Ungewisse Zukunft in Schongau

Wird der Bahnhof abgehängt?

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Bahnhofsbesitzer Andreas Holzhey, der frühere SPD-Stadtrat und Eisenbahner Heinrich Forster und Bürgermeister Falk Sluyterman (v. li.) am Gleis zwei. Hinter dem abgestellten Triebwagen im Hintergrund soll der Fußweg zu Gleis vier vorbeiführen.

Schongau – Mitte 2014 hatte Andreas Holzhey den Schongauer Bahnhof gekauft mit dem Ziel, dem altersschwachen Gebäude neues Leben einzuhauchen. Voran geht es seither jedoch nur in kleinen Schritten. Jetzt könnte ausgerechnet der geplante und lang ersehnte barrierefreie Ausbau der Gleisanlagen durch die Bahn zum Stolperstein für das gesamte Projekt werden.

Von außen lässt sich nur auf den zweiten Blick erkennen, dass bald ein wenig Leben zurückkehren soll in den Schongauer Bahnhof. Ein Teil der Fenster im ersten Stock ist neu, dahinter liegt die Wohnung, die früher einmal das Heim des Bahnvorstandes war. Sie hat Andreas Holzhey in den vergangenen Monaten sanieren lassen. Hell und freundlich wirken die Räume jetzt, schon bald, so das Ziel des Geschäftsführers der Bürgerbahnhof Oberland GmbH, soll hier der erste gewerbliche Mieter einziehen. Als nächstes will Holzhey die zweite Wohnung auf der Nordseite auf Vordermann bringen, der bisherige Mieter zieht bald aus. Wenn auch hier die altersschwachen Fenster ausgetauscht seien, könne man die unansehnliche Fassade neu streichen, stellte der Geschäftsführer am Mittwoch beim Ortstermin in Aussicht.

Zumindest oben geht es also voran im Bahnhofsgebäude, deutlich mehr Sorgen bereitet Holzhey das Erdgeschoss. Das Reisezentrum ist verwaist, seit es im vergangenen Jahr durch die Video-Version ersetzt wurde. Für den Geschäftsführer ein empfindlicher Schlag, denn der gut angenommenen Einrichtung hatte er eine zentrale Rolle in seinem neuen Konzept zugedacht. Weil es in den Räumen keine Sanitäreinrichtungen gibt, gestaltet sich die Suche nach einem neuen Mieter schwierig, wenn nicht aussichtslos. „Es gab ein paar Anfragen, aber nichts ernsthaftes.“

Gegenüber im nördlichen Teil hat eine Fahrschule ihren Sitz, eine Lösung auf Dauer ist auch das nicht. Hier kann sich Holzhey für die Zukunft ein Café oder einen Kiosk vorstellen, dann könnte auch die Wartehalle wieder öffnen.

Ein teurer Umbau aber nutzt nichts, wenn das Umfeld nicht stimmt. Das will die Stadt seit Jahren neu gestalten, doch der Bebauungsplan kommt nicht voran. Schuld seien, so Bürgermeister Falk Sluyterman, Einwände der Bahn. Die will immerhin in den kommenden Jahren die Gleisanlagen barrierefrei ausbauen. Was eigentlich eine gute Nachricht ist, bringt jedoch neue Probleme mit sich, die im schlimmsten Fall die Wiederbelebung des Bahnhofs scheitern lassen könnten.

So überlegt man bei der Bahn, den barrierefreien Bahnsteig für Gleis vier 150 Meter weiter nördlich zu errichten. Der Zugang würde dann über einen neuen Fußweg erfolgen, der vom Bahnhof kommend zwischen Gütergleis und Gleis zwei verlaufen würde. Hintergrund sei, erklärte Holzhey, dass die Bahn keine ebenerdigen Gleisübergänge mehr wünsche. Dies wäre in dem Fall erreicht, weil der Fußweg hinter den Stumpfgleisen zwei und drei vorbei zu Gleis vier führen würde.

Für den Bahnhof wäre das allerdings der Todesstoß, fürchtet Holzhey, denn ohne Zughalt direkt vor dem Gebäude würde dieser deutlich an Attraktivität einbüßen – keine wartenden Fahrgäste, kein Geschäft. Auch der Bürgermeister ist alarmiert. Genau wie der Geschäftsführer hofft er, dass die Bahn „Gesprächsbereitschaft signalisiert“, sich das Problem aus der Welt schaffen lässt. „Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen“, weiß Slyuterman.

Am liebsten wäre es Holzhey, wenn die Bahn im Zuge des barrierefreien Ausbaus das Gleis zwei herrichten würde. Doch auch das hätte einen entscheidenden Nachteil. Da nur Gleis vier nach Landsberg führt, wäre ein zusätzlicher Halt am Krankenhaus – ein erklärter Wunsch von Stadt und Landkreis – vom Tisch. 

chpe

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