»Wahnsinniges geleistet«

Peitinger Bürgermeister wünscht sich Solidarität mit den Kliniken

Als Mitglied im Aufsichtsrat des Krankenhauses schilderte Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder seine Sicht.
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Als Mitglied im Aufsichtsrat des Krankenhauses schilderte Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder seine Sicht.

Peiting – Im Rahmen der jüngsten Marktgemeinderatssitzung in Peiting hat sich nun auch Bürgermeister Peter Ostenrieder zur Lage am Schongauer Krankenhaus geäußert. Als Mitglied des Aufsichtsrates hatte er sich zuvor die Erlaubnis geholt, öffentlich und vor dem Gremium Stellung zu beziehen. Gleich vorneweg betonte er, hinter den Entscheidungen der Geschäftsführung zu stehen.

Als unter Tagespunkt 6 mit Dr. Günter Franz (Grüne) ein Mediziner die Frage nach dem Stand im Krankenhaus an Bürgermeister Peter Ostenrieder richtete, wurde es still im Sitzungssaal. Die Betroffenheit ob der Situation war dem Gremium anzumerken. Tatsächlich sollte sich zeigen, dass Ostenrieder, der zudem als Aufsichtsratsmitglied der Krankenhaus GmbH fungiert, mit einer Anfrage an diesem Abend wohl gerechnet hatte. Denn er hatte sich, wie er selbst bestätigte, vorab Erlaubnis geholt, ein eigenes Statement abgeben zu dürfen.

Noch einmal stellte Ostenrieder dazu den chronologischen Verlauf der Covid-Erkrankungen im Krankenhaus Schongau dar (wir berichteten), bekräftigte dabei auch sein Entsetzen da­rüber, dass es zu Todesfällen gekommen sei. Dass nun ausgerechnet das Schongauer Krankenhaus bundesweit als erstes überhaupt hatte schließen müssen, sei ebenfalls etwas, das verkraftet werden müsse. Ebenso, wie es „durch die Medien getrieben“ werde.

Als nun vor wenigen Wochen alle Mitarbeiter erneut getestet worden waren, hatte sich die Situation rasant verschärft. „Viele waren zwar positiv, hatten aber keinerlei Symptome“, sagte Ostenrieder. Der Infektionsherd in Schongau sei damit größer als in Weilheim gewesen, „auch Patienten haben sich infiziert“. Doch weder die Pflegekräfte, die Ärzteschaft, noch die Geschäftsleitung hätten Regeln missachtet, die zur Pandemie-Bekämpfung aufgelegt worden waren.

Im Gegenteil, wie Ostenrieder bestätigte, hätten alle Mitarbeiter „Wahnsinniges geleistet, um alle Anforderungen dazu zu erfüllen“. Es habe „ganz klare Regeln und strenge Weisungen gegeben, die umzusetzen waren“. Die galten stets im Rahmen der Dienstzeit. Zudem hätten sich alle Mitarbeiter, wenn sie nicht im Krankenhaus tätig waren, nach Dienstschluss in häusliche Quarantäne begeben. „Aber alle haben auch ein Privatleben“, sagte er.

Dass nun Mitarbeiter der Krankenhaus GmbH dadurch stigmatisiert würden, „das darf nicht sein“. So sei ihm berichtet worden, dass eine Angestellte ihr Kind nicht hatte zur Kita bringen dürfen, „und das tut weh“, sagte Ostenrieder. Keiner der Mitarbeiter hätte sich etwas zu schulden kommen lassen und könne etwas dafür, dass die Pandemie nun Krankenhäuser reihenweise zur Schließung zwingt.

Entkräften möchte Ostenrieder auch die Vorwürfe, die Geschäftsleitung unter Thomas Lipp­mann hätte die Abschlussfahrt der Pflegeschüler nach Berlin (wir berichteten) trotz der Situation gebilligt. Richtig sei, dass die Klassenfahrt deshalb dort nicht thematisiert worden sei, weil solche Fahrten bis dato nie über die Geschäftsleitung kommuniziert worden seien, „weil es einfach nicht notwendig gewesen war“. Zudem hätte die Fahrt zu einer Zeit stattgefunden, wo alle Reiseverbote aufgehoben gewesen seien. „Anfang Oktober war die Situation eine gänzlich andere als aus heutiger Sicht“, sagte Ostenrieder, und deshalb im Nachhinein „so in Ordnung für uns gewesen“.

Ergänzend schob er nach: „Die ‚Schüler‘ waren natürlich zum Zeitpunkt der Fahrt keine ‚Schüler‘ mehr, sondern seit Frühjahr voll ausgebildete und abgeschlossene Krankenpfleger.“ Eine Klassenfahrt sei das also nicht gewesen – sondern „ein Ausflug von lauter erwachsenen Leuten“, so Ostenrieder.

Richtig sei es für ihn nun auch, die Geburtenstation geschlossen zu halten, „nicht aufgrund eines Vorfalls, sondern aus Gründen der Sicherheit.“ Hier wolle die GmbH sehr sensibel prüfen, ab wann wieder geöffnet werden könne. „Wir spüren den Druck, wieder zu öffnen“, sagte er, doch unter den derzeitigen Bedingungen gehe das nicht. „Wir wären Schuld an jedem positivem Fall.“ Die Geburtenstation werde deshalb als eine der letzten Stationen wieder ans Netz gehen.

Noch bestehe Aufnahmestopp für negativ getestete Patienten, erklärte Ostenrieder weiter, aufgenommen werden können derzeit nur Positive, „die Expertise im Umgang mit ihnen ist da“, sagte er. Ganz wichtig sei das Signal, dass die Krankenhaus GmbH nun selbst auf die Staatsanwaltschaft zugegangen sei, um die Umstände zum Tode einiger Patienten in den letzten Wochen klären zu können. Denn noch sei nicht eindeutig geklärt, ob sie wegen oder mit Corona verstorben seien. Das soll nun durch die Staatsanwaltschaft beurteilt werden.

Abschließend richtete Ostenrieder noch einen Appell an alle Anwesenden, wohl aber auch an die Bürger des Landkreises selbst. „Alle Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung in unseren Häusern sind enorm“, sagte er. „Wenn wir wieder öffnen: Bitte gehen Sie auch wieder in unsere Krankenhäuser!“ Sollte es zur Schließung kommen, wäre das fatal; nicht nur für den Landkreis, „sondern für uns alle“.

Regine Pätz

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