Es war "höchste Zeit"

Pflegeschule am Schongauer Krankenhaus: Neue Ausbildung ab September

+
Mit den neuen Simulations-Puppen können Pflegeschüler reale Situationen üben. Gesteuert wird die Puppe von Schulleiter Klaus Fenzl und seinem Stellvertreter Bernhard Bölt (v. links).

Schongau – Mit dem neuen Pflegeberufegesetz, welches zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist, stehen auch die Berufsfachschulen am Schongauer Krankenhaus vor neuen Herausforderungen. Zum September sollen hier rund 50 Schüler die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. -mann antreten. Mit vielen neuen Unterrichtsmaterialien will man vor allem Wertschätzung zum Ausdruck bringen, so der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Thomas Lippmann.

Das neue Gesetz sieht eine generalistische Ausbildung vor. Dadurch entstehe ein neues Berufsbild Pflege durch die Zusammenführung der drei bisherigen Pflegefachberufe in den Bereichen der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, wie Schulleiter Klaus Fenzl erläutert. „Es geht darum, das pflegerische Können in einen größeren Rahmen zu stellen und das Profil zu schärfen“, so der Schulleiter.

Die künftige Pflegeausbildung soll die notwendigen Kompetenzen zur Pflege von Menschen aller Altersgruppen vermitteln und so den flexiblen Einsatz in allen Versorgungsbereichen ermöglichen. Hintergrund sei vor allem, dass immer mehr alte Menschen in Altenheimen auf medizinische Hilfe angewiesen seien. Zum anderen gebe es immer mehr alte Patienten in den Krankenhäusern. Es sei also „höchste Zeit“ und die „richtige Entscheidung“ gewesen, die Ausbildung umzustellen, so der Schulleiter.

Fenzl sieht darin zudem die einzige Möglichkeit, den Beruf attraktiv gestalten zu können. Die neue generalistische Pflegeausbildung ist eine dreijährige Fachkraftausbildung mit Theorie und Praxis in verschiedenen Versorgungsbereichen im Wechsel. Dazu mussten zunächst Kooperationspartner beispielsweise Altenheime, Pflegedienste oder Förderschulen gefunden werden. Doch der komplette Praxiseinsatzplan für die kommenden Schüler ist bereits fertig, freut sich Schulleiter Klaus Fenzl.

Ab Herbst sollen außerdem die Unterrichtsmethoden digitalisiert werden. So werden für alle Schüler Tablets angeschafft. Hier sollen nicht nur Lehrbücher und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt werden, sondern auch ein Schulverwaltungsprogramm mit Zugriff auf Stunden- und Einsatzpläne sowie Skripte und alle ausbildungsrelevanten Daten. Neu wird auch die Einrichtung eines sogenannten „Skills-Lab“ mit programmier- und steuerbaren Pflegepuppen sein.

Auf die Schüler, die zum 1. September anfangen, kommen somit einige Neuerungen zu. Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Lippmann hat aber noch viele weitere Pläne. Derzeit befinden sich rund 100 Schüler in Schongau in der Ausbildung. Diese Zahl will Lippmann wenn möglich mindestens verdoppeln. Die Schule sei lange stiefmütterlich behandelt worden. Seit einigen Jahren sei das wieder anders. Die Schule sei ein „wertvoller Schatz“, denn was gebe es besseres, als sich sein eigenes Personal auszubilden?, so der Geschäftsführer.

Doch, sagt Lippmann, müsse sich die Wertschätzung auch im Tarif widerspiegeln. „Es kann nicht sein, dass ein Schrauber in Ingolstadt mehr verdient.“ Dazu gehöre es auch, dem Pflegeberuf wieder ein positives Image zu geben. Ein Einstiegsgehalt von mindestens 1.200 Euro halte er für angemessen, sagte Lipp­mann während des Pressegesprächs in der vergangenen Woche. Hier seien aber die Tarifparteien gefordert. Der Geschäftsführer der Krankenhaus-GmbH sieht in Deutschland großen Nachholbedarf.

Um die Attraktivität zu fördern brauche es außerdem ein Alleinstellungsmerkmal. Dieses sieht Lippmann mit dem geplanten Bau von Appartementhäusern gegeben. In seiner Dezember-Sitzung hatte der Kreistag dem Vorhaben mit Kosten von rund 12,6 Millionen Euro zugestimmt (wir berichteten). Wohnraum werde schließlich ständig nachgefragt, sagt Lippmann.

Schulleiter Klaus Fenzl bezeichnete die neue Ausbildung zudem als „extrem sichere Geschichte“. Es sei ein planbarer Beruf, der nicht irgendwelchen Konjunkturschwankungen unterliege. Bei Wunsch könnten zudem alle Schüler nach Abschluss ihrer Ausbildung übernommen werden. „Es ist schlichtweg ein lukrativer Beruf mit schlechter Lobby“, wirbt Lippmann für die neue Ausbildung. 

kb/asn

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Peiting unterstützt das Aktionsbündnis gegen die „Müllverbrennungsanlage Altenstadt“
Peiting unterstützt das Aktionsbündnis gegen die „Müllverbrennungsanlage Altenstadt“
Falsch in den Kreisverkehr: Frontalcrash
Falsch in den Kreisverkehr: Frontalcrash
In Peiting eröffnet der Unverpackt-Laden "Liaba ohne" am Hauptplatz 
In Peiting eröffnet der Unverpackt-Laden "Liaba ohne" am Hauptplatz 
Neueröffnung in Schongau: Elfhundert Quadratmeter Leidenschaft für Sport
Neueröffnung in Schongau: Elfhundert Quadratmeter Leidenschaft für Sport

Kommentare