Hochwasserschutz in Peiting

Rückhaltebecken im Süden?

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Die Dimension eines Rückhaltebeckens mit Dammbauwerk bei Kurzenried veranschaulicht.

Peiting – Es ist „ein hochinteressantes, spannendes Thema (Bürgermeister Asam), bei dem aber noch viel Wasser die Peitnach hinunter fließen wird, ehe die Entscheidung über das Wie fällt und ehe mit den Baumaßnahmen begonnen werden kann: Die Rede ist davon, wie Peiting im Fall eines Hochwassers geschützt werden kann. Gilbert Schober vom Ingenieurbüro Steinbacher Consult (Neusäß) hat am Dienstagabend vier Varianten im Gemeinderat vorgestellt. Eines lässt sich wohl schon sagen: Variante 1, die eine Eindeichung an der Peitnach im Dorf genauso vorsieht wie Baumaßnahmen an Brücken, wird wohl eher nicht zum Tragen kommen.

Eher in Betracht kommen wohl drei verschiedene Alternativen, die jeweils Rückhaltebecken vorsehen. Variante 2 ist ein Damm mit einem Rückhaltebecken nahe Kurzenried. Es müsste so dimensioniert sein, dass im Falle eines Hochwassers der Abfluss in die Peitnach auf zehn Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt wird. Dies bedeutet, dass dieses Rückhaltebecken ein Volumen von 220 000 Kubikmeter benötigt. Mit Damm, Durchlass und ökologischen Begleitmaßnahmen kämen die Kosten auf zirka 1,7 Millionen Euro netto, wobei eine staatliche Förderung von knapp zwei Drittel möglich wäre.

Vor- und Nachteile Variante 3, die Diplomingenieur Gilbert Schober den Gemeinderäten vorstellte, ist ein Hochwasserrückhaltebecken im Süden des Hauptortes. Der Damm müsste knapp 500 Meter lang sein. Südlich davon wäre dann ein Volumen von 142 000 Kubikmeter für den Rückstau möglich. Die Kosten betragen dafür knapp zwei Millionen Euro. Vorteil: Das Gelände ist gut geeignet; der Eingriff bleibt überschaubar. Nachteil: Eine spätere Entwicklung in diesem Bereich (z.B. als Baugebiet) ist nicht mehr möglich.

Die Variante 4 besteht aus zwei Rückhaltebecken vor Kurzenried und vor Ortslage. Die Kosten belaufen sich auf 2,36 Millionen Euro. Eine Entscheidung über diese Alternativen ist im Gemeinderat, der sich mit dem Thema bereits Anfang Dezember ausführlich befasst hatte, noch nicht gefallen.

In der Diskussion meinte Gemeinderätin Pankratia Holl (Kurzenried): „I trau mi wetten, dass wir die Grundstücke dafür so nicht kriegen.“ Die Rückhaltebecken mit den fünf Meter hohen Dämmen seien zu groß dimensioniert.

Andreas Barnsteiner gab zu bedenken, dass beim Rückstau Schlamm und Dreck zurückbleiben. „Da möcht‘ i als Bauer nimmer wirtschaften“, fügte er hinzu. Außerdem liegen die Wiesen südlich von Kurzenried in den Wasserschutzzonen 3a und 3b. Da wundere er sich doch, dass dort solche großen Eingriffe möglich seien.

Norbert Merk sprach davon, dass zwischen „Oberliegern und Unterliegern“ abgewogen werden müsse. Er gab zu bedenken, dass inklusive der Entschädigungszahlungen an die Eigentümer der Wiesen wohl bis zu drei Millionen Euro in den Hochwasserschutz fließen werden.

Die Beratung zu dem Thema ging über eineinhalb Stunden. Die Debatte ist aber nicht ausgeufert. Gilbert Schober vom Büro Steinbacher Consult sprach von „einem langen, zum Teil steinigen Weg“. Aber es sei „ein Weg, der dringend eingeschlagen werden muss“.

Das Einzugsgebet der südlichen Peitnach umfasse 51 Quadratkilometer. Bei einem Jahrhundert-Hochwasser kämen da 22,5 Kubikmeter pro Sekunde zusammen. Die Leistungsfähigkeit der Peitnach liege im Abfluss aber bei 14 Kubikmeter je Sekunde. Der Schaden bei einem Jahrhundert-Hochwasser wird in Peiting zirka 1,4 Millionen Euro ausmachen. Diese Summe ergibt sich aus folgender Rechnung: Betroffen sind 27 Hauptgebäude und 33 Nebengebäude. Dabei wird pro Haus ein Schaden von 50 000 Euro angesetzt und für einen Stadel oder Schuppen sind es 3500 Euro.

Johannes Jais

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