Bürgerversammlung in Rottenbuch:

Breitbandversorgung, Nahversorgung und Sanierungen

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Vor allem das Thema Breitbandausbau beschäftigte Bürgermeister Markus Bader in der Bürgerversammlung.

Rottenbuch – Viele Einwohner von Rottenbuch sind der Einladung zur diesjährigen Bürgerversammlung gefolgt – von den 120 Plätzen in der Gemeindehalle waren fast alle Stühle belegt. Auch der Gemeinderat war nahezu vollständig vertreten. Nur die Landrätin Andrea Jochner-Weiß ließ sich diesmal aus Termingründen entschuldigen, was Bürgermeister Markus Bader zu der launigen Bemerkung veranlasste, nun auch mal etwas deutlichere Kritik äußern zu können. Die Versammlung hatte – anders als bei den Terminen zuvor –kein Hauptthema. So konnte der Rathauschef den Bürgern diesmal einen bunten Strauß an Themen präsentieren, von Breitbandausbau über Nahversorgung bis hin zu Sanierungsplanungen.

Ein ganz zentrales Thema ist der Breitbandausbau. Nicht nur, weil er mit rund 500.000 Euro einen erheblichen Kostenblock im Haushalt von Rottenbuch ausmacht, sondern auch, da viele Einwohnern auf eine schnelle Internetverbindung warten.

Bader sparte an dieser Stelle nicht mit Kritik an den widersprüchlichen Signalen aus der Landes- und Bundespolitik. Einerseits wolle man den ländlichen Raum stärken und andererseits lege man Gemeinden, die sich für fortschrittliche Zukunftstechnologien einsetzen, Steine in den Weg. So sei man z.B. von der ursprünglichen Variante des Bayerischen Förderprogramms auf das Bundesprogramm umgestiegen, da „der letzte Meter zum Haus“ im Bayerischen Programm gefehlt hätte. Bader betonte, dass die Entscheidung für die Glasfaser richtig gewesen sei. Diese Technologie, die auf Lichtgeschwindigkeit bei der Übertragung setzt, sei absolut zukunftsorientiert. „Rottenbuch und Böbing sind deutschlandweit ganz vorne dabei“ erklärte der Bürgermeister. Zwar werde der sogenannte Nahbereich im Ortszentrum nicht mit gefördert, da die Geschwindigkeit bereits sehr gut sei. Jedoch werden bei sämtlichen Baumaßnahmen immer gleich Leerrohre mit verlegt, um einen Ausbau in Zukunft zu beschleunigen. Ziel sei es, 600 Haushalte und Unternehmen anzuschließen. Er hofft, dass im Frühjahr 2019 die Freischaltung in die Lichtgeschwindigkeit erfolgen kann und dass sich mindestens 90 Prozent der Anschlussinhaber beteiligen.

Einen Hinweis gab Bader den Bürgern aber noch mit: Das schnelle Internet gebe es nicht kostenlos, da komme es auf die individuellen Verträge mit dem Telekommunikations-Unternehmen an.

Bei der Neuordnung der Wasserversorgung sei es wichtig, dass ein schlüssiges Gesamtkonzept erstellt werde. In der Vergangenheit sei z.B. die Lösch­wasserversorgung nicht richtig mitgeplant gewesen. Vermehrte Brände in jüngster Vergangenheit hätten jedoch die Notwendigkeit aufgezeigt. Der Standort der Hochbehälter werde aktuell geprüft. Auch bei den Kanalsanierungen kommen größere Kosten auf die Bevölkerung zu. Durch die teils erheblichen Schäden besteht dringender Handlungsbedarf. Bader klagte, dass die Gemeinden bei Ausschreibungen teilweise mit exorbitanten Preisen konfrontiert seien. In diesem Fall konnte aber nach einer Neuausschreibung ein Angebot in Höhe der Kostenschätzung erreicht werden.

Am Beispiel der Straßensanierungen erläuterte der Rathaus­chef, dass der Gemeinderat auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eigentümern bedacht sei. So sei die Gemeinde in vielen Fällen rechtlich nicht gezwungen zu zahlen, mache dies aber trotzdem, um historisch bedingte Ungerechtigkeiten auszugleichen. Dabei merkte Bader an, dass in Schönberg regelmäßig ein Teil der Jagdpacht für Wegesanierungen abgezweigt würde und er sich dies auch für Rottenbuch wünschen würde.

Der Bevölkerungswandel und die gesellschaftliche Veränderung führen auch auf dem Land dazu, dass ein Umdenken bei den Bebauungsplänen stattfindet. Am neuen Baugebiet „Klosterblick“ hat sich die Gemeinde bereits im Flächensparen geübt, die Grundstücke sind nur noch zirka 525 Quadratmeter groß, im Vergleich zu früheren Bauplätzen, die noch deutlich über 800 Quadratmetern lagen.

Auch fehlen kleine Wohnungen. So werden sukzessive bestehende Bebauungspläne geprüft, ob hier im Sinne einer Nachverdichtung eine Aufstockung von zwei auf drei Wohneinheiten möglich ist.

Im Rahmen der Dorferneuerung, die von Schönberg aus angestoßen wurde, und bei der sich viele Bürger beteiligt hatten, ist die Gemeinde inzwischen in die Städtebauförderung gewechselt, da dies deutlich schneller und finanziell interessanter funktioniere. Da 2021 das traditionelle Treffen der deutschsprachigen Schönberg-Gemeinden Europas im hiesigen Schönberg stattfinden wird, hofft Bader, dass die Umgestaltung des Dorfplatzes bis 2020 abgeschlossen ist.

Die Gemüter erhitzten sich bei der Diskussion um die Nahversorgung. Einige Bürger sorgen sich um das Ortsbild und das Verwaisen des Ortskerns durch den Bau des geplanten Supermarktes. Einem Ankauf des Fohlenhofs zur Umnutzung, was viele befürworten, erteilte das Gemeindeoberhaupt erneut eine Absage. Er betonte jedoch, dass man grundsätzlich für alle Varianten offen sei. „Ziel ist, nicht mit der Brechstange heranzugehen, sondern Gemeinsamkeiten zu finden“, beteuerte er, „noch ist alles offen“. Der beauftragte Planer wird daher auch nach alternativen Standorten suchen, die außerdem nicht nur die Nahversorgung, sondern auch die Funktionen Bauhof und Feuerwehr betreffen.

Um die Flüchtlingsunterkunft Ammermühle ist es etwas ruhiger geworden, auch wenn es immer mal wieder zu unschönen Zwischenfällen kommt. Dies liege aber auch daran, dass die Bewohner häufig wechseln. Bader appellierte an die Bevölkerung, sich direkt an ihn oder die Gemeinde zu wenden, wenn es Auffälligkeiten gebe. Denn man könne sich nur kümmern, wenn die Fälle bekannt sind, am besten zeitnah „auf frischer Tat“. Der Helferkreis sei inzwischen auf zwei bis drei Personen zusammengeschrumpft. Einen besonderen Dank sandte Bader an Elisabeth Müller aus Böbing, die immer noch mit viel Engagement bei der Sache ist.

Ob die neue Behelfsbrücke über die Ammerschlucht übrigens gleich eifrig genutzt werden wird, ist aktuell fraglich. Denn nachdem Bader erwähnte, dass Teile der Brücke 40 Jahre lang im Lager auf ihren Einsatz gewartet hatten, raunte der eine oder andere der Anwesenden leise, vielleicht doch erst mal den Umweg über Böbing in Kauf nehmen zu wollen… 

Stefanie Spengel

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