, lautet der Richtwert. 21 leben bereits in der Marktgemeinde, sie sind dezentral in Wohnungen untergebracht – für Asam die beste Option. 

Doch Vermieter sind rar gesät. Das musste auch Kämmerer Christian Hollrieder feststellen. Er habe in den vergangenen Monaten viele Eigentümer persönlich angespro-chen, jedoch fast nur Absagen erhalten, erklärt er. Im Landratsamt hat man deshalb zuletzt einen anderen Weg verfolgt. 

Im Januar wurde bekannt, dass die katholische Kirche ihr Grundstück an der Erlachstraße dem Landkreis für eine Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung stellen würde. Geplant war, dass dort 75 Flüchtlinge in Wohn-Containern unterkommen. Für die Anwohner zu viel des Guten. Sie protestierten – offenbar mit Erfolg. Denn nach vielen Gesprächen zeichnet sich jetzt ein Kompromiss ab, der, so findet Asam, für alle tragbar sei. 

Statt 75 sollen an der Erlachstraße auf Kirchengrund nur noch maximal 40 Asylbewerber eine vorübergehende Heimat finden. Dafür stellt die Gemeinde ein weiteres Grundstück an der Jägerstraße Ecke Uhrerskreuzweg zur Verfügung, auf dem ebenfalls eine Unterkunft für bis zu 40 Flüchtlinge entstehen soll. Bei den Anwohnern der Erlachstraße sei die neue Planung gut angekommen, sagt Asam, der die Betroffenen Ende vergangener Woche über die Ergebnisse der Beratungen im Gemeinderat unterrichtete. 

Beigetragen dazu dürfte auch haben, dass die Unterkunft sich in die gewachsene Wohngegend einfügen soll. „Es wird kein billiger Container, sondern ein vernünftiges Gebäude werden“, verspricht der Bürgermeister. Ausgeschrieben wer-den demnach zwei Varianten, einmal ein Gebäude in Holzständerbauweise und alternativ Wohn-Container mit einer Verkleidung. Gleiches gilt für die Jägerstraße. 

Der Bau in der Erlachstraße soll zudem nicht direkt an der Straße entstehen. Der so gewonnene Platz könne für Fahrradstellplätze und andere Infrastruktur genutzt werden, erklärt Asam. Die Aufteilung auf zwei Standorte hält der Gemeindechef für den richtigen Weg. „Was bei größeren Einrichtungen passieren kann, zeigt ja das Beispiel Wildsteig“, so Asam. 

Da die beiden geplanten Gebäude aber trotz räumlicher Trennung offiziell als eine Gemeinschaftsunterkunft zählen, steht der Marktgemeinde die in diesem Fall übliche Betreuung durch drei hauptamtliche Kräfte zu – ein wichtiges Detail. Asam rechnet damit, dass das Landratsamt schon im Juni die nötigen Baugenehmigungen bei der Gemeinde beantragen wird. „Ich gehe davon aus, dass im Herbst gebaut wird.“ Die nötige Bauzeit schätzt er auf vier Wochen. Ausgelegt sind die Unterkünfte vorerst für zehn Jahre. 

Mit den zusätzlich 80 Asylbewerbern sieht der Bürgermeister die Grenze der Belastbarkeit seiner Gemeinde erreicht. „Wir erfüllen damit die geforderte Quote.“ Betreut werden sollen die Neuankömmlinge vom Helferkreis Asyl. Auch die Anwohner hätten sich bereit erklärt, sich einbringen zu wollen – eine Ankündigung, die Asam besonders freut. 

Info-Veranstaltung am kommenden Mittwoch 

Am Mittwoch will der Gemeindechef die Bürger persönlich über die neue Situation informieren. Beginn der Veranstaltung im Sparkassensaal ist um 19 Uhr.

Christoph Peters

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