Freund und Gegner mit unterschiedlichen Ansichten

Biber-Verdruss in Peiting

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Am Gumpen in Peiting. Auch dort hat der Biber „ganze Arbeit“ geleistet. Der angenagte Baum rechts ist mit einem Mattenzaun versehen worden.

Peiting – Die einen schimpfen über die Zunahme der Biber, die anderen – vor allem Naturschützer – sehen das ganz anders: Kontrovers wird die Population des Nagers bewertet. In Peiting spricht Bauhofleiter Franz Multerer angesichts der Schäden an vielen Bäumen gar von einem „Fass ohne Boden“.

Gerhardt Beyer, beim Bund Naturschutz in der Ortsgruppe Peiting/Schongau aktiv, sagt, die Biber „machen elementare Arbeit“. Gut zu erkennen im Schwarzlaichmoor, wo die Ortsgruppe Maßnahmen zur Renaturierung vornimmt. Dort sei seit einem halben Jahr auch ein Biber zu Hause, der als kräftiger Nager Baumstämme zu Fall bringe und einen Damm angelegt habe.

Dorthin muss das Tier vom Lech beziehungsweise Mühlbach gewässeraufwärts über den Seebach in den Schwarzlaichbach gelangt sein. Der Biber leiste „Unterstützung für unsere Arbeit“, schildert Beyer und meint damit die Vernässung.

Biber suchen auch woanders ein Quartier. Davon weiß Gerhard Habersetzer vom Marktbauamt zu berichten. Vom Gumpen mitten in Peiting seien sie die Peitnach aufwärts geschwommen, hätten am Deutensee einen Damm gebaut, wo der Fischereiverein mit Eisenmatten und Steinverbau dazu beitrage, dass nicht so viele Bäume ange­nagt oder gefällt werden.

Er weiß, dass die Zunahme der Biber vielerorts ein aktuelles Thema ist. Multerer plädiert für eine Gesetzesänderung auf EU-Ebene, damit das Nagetier und Dammbauer nicht mehr unter Artenschutz steht. Bislang könne man Bäume nur einzäunen und nur so bewirken, dass Biber mit ihren scharfen Zähnen nicht mehr zubeißen können.

"Nicht flächendeckend"

Punktuell, „aber nicht flächendeckend“ seien im Landkreis die Klagen über die Biber-Population und -Schäden. Das berichtet Hubert Wagner vom Sachbereich Natur und Umweltschutz am Landratsamt Weilheim-Schongau. Belastbare Zahlen zur Häufigkeit des Bibers gebe es nicht; eine Kartierung werde nicht vorgenommen.

Eine Zunahme sei nicht zu verleugnen, weiß Wagner auch aus Gesprächen mit den drei Biberberatern im Landkreis. Da sei man wohl noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.

Norbert Weigl, ebenfalls im Sachbereich Natur- und Umweltschutz tätig, erklärt im Gespräch mit dem Kreisboten, dass nur gewerblich tätige Land- und Forstwirte Anspruch auf Entschädigungen hätten; dies sei so im Leitfaden „Biberschäden“ geregelt. Städte und Gemeinden, aber auch Privatleute könnten keinen Anspruch auf Entschädigungszahlungen vorbringen.

Die Maßnahme, einen Biber notfalls umzusiedeln, wird laut Weigl nicht mehr verfolgt. Dazu ist die Population des Nagers inzwischen in vielen Gewässern so angewachsen, dass es so gut wie keine freien Reviere mehr gibt. In außergewöhnlich starken Schadensfällen, zum Beispiel bei einer Teichwirtschaft, müsse eine „Entnahme“ überlegt werden. Dabei sei auf jeden Fall der Revierinhaber (Jäger) zu beteiligen. In solchen Einzelfällen werde das Tier erschossen.

Weigl erinnert sich noch dran, dass am Gumpen in Peiting, wo die Schäden offensichtlich sind, mal eine Falle gestellt wurde. Doch der Biber, der meist in der Dämmerung und nachts aktiv ist, ging nicht rein. Er sollte damals umgesiedelt werden. 

jj

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