Was gut ist und wo Verbesserungsbedarf besteht

Peitinger »Alltagsexperten« schildern ihre Radl-Erfahrungen

Elias Völk
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Elias Völk

Peiting – Die Aktion Stadtradeln, aber noch mehr den aktuellen Fahrradklima-Test, an dem sich Peiting beteiligt (Online-Befragung), nimmt die Redaktion zum Anlass, „Alltagsexperten“ zu ihren eigenen Rad-Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen. Unser freier Mitarbeiter Johannes Jais hat für den Kreisboten bei drei Frauen und zwei Männern aus Peiting und Birkland nachgefragt, was sie gut finden und wo sie Verbesserungsbedarf sehen. 

Eine gefährliche Kurve

Fangen wir bei unseren fünf Radler-Erfahrungen in Birkland an. Elias Völk, der gleich drei Räder nutzt (ein Mountainbike, ein Rennrad und ein älteres Vehikel) findet den Radweg durch das Dorf „super“. Die Verbindung vom Feuerwehrhaus bis hinauf zur Kirche St. Anna würde von Heimischen und Ausflüglern gut genutzt, findet der 18-Jährige, der zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.

Kritisch sieht er im Dorf die enge Kurve Richtung Apfeldorf. Da kämen Autofahrer zu schnell daher und würden manchmal die Kurve schneiden. Von Birkland nach Peiting sei noch keine ordentliche Verbindung da. Völk meint, da könne man durch einen Ausbau der Waldwege was voranbringen. Besonders gefährlich sei die scharfe Rechtskurve am Tränkberg, wo jetzt auf der Staatsstraße Tempo 50 angeordnet ist.

Ein echter Fortschritt wäre es, wenn im Süden Birklands der Radweg verlängert werden könnte. Am Biberacher Berg sei es in der Kurve doch gefährlich. „Der Verkehrsspiegel verleiht da nicht die Sicherheit“, sagt Elias Völk.

Auf dem Weg nach Herzogsägmühle

Regelmäßig fährt Stefanie Kalin aus Peiting mit dem Rad zur Arbeit nach Herzogsägmühle und wieder zurück. Die 39-Jährige, die vor einigen Jahren aus Niedersachsen nach Peiting zog und am Kleberweg wohnt, ist die stellvertretende Leiterin im Mühlenmarkt in Herzogsägmühle.

Stefanie Kalin

Mit ihrem E-Bike unternimmt sie manchmal sogar Touren von Peiting bis zum Ammersee und um den Starnberger See. Stefanie Kalin ist heuer bei der Aktion Stadtradeln wiederum Team-Captain für die Teilnehmenden aus Herzogsägmühle.

In Peiting könne man mit dem Drahtesel im Alltag vieles gut erledigen, findet Stefanie Kalin. Wenn sie zur Arbeit radelt, meidet sie die Wanderhofstraße hinunter nach Herzogsägmühle: „Da hält sich keiner an die Geschwindigkeitsbegrenzung“.

Sie nutzt den Radweg von Peiting Richtung Schongau bis zur Dießener Straße und schwenkt dann nach rechts, wo westlich der Staatsstraße ein schmaler Radweg nach Herzogsägmühle führt.

Dort hat sie wegen durchdrückender Baumwurzeln schon Schlaglöcher oder Hebungen auf dem Asphalt ausgemacht. Auch würden einige Büsche zu weit hereinragen. Der Weg sei schmal; käme jemand zu Fuß oder mit dem Rad entgegen, müsse einer auf den Grünstreifen ausweichen. Am nördlichen Ortsende von Peiting wäre es eine Hilfe, wenn am Radweg Richtung Schongau die grüne Hecke gestutzt werden könnte, meint Stefanie Kalin.

An Engstelle vorbei

„Da komm ich immer vorbei“, schildert Theda Smith-Eberle und meint das Nadelöhr auf der Poststraße vor dem Schuhgeschäft Haslauer. Sie arbeitet im Peitinger Rathaus im Personalbüro der Hauptverwaltung und koordiniert die Aktion „Stadtradeln“.

Theda Smith-Eberle wohnt am Eiselenweg (zwischen Bahnübergang und Kurve vor dem Eisstadion). Zur Arbeit hat sie 750 Meter.

Allgemein sei man mit dem Rad in Peiting gut unterwegs, findet sie. Die Engstelle beim Haslauer sei kritisch. Aber dort sei noch nie ein Radlunfall passiert, weiß dazu auch der Seniorchef aus dem Schuhgeschäft zu berichten.

Theda Smith-Eberle

Gewöhnungsbedürftig findet Theda Smith-Eberle, wenn sie zum Beispiel zum V-Markt unterwegs ist, dass der markierte Streifen für Radler am Rand der Ammergauer Straße vor der leichten Steigung auf einmal aufhört. Auch ortseinwärts sei das mit der Markierung nicht sofort zu erfassen.

Fast alles per Rad

Eine, die in puncto Fortbewegung stark aufs Rad setzt, ist Constanze Lory. Die 35-Jährige, die mit ihrem Mann und den fünf- beziehungsweise zweijährigen Töchtern im südlichen Bachfeld wohnt, bringt die Mädchen per Rad – meist mit Anhänger – zum Kindergarten am Rathaus und holt sie nachmittags wieder ab.

Constanze Lory

Selbst radelt Constanze Lory häufig zur Arbeit nach Peißenberg, wo sie in einem Ingenieurbüro angestellt ist. Auf dem Rückweg, wo es lang bergauf geht, kann sie so richtig auspowern. Dabei nutzt sie typische Radwege; nur in Hohenpeißenberg ist sie zwischendurch auf der Durchgangsstraße unterwegs.

Wo Constanze Lory Verbesserungsvorschläge hat? Entlang der Schongauer Straße würde der Radweg ortsauswärts bis zum Rewe-Markt nach rechts abfallen; dies sei insbesondere dann schwierig, wenn sie hinten einen Anhänger mitziehe. Der Radweg habe dort „Schief­lage“. Auch sei es eine kritische Situation, wenn man – von der Bachstraße kommend – nach links Richtung Feneberg-Markt oder hinauf zur Poststraße abbiegen wolle. Was Constanze Lory auch noch anspricht, ist der viele Verkehr auf der Bahnhofstraße, wo Tempo 50 erlaubt ist und auch mehrere Lkw unterwegs seien.

Mehr Stellplätze

Ein überzeugter Radler ist das Jahr über in der Freizeit und im Alltag, auch auf den Hohen Peißenberg zum Arbeitsplatz beim Deutschen Wetterdienst hinauf, Thomas Elste aus Peiting. Im Winter ist er sogar mit Spikes unterwegs – „das Beste für Gesundheit und Klima“, bekundet der 53-jährige Gemeinderat.

Peiting ist aus Elstes Sicht „ein fast idealer Ort, alle Alltagserledigungen und Freizeitaktivitäten komplett mit dem Rad zu erledigen“. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sei Peiting relativ flach und daher mit wenig Anstrengungen für alle Altersgruppen mit oder ohne E-Motor gut zu schaffen.

Einkäufe ließen sich im Ortskern gut mit Satteltaschen und Gepäckträger oder Anhänger bestreiten – auch bei Regenwetter.

Allerdings finde man häufig zu viel Autoparkflächen und zu wenig Radstellplätze, obwohl Räder viel weniger Platz bräuchten.

Thomas Elste

An den ehemaligen innerörtlichen Bundesstraßen würden die markierten Randstreifen nur bedingt zur Sicherheit beitragen; mitunter seien sie von Autos blockiert. Abgesehen von dem beleuchteten Radweg nach Schongau sei es nicht so ganz einfach, das Rad auch überörtlich zur täglichen Fahrt zur Arbeit oder in der Freizeit zu nutzen. Ausgeschilderte Radwege führten vereinzelt über schlecht gepflegte Wege.

Auf Schwachstellen im Radverkehr angesprochen, listet Elste eine Reihe von Punkten auf. Zuerst sichere Stellplätze in ausreichender Zahl an den Bahnhöfen Nord und Ost, am Hauptplatz, beim Feneberg, am Bio-Markt, an der Mittelschule, beim neuen Fußballplatz und an den Friedhöfen. Zweitens erwähnt er den Radweg nach Kurzenried bis Lamprecht, die Verbindung nach Hohenpeißenberg über Hausen (schlechter Weg nördlich Hirtenwiesenfilz) und Herzogsägmühle sowie den Randstreifen an der Schönriedl­straße.

Wünschenswert sei mehr Sicherheit am Loamer Stichl (Stichwort Tunnelröhre) für die Schulverbindung nach Schongau auf dem Radweg. Ein weiteres Anliegen des Grünen-Gemeinderates: Tempo 30 im gesamten Ortsgebiet von Peiting. Freistraße und Bahnhofstraße könnten zusammen mit Bach- und Poststraße mal eine Fahrradstraße sein.

Was Elste bedauert: Der Landkreis habe zwar zusammen mit den Kommunen eine inner- und überörtliche Radwegeplanung aufgestellt. „Umgesetzt wurde bisher wenig.“

Johannes Jais

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