"Es hat sich alles gefügt"

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Die Kisten sind gepackt: Für den Peitinger Pfarrer Hans Speckbacher heißt es, Abschied zu nehmen.

Peiting – Nach gerade einmal fünf Jahren ist Schluss: Der beliebte Pfarrer Hans Speckbacher verlässt den Pfarrverband Peiting-Hohenpeißenberg wieder. Am morgigen Sonntag steht der letzte Gottesdienst an. Im Gespräch mit dem Kreisbote blickt er auf die – trotz eines harten Starts – schöne Zeit zurück, wirft einen Blick in seine persönliche Zukunft und erklärt, warum die Gläubigen im Pfaffenwinkel – und speziell in Peiting – ein ganz besonderer Menschenschlag sind.

Herr Pfarrer, die Kartons sind gepackt, der Umzug steht kurz bevor. Was werden Sie Ihrer Gemeinde beim Abschiedsgottesdienst sagen?

Speckbacher: „Es war ja ein schwieriger Beginn und eine knifflige Aufgabe, die hier zu erledigen war. Aber die letzten Jahre waren wunderschön. Am Schluss bleibt hauptsächlich die Dankbarkeit, dass so vieles gewachsen ist. Es ist wie so oft: Wenn man eine Aufgabe positiv anpackt, wendet sie sich zum Guten. Gott schafft in diesen Situationen Begabungen. Das ist ein bisschen meine Botschaft. Und ich will Vertrauen mitgeben. Dass das, was wir aufgebaut haben, weitergeht.“

Wer wird das fortführen? Ihre Nachfolge ist noch offen.

Speckbacher: „Es ist kein leitender Pfarrer mehr da, aber ein Seelsorgeteam, Gremien und engagierte Leute. Die offizielle Führung des Pfarramts übernimmt Pfarrer Josef Fegg aus Rottenbuch. Und die priesterlichen Dienste ein indischer Priester, Pater Thomas. Das ist die Übergangslösung. Die Stelle wird auch noch einmal ausgeschrieben, weil sich noch niemand beworben hat. Ich denke schon, dass die Nachfolgersuche eine hohe Priorität bei der Diözese einnimmt. Der Priester-Nachwuchs wird immer kleiner. Da wird es noch ganz andere Veränderungen in der Kirche geben.“

Woran liegt das?

Speckbacher:  „Das hat viele Gründe. Wir haben einfach weniger junge Leute. Und die wenigen werden von allen möglichen Firmen heftig umworben. Der priesterliche Dienst kennt eben auch keine 38-Stunden-Woche. Du bist am Wochenende und abends gefordert. Das passt nicht ins moderne Anforderungsprofil. Auch mit diesem zölibatären Lebensstil. Die Vertreter der Kirche sind sehr in der Kritik. Eine öffentliche Projektionsfigur zu sein, muss man auch vertragen. Ein weiterer Punkt ist für mich, dass Teile der Kirchenführung nicht immer die richtigen Weichen stellen.“

Haben Sie da ein konkretes Beispiel? 

Speckbacher: „Ich fände es schon möglich, dass verheiratete Diakone oder Pastoralreferenten eine Pfarrei oder einen Pfarrverband leiten. Das sind qualifizierte, oft sehr engagierte Leute. So könnte man die Aufgabenbewältigung in der Fläche geschickter lösen.“

Sinngemäß hat der Papst gesagt: „Ich kann mich nicht um alles kümmern, die Gemeinden müssen mehr Eigenständigkeit entwickeln.“ Wird das zu wenig umgesetzt? 

Speckbacher: „Ich glaube, dass wir in Europa Traditionen haben, wo der Pfarrer sich um fast alles kümmert, immer erreichbar und für alles verantwortlich ist. Das ändert sich jetzt, seit das Konzil stückweise umgesetzt wird. Aber es sind meines Erachtens immer noch zu viele Aufgaben. Darunter leidet die Seelsorge. Ich möchte die Verwaltung nicht ganz abgeben, ein kleiner überschaubarer Bereich ist sinnvoll. Aber die großen Brocken, die Verwaltung von Kindergärten oder Baumaßnahmen, das muss man professionellen Betriebswirtschaftlern, Architekten und so weiter übergeben.“

Ihre große Aufgabe, die Zusammenlegung der Pfarreien Peiting und Hohenpeißenberg, war so ein verwaltungstechnischer Art. 

Speckbacher: „Das war für mich ein starker geistlicher Prozess. Schaffen wir es, ein Stück Solidarität und Gemeinschaftsgefühl aufzubauen? Das habe ich durch große Klausuren, bei der ich viele Menschen einbeziehen wollte, einigermaßen hinbekommen. Aber der Start war schwierig.“

Inwiefern?

Speckbacher: „Ich bin damals nicht ganz freiwillig vom Bischof geschickt worden. Anfangs gab es viele Punkte, an denen ich nicht wusste, wer da gerade wieso reinregiert. Das wurde erst langsam klar. Das Team hat sich anfangs immer wieder verändert. Der Pastoralreferent kam weg, der Vikar kam weg, immer wieder gab es Wechsel. Und dann gab es sehr hohe Erwartungen. Die Leute wollen von weniger Leuten dieselbe Rundum-Versorgung wie zuvor. Aber es hat sich alles gefügt.“

Dann stellen Sie sich ein gutes Zeugnis aus?

Speckbacher: „Ob ich es gut bewältigt habe, müssen andere beurteilen. Ich habe mein möglichstes getan und das Gefühl, dass ich die Pfarreiengemeinschaft zufrieden übergebe.“

Welche großen Aufgaben stehen an, an denen Sie jetzt nicht mehr mitwirken können?

Speckbacher: „Es ist eigentlich ganz viel erledigt. Im Grunde steht eine Konsolidierung an. Dass man einfach das, was sich noch nicht gesetzt hat, weiter wachsen lässt. Es wäre hilfreich, wenn ein Leiter käme, der nicht wieder alles anders macht. Es ist alles hergerichtet.“

Was sind die Qualitäten, die Ihr Nachfolger mitbringen sollte?

Speckbacher: „Er muss wissen, was er will, große Kommunikationsfähigkeit haben und delegieren statt kontrollieren können. Er muss Rückgrat haben, Kritik aushalten. Die gibt es hier schon immer wieder mal ganz deftig.“

Deftiger als woanders?

Speckbacher: „Ja, schon.“

Wann mussten Sie einmal besonders schlucken? 

Speckbacher: „Zum Beispiel bei der Diskussion um einen gemeinsamen Gründonnerstagsgottesdienst. Ich fand das sinnvoll. Aber einige haben das dermaßen bekämpft. Da habe ich gemerkt, dass es eine große Angst auch vor kleinen Veränderungen gibt. Das war hier schon sehr ausgeprägt.“

Haben Sie in der Zeit hier mehr Durchsetzungsvermögen entwickelt? 

Speckbacher: „Ich bin stärker geworden. Ich musste Standfestigkeit und Kompromissbereitschaft entwickeln. Regelmäßiges Gebet und Meditation war da für mich sehr wichtig. Ich nehme neue Eindrücke mit, wie die Leute hier fühlen, glauben und leben.“

Ist das anders, als an Ihren Stationen zuvor?

Speckbacher: „Ja. Vor allem in Peiting ist die Art zu glauben, sehr traditionell. Anderswo musst du extrem werben, hier wollen die Leute etwas von dir. Das finde ich zunächst sehr positiv. Oder, dass die Feuerwehr, die Trachtler, die Blasmusik zur Kirche stehen. Es gibt großes karitatives Engagement. Dass Eltern schauen, dass ihre Kinder in die Kirche gehen. Das findet man anderswo schon nimmer. Die Pfaffenwinkler Kultur- und Glaubenslandschaft war eine echte Horizonterweiterung. Ich werde einiges und natürlich meine Weggefährten vermissen. Es war bei den Leuten unendlich viel Bedauern da, dass ich gehe. Diese Verbundenheit hätte ich nach nur fünf Jahren nicht erwartet.“

Woher rührt diese Beliebtheit? Was zeichnet Sie als Pfarrer aus?

Speckbacher: „Ich glaube, meine Einfachheit und Glaubwürdigkeit. Ich spiele nicht Hochwürden. Und mein Zuckerl ist Musik, damit kann man viel sagen, was mit Worten nicht so klappt.“

Sie wussten, vor dem Ruhestand kommt nochmal ein Wechsel. Der Altenteil rückt nun näher. Wie wird der aussehen?

Speckbacher: „Der Ruhestand ist noch relativ weit weg. Ich kann mir aber vorstellen, mich in meiner Heimat anzusiedeln und da ein bisschen mitzuhelfen. Ich habe keine Weltreise geplant, sondern setze mir eher kleine Ziele. Ich freue mich auf gute Bücher, Sport, Garteln, Holz machen. Doch zuerst einmal gilt mein Dank all den vielen tollen Leuten hierzulande, die den Weg mitgegangen sind und selbständig so vieles geschultert haben “

Welche Aufgaben stehen an Ihrem neuen Wirkungsort Garching-Engelsberg an?

Speckbacher:  „Es wird große Behutsamkeit brauchen. Mein Vorgänger ist tödlich verunglückt, Unsicherheit und Trauer sind noch da. Davor war ein Missbrauchspfarrer am Ort. Die Gemeinde hatte also zwei Pfarrer mit jeweils schwierigem Abschied. Ich glaube, da braucht es jetzt viel Behutsamkeit und Konsolidierung. Aber die Arbeit wird mir nicht ausgehen. Ich spüre immer noch das Feuer, Bote Gottes zu sein und den Glauben zu teilen. Es ist nicht mehr so feurig, aber vielleicht reifer.“

Interview: Rasso Schorer

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