Türe jetzt, Balkon später

Pläne für Schongaus Stadtmauerumgang vorgestellt

Schongau Stadtmauer Wehrgang Außenbalkon
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Muss warten bis es die Finanzsituation der Stadt zulässt: Die Wiederherstellung des Wehrganges in der Stadtmauer und der geplante Außenbalkon.

Schongau – Nach der Fertigstellung des Münzgebäudes und den dazugehörigen Freianlagen, stünde als nächstes die Neugestaltung des Stadtmauerumgangs auf dem Programm. Wegen der corona-bedingt schlechten Haushaltslage wird die Umsetzung jedoch warten müssen. Die Planung stellte Benedikt Sunder-Plassmann vom gleichnamigen Architekturbüro dennoch in der Stadtratssitzung am Dienstag vor.

Ziel der Planung ist es, den ehemaligen Wehrgang wieder begehbar zu machen. Startpunkt hierfür könnte am Münzgebäude sein, dort ist der Aufgang ohnehin fertig, so Sunder-Plassmann. Bis zum Serenadenhof am Heilig-Geist-Spital soll der Weg an der Stadtmauer entlang führen, wo dann ein weiterer Zu- bzw. Ausgang wäre. Doch auf der Strecke liegen auch einige Hindernisse.

Das größte Problem stellt hier die Aussegnungshalle am Friedhof dar. Sie könnte mit einer Balkonsituation auf der Außenseite – „man begibt sich so quasi auf die Position des Feindes“ – umgangen werden, so der Architekt. Auf Nachfrage Alexander Majarus (SPD) erläuterte Sunder-Plassmann, dass der Balkon mittels relativ vieler filigraner Stahlstützen hergestellt werden könnte, welche in einem Abstand von nur 1,50 Meter angebracht werden würden. Das Geländer sieht der Architekt in Streckmetall vor, welches eine gewisse Durchsichtigkeit gewährleisten würde. Der Balkon würde auf einer Länge von rund 50 Metern so die Aussegnungshalle umgehen.

Das gefiel jedoch nicht allen Stadträten. „Ein Metallgestell, nur um das Leichenhaus zu umgehen“ stieß bei Michael Eberle (CSU) auf Ablehnung. Vielmehr sollte hinterfragt werden, was demnächst bei dem Leichenhaus anstehe. „Vielleicht muss es auch bald saniert werden“, so Eberle. Er sprach sich dafür aus, innen einen Umgang zu ermöglichen.

Drastischer formulierte es Bettina Buresch (Grüne): „Ich bin froh, dass der Außenwehrgang jetzt so nicht kommt“, sprach sie die finanzielle Situation an. Sie plädierte dafür, das was noch historisch ist, auch zu erhalten. Die Wiederherstellung des Wehrgangs innen wäre für Buresch der richtige Weg. „Wir begeben uns sonst in die Rolle des Feindes unserer Stadtmauer“, hob sie hervor.

Schwierige Optik

Am Ende des Wehrgangs am Heilig-Geist-Spital trifft man auf ein weiteres Problem: die dortige Türe. „Diese Tür will man nicht betreten“, fasste Sunder-Plassmann den optischen Eindruck des Zugangs zusammen. Er schlug vor, diese zu erneuern und dabei das Holzportal der Kirche nachzuahmen. Zudem sollen Fenster für einen Einblick sorgen.

Wird vorgezogen: Die Erneuerung der bestehenden Tür zum Serenadenhof (links).

Auch für den Pulverturm, der momentan von einem Pultdach gekrönt wird, hat der Architekt Vorschläge für eine bessere Optik. Diesen wolle man wieder zum Turm werden lassen. Sunder-Plassmann schlug vor, das mit einer Holzkonstruktion zu bewerkstelligen. Auch die ehemaligen Schießscharten sollen wieder dargestellt und so an die Wehranlage erinnert werden.

Alles in allem würden die Maßnahmen rund 380.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Puffer-Budget kosten. Aufgrund der Haushaltslage schlug Sunder-Plassmann vor, vorerst das zu genehmigen, was mit dem Denkmalamt abgesprochen ist und das bis zur Baugenehmigung voranzutreiben. So könne man jederzeit loslegen, sobald die entsprechenden Finanzmittel vorhanden sind.

Die erneuerte Tür soll dann die Optik des Holzportals der Kirche nachahmen.

Ilona Böse (SPD) interessierte sich für die Kosten für die Türe und wollte wissen, ob man diese nicht abkoppeln könne. Genaue Zahlen konnte der Architekt nicht nennen, verwies aber auf eine Summe von rund 20.000 Euro für die Eingangssituation am Heilig-Geist-Spital. Michael Eberle schlug ebenfalls vor, die Türe vorzuziehen und darüber extra abzustimmen. „Wir können nicht die Mittelschule schieben und dann den Wehrgang genehmigen“, fasste Stephan Hild (UWV) die Haushaltslage der Stadt zusammen.

Der Vorschlag, das Projekt bis zur Baugenehmigung voranzutreiben, fand mit fünf Gegenstimmung Zustimmung im Gremium. Ausnahme ist die Türe, diese Maßnahme will man vorziehen. Das entschied der Stadtrat am Dienstag mit 19:2 Stimmen.

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