Ein halbes Jahrhundert in der Bergwacht:

Ein "Held des Alltags"

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Nicht nur seit fast 50 Jahren in der Bergwacht, sondern auch privat ist Michael Schmid viel im Gebirge unterwegs.

Peiting – Seit fast 50 Jahren gehört Michael Schmid der Bergwacht an. In dieser Zeit erlebte der Peitinger turbulente Zeiten mit vielen Umstrukturierungen. Insgesamt 16 Jahre leitete er die Geschicke der Bergwacht Schongau-Peiting bzw. Steingaden-Peiting und brachte die Organisation Stück für Stück voran. Für dieses Engagement erhielt der 68-Jährige kürzlich von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann die Leistungsauszeichnung in Silber.

Als Michael Schmid vor 48 Jahren in die Bergwacht Schongau-Peiting eintrat, geschah dies aus dem Anreiz heraus, viel in den Bergen unterwegs sein zu können. „Damals ist jeder gute Kletterer in die Bergwacht gegangen“, so der Peitinger im Gespräch mit dem Kreisboten. Die Ausrüstung der Berg­retter damals war spartanisch, einen Alarmpiepser gab es noch nicht. Von dieser anfangs „lockeren Rettungsstruktur“, wie es Schmid nennt, hat sich die Organisation zum professionellen Rettungsdienst entwickelt.

2001 wurde Schmid Bereitschaftsleiter der Bergwacht Schongau-Peiting. Sein Ziel war es vor allem, die Ausbildung zu intensivieren und den Bereitschaftsdienst auszubauen. Mit dem neuen Rettungsdienstgesetz, das acht Jahre später in Kraft trat, änderte sich jedoch einiges für die Bergwachtler. Neben dem Vorteil, dass sich der Bayerische Staat dadurch verpflichtete, die Berg­rettungswachen auszubauen, brachte das neue Gesetz auch Nachteile mit sich. „Wir müssen innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort sein“, beschreibt der Peitinger Bergretter. Doch genau darin liegt das Problem: Von Peiting aus ist das Kenzengebiet, für das die Bergwacht Schongau-Peiting zuständig ist, zu weit entfernt. Ein Umzug nach Steingaden stand also an. Mit viel Eigenleistung haben die Mitglieder dort die Bergrettungswache errichtet, 2012 erfolgte dann auch die namentliche Umbenennung in „Bergrettungswache Steingaden“. Ferner gibt es noch einen Stützpunkt in Peiting bei der Feuerwehr, wo auch die Ausbildungen durchgeführt werden.

Doch schnell stellte sich heraus, dass man die Rettungswache vergrößern muss. Zu anfangs einem einzigen Fahrzeug zum Personentransport, sind im Laufe der Jahre ein Geländewagen als Einsatzfahrzeug und ein Quad für extremes Gelände hinzugekommen. „Das hat nun alles keinen Platz mehr“, sagt der damalige Bereitschaftsleiter.

Aber auch die Ansprüche an die Bergretter sind extrem hoch: Sie müssen fit in Erster Hilfe sein, Sommer wie Winter. Ein Anwärter muss daher 100 Stunden Notfallmedizin-Ausbildung absolvieren. Dazu kommt natürlich noch, dass der Retter gut Skifahren und klettern kann. Hubschraubertraining steht für die Aktiven außerdem jedes Jahr auf dem Programm.

Zu den Aufgaben gehört der Vorsorgedienst auf der Bergwachthütte Kenzen an den Wochenenden im Sommer. Im Winter steht der Vorsorgedienst im Skigebiet am Buchenberg an. Auch unter der Woche haben jeweils fünf Bergretter ständige Rufbereitschaft über Alarmpiepser. „Die Latte hängt hoch“, sagt Schmid. Hinzu kommt, dass die Retter den Großteil ihrer Ausrüstung privat mitbringen müssen. „Wir versuchen aber schon hier und da mal einen Zuschuss aus dem Erlös der Altpapiersammlung zu geben“, sagt Schmid.

Trotzdem kann sich die Bergwacht Steingaden-Peiting nicht über Nachwuchssorgen beschweren: Aktuell hat die Organisation rund 72 Mitglieder. „Darunter sind sehr viele Junge und Aktive“, so der 68-Jährige. Die müsse man natürlich bei den ganzen Anforderungen und den relativ wenigen Einsätzen – pro Jahr sind es zwischen 30 und 40 – bei der Stange halten. Aber auch viele ältere sind noch aktiv dabei, machen den Vorsorgedienst oder übernehmen die Einsatzkoordination. „Bei uns weiß jeder, wie fit der andere ist und was man sich gegenseitig zutrauen kann“, so Schmid.

Im März diesen Jahres hat der Peitinger nach 14 Jahren als Bereitschaftsleiter und zwei Jahren als stellvertretender Bereitschaftsleiter an Josef Schleich übergeben. Der Bergwacht wird er aber weiterhin treu bleiben.

Für sein Engagement hat Michael Schmid Anfang Oktober außerdem die Leistungsauszeichnung in Silber von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erhalten. „Die Bergwacht-Helfer sind 365 Tage im Jahr, Tag und Nacht, selbstlos und ehrenamtlich für ihre Mitmenschen da – manchmal in auch für sie selbst lebensgefährlichen Situationen“, sagte Herrmann, der ergänzte: „In meinen Augen sind sie wahre Helden des Alltags.“

Astrid Neumann

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