Peitinger Paar feiert eiserne Hochzeit

Seit 65 Jahren verheiratet

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Ursula, 90, und Paul Arndt, 87, sind seit mehr als zwei Generationen unzertrennlich.

Peiting – Sie kam aus dem damaligen Ostpreußen , er aus Westpreußen. Getroffen haben sich Ursula und Paul Arndt allerdings in Schleswig Holstein, in dem Örtchen Kronsmoor bei Itzehoe. Ein gutes Jahr danach wurde geheiratet, das war vor nunmehr 65 Jahren. Jetzt feierte das Paar im Kreise der Familie die Eiserne Hochzeit im Seniorenzentrum in Peiting.

Bis aus Köln und Düsseldorf war die Familie angereist, um mit den Eltern, Oma und Opa und den Urgroßeltern zu feiern. Dass er mal in Bayern leben würde, hätte sich Paul Arndt aber auch nicht träumen lassen, wie er erzählt. Erst vor drei Jahren kam das Paar nach Peiting, ihr Sohn Michael Arndt, ehemaliger Taekwondo Weltmeister, hatte den Umzug arrangiert. Bis dahin allerdings hatten Paul und seine Ursula halb Europa bereist, von Schweden bis nach Spanien, hatten anfänglich in Neuss gelebt und dann in Dortmund, immer der Arbeit folgend. 

Während seine Ursel 1949 als Dolmetscherin für die britischen Truppen arbeitet, kommt ihr Mann aus russischer Kriegsgefangenschaft dorthin, wo auch seine Mutter lebt, nach Kronsmoor. Und bei der Anmeldung auf dem Amt, damals eine Scheune, wie sich Paul Arndt erinnert, sah er sie sitzen, seinen „blonden Engel“, wie er mit Blick auf seine schüchtern schmunzelnde Gattin meint. 

Paul beginnt zu arbeiten, er war mit 16 Jahren schon zum Arbeitsdienst der NS eingezogen worden, und fängt auch wieder an, Fußball zu spielen, zuerst beim VfB Dägeling, dann beim TSV Breitenberg, wo er mittlerweile seit 60 Jahren Vereinsmitglied ist. Seine Gattin macht Zehnkampf, weshalb für beide der nahe Sportplatz in Peiting „dazugehört“. Und noch immer sitzt Paul Arndt auf seinem Trimmrad, hört Musik und hält sich fit. 

Viel erlebt haben die Arndts auch während ihres Arbeitslebens, vor allem Paul. Zunächst arbeitet er an einem der größten Schmelzöfen Europas im Ruhrgebiet, während eines Krankenhausaufenthaltes entdeckt er die Stellenanzeige der Universitätskliniken in Düsseldorf. Gesundheitlich schon etwas mitgenommen, bewirbt er sich nach 20 Jahren als Gießer für den dortigen Wachschutz und wirbt prompt genommen. 

Bis zur Pensionierung, also weitere 20 Jahre, sorgt Paul Arndt nun dafür, dass die Rettungshubschrauber sicher landen können und nimmt auch den einen oder anderen Hochstapler, der sich als Arzt ausgibt, fest.  Sein größtes Abenteuer aber besteht er in der Weihnachtsnacht 1991, kurz vor seiner Pensionierung. 

Damals bricht ein Mann in die Kliniken ein, Arndt steht dem Täter nur mit seinem treuen Schäferhund gegenüber und wird angegriffen. Was der Einbrecher nicht weiß – Sohn Michael hat seinem Vater einige Taekwondo-Griffe beigebracht. Nur eine kleine Narbe zeugt heute noch von dem Vorfall, an dem sich der Rettungsschwimmer und leidenschaftliche Erfinder noch lebhaft erinnert. 

 Fragt man das Ehepaar nach seinem Patentrezept, wie man so lange glücklich zusammenleben kann, meinen beide: „Wir sind zufrieden. Und ein bisschen Humor muss auch sein.“ Ursula Arndt fügt noch an: „Ich frag ihn immer, liebst du mich? Und er sagt ja“. Und Paul bringt ihr jeden Tag das Frühstück ans Bett.

Oliver Sommer

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