Pläne für große Modekette in der Schongauer Altstadt

Alles hängt an der Fußgängerzone

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Diese beiden Häuser gehören Richard Merkle.

Schongau – Der Andrang in der Stadtratssitzung am Dienstag war groß. Längst reichten die Plätze für die Besucher nicht aus, sodass selbst Kämmerer Werner Hefele eiligst noch ein paar Stühle aus der Verwaltung herbeischleppte. Der Grund für das riesige Interesse fand sich gleich im ersten Tagesordnungspunkt. Erstmals offenbarten Richard Merkle und sein Architekt Manfred Wimmer Details zu den Umbauplänen für die beiden Häuser am Marienplatz 10 und 12. Dabei ging es auch um das in der Vergangenheit kontrovers diskutierte Thema Fußgängerzone. „Ohne sie läuft nichts“, betonte Merkle. Die Stadt gerät damit unter Zugzwang.

Schon als die Pläne Merkles im Januar publik wurden, hatte der Hausbesitzer durchblicken lassen, dass an einer Verkehrsberuhigung am Marienplatz kein Weg vorbeiführe. Das untermauerte Merkle am Dienstag noch einmal. Für eine Modekette und eine Gastronomie in den beiden Häusern, wie sie ihm vorschwebe, müsse das Zentrum attraktiver werden, betonte er gleich zu Beginn. „Einen Platz, um den man drumrum fahren kann, können wir uns auch sparen.“ 

Wie weit die Pläne für den millionenschweren Umbau des ehemaligen Hotels Schrimpf und des Nachbargebäudes, aus dem vor kurzem der NKD ausgezogen ist, gediehen sind, stellte anschließend Architekt Manfred Wimmer dar. So soll die Fassade komplett überarbeitet, das Erdgeschoss mit großen Schaufensterflächen geöffnet werden. Innen müsste die bestehende räumliche Struktur aufgelöst und die über 200 Jahre alten Häuser generalsaniert werden. Lichthöfe sollen für Helligkeit sorgen. 

Im mittleren Bereich sowie im Dachgeschoss könnten Wohnungen und Büros entstehen. Ein Aufzug ist ebenfalls eingeplant. Auch eine Rolltreppe könnte kommen, um das Obergeschoss zu erschließen. Das wäre vor allem für die große Modekette interessant, mit der Merkle und Wimmer nach eigenem Bekunden seit zwei Jahren in aussichtsreichen Verhandlungen stehen. 

Für den Fall, dass diese mehr Platz im Erdgeschoss benötige, habe man bereits Gespräche mit der Familie Mack geführt, um die Fläche gebenenfalls durch Einbeziehung des Nachbarhauses zu erweitern, erklärte Wimmer. 

Als Gedankenspiel bezeichnete der Architekt Überlegungen, das hinter den Gebäuden in der Karmeliterstraße befindliche Lagerhaus mittels einer Passage anzubinden. Es gebe außerdem bereits Anfragen für die Kellerräume, um sie für eine „Event-Gastronomie“ zu nutzen. 


Letztendlich sei die genaue Gestaltung aber nutzungsabhängig, betonte Wimmer. Sollte der Plan mit der großen Modekette scheitern, könne man sich auch eine kleinteilige Ladenstruktur vorstellen. „Wichtig ist nur, dass wir große Marken herholen.“ Deren Interesse an Schongau sei da, versicherte er. „Die Stadt hat großes Potential.“

Goß war der Zuschauer-Andrang im Sitzungssaal des Rathauses.

 Allerdings nur unter der Bedingung, dass eine Fußgängerzone am Marienplatz komme. „Das ist die Grundforderung, die alle stellen.“ Erst wenn diese erfüllt sei, könne man das Projekt weiter vorantreiben, Verträge mit den Mietern abschließen und dann mit dem Umbau nach deren Wünschen und Anforderungen beginnen. „Wir brauchen konkrete Beschlüsse, dass da etwas passiert“, betonte Wimmer, dem durchaus klar war, dass dieser Weg für die Stadt, die in Vorleistung gehen müsse, kein leichter sei. Da war es kein Wunder, dass das Thema Fußgängerzone anschließend in den Mittelpunkt der Diskussion rückte. Schon im Januar war eine mögliche Verkehrsberuhigung bei einem runden Tisch im Rathaus besprochen worden. Damals hatte sich als kleinster gemeinsamer Nenner die City-Zone herauskristallisiert, die bekanntlich eine halbseitige Sperrung des Marienplatzes vorsieht. 

Damit könne man durchaus als ersten Schritt leben und die Fußgängerzone dann in einem zweiten Bauabschnitt ausweiten, stellte Wimmer fest, was nicht nur Bürgermeister Falk Sluyterman erleichtert zur Kenntnis nahm.

Ilona Böse (SPD) und Nina Konstantin (ALS) nutzten die Gelegenheit, um sich als Anhänger der Fußgängerzone zu outen. „Wir haben ja schon viele Konzepte in der Schublade, die müssen wir jetzt umsetzen“, forderte Böse. Ihre Frage an Wimmer nach dem Zeitrahmen, interessierte auch Robert Stöhr (CSU). „Es nutzt nichts, wenn wir jetzt zumachen und dann kommt ewig nichts.“ Das wäre den Bürgern nur schwer zu vermitteln, fürchtete er.

Doch da konnte der Architekt beruhigen. Alles müsse Hand in Hand gehen. „Wir stehen Gewehr bei Fuß“, versprach er. Sobald der Beschluss da sei, werde man zeitnah in die Planungsphase einsteigen. Bei einem Jahr Bauzeit rechne man mit einer Fertigstellung bereits im Sommer oder Herbst 2016. 

Auch Michael Eberle betonte, man müsse den Weg jetzt freimachen für eine Aufwertung. Gleichzeitig forderte der CSU-Fraktionschef aber, bei aller Euphorie über die Pläne die Geschäftsleute mitzunehmen, die dort seit Jahren ihren Laden betreiben. 

Tatsächlich waren in der Vergangenheit von dieser Seite immer wieder Bedenken geäußert worden, wenn es um eine Fußgängerzone ging. Sie würde Kunden und Parkplätze kosten, so die Befürchtung. Ersteres sei mitnichten der Fall, widersprach Wimmer. Eher würde das Gegenteil eintreffen, wie der Blick in andere Städte zeige. „Wenn ein großer Magnet sich ansiedelt, kommen auch die kleinen Läden.“ 

Parkplätze spielen keine Rolle

Und auch zum Thema Parkplätze, das Stadtrat Helmut Hunger (CSU) ansprach, hatte Wimmer eine klare Meinung. „Ich fühl’ mich hier wie im Paradies auf Erden“, so der Architekt. Er sei jetzt fünfzehn Mal in Schongau gewesen und habe nie einen Parkplatz suchen müssen. „Das ist absolut null Thema. Die Stadt ist attraktiv.“ Eine Aussage, die die anwesenden Zuschauer samt Bürgermeister zu einem spontanen Applaus hinriss. 

Selbst wenn man den Marienplatz komplett sperre, ergänzte Merkle, würden dadurch maximal 20 Stellplätze wegfallen. „Ich verstehe gar nicht, wie man darüber diskutieren kann.“ Und auch der Lieferverkehr sei kein Problem, konterte er einen entsprechenden Einwand Eberles. „Den gibt es in allen Fußgängerzonen. Sonst wären die Geschäfte in der Kaufinger Straße leer.“ 

Ein Beschluss stand am Dienstag nicht zur Abstimmung. Die Frage, ob City- oder Fußgängerzone wird allerdings wohl bald endgültig beantwortet werden. „Wir wollen keine Monate verlieren“, kündigte Sluyterman an.

Christoph Peters

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