Wohnprojekt der Herzogsägmühle

Gefahr für die Attraktivität der Altstadt?

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Stein des Anstoßes: Das ehemalige Gonizianer-Haus.

Schongau – Eigentlich klang das Vorhaben unspektakulär, mit dem sich der Bauausschuss am Dienstag beschäftigte. Das erste und zweite Dachgeschoss im ehemaligen Gonizianer-Gebäude in der Weinstraße 11 soll in Wohnungen für Menschen mit Behinderung und Kleinbüros umgebaut werden. Im Gremium erntete der Plan allerdings deutliche Kritik – vor allem aus Angst um die künftige Attraktivität der Schongauer Altstadt. 

Wie in der Sitzung bekannt wurde, ist der künftige Mieter der Wohnungen die Herzogsägmühle. Gegen den Umbau gebe es aus baurechtlicher Sicht keine Bedenken, stellte Michael Wölfle vom Stadtbauamt fest. Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl (SPD) machte allerdings keinen Hehl daraus, dass ihm die geplante Nutzung nicht behagte. „Ich hätte dort lieber Dienstleistungsbetriebe gesehen“, sagte er. Er habe nichts gegen die Herzogsägmühle, aber es gebe bestimmte Bereiche, wo „es nicht passt“. Dem Hausbesitzer sei das egal. 

Mit dieser Ansicht stand das Stadtoberhaupt nicht allein. Auch Stephan Hild (UWV) fürchtete um die Attraktivität der Altstadt. „Da stimmt das Verhältnis nicht mehr“, meinte er im Hinblick darauf, dass Herzogsägmühle bereits einige Wohnungen in der Innenstadt angemietet hat. Robert Bohrer (SPD) brachte dann noch einen weiteren Punkt ins Spiel. Er habe gehört, dass das im Erdgeschoss und ersten Stock untergebrachte Elektronikgeschäft demnächst umziehen müsse, weil der neue Hausbesitzer eine höhere Pacht verlange. „Das tut der Altstadt nicht gut“, kritisierte er. 

Tatsächlich bestätigt der Geschäftsinhaber Andreas Müller auf Nachfrage des KREISBOTEN, dass ihm vom neuen Eigentümer gekündigt worden sei. Bis zum September müsse er raus, sollte man sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Ob das allerdings geschieht, ist dem Vernehmen nach fraglich. Denn Müller pocht auf eine niedrigere Miete, da unter anderem die Fläche seines Geschäfts im Mietvertrag zu groß berechnet sei. Das sehe der neue Besitzer aber bislang nicht ein. Der Geschäftsmann vermutet sogar ein „abgekartetes Spiel“. „Der will, dass die Herzogsägmühle auch unten reingeht, damit er es möglichst einfach hat.“ 

 Stephan Wanner kann die Aufregung nicht verstehen. Der ist Tutzinger Bürgermeister und seit Ende vergangenen Jahres Besitzer des ehemaligen Gonizianer-Hauses, das zuletzt unter Zwangsverwaltung stand. Er habe den Vertrag gekündigt, weil er unter anderem mit den Verlängerungsoptionen nicht einverstanden sei, erklärt er. „Das heißt nicht, dass ich Herrn Müller loswerden will.“ Man sei derzeit in Verhandlungen. Die angeblich falsche Größe im bestehenden Vertrag weist Wanner zurück. 

Dass die Stadträte die Vermietung an Herzogsägmühle skeptisch sehen, ist Wanner neu. Sowohl mit Gerbl als auch Stadtbaumeister Ulrich Knecht habe er konstruktive Gespräche geführt, erklärt er. Er habe zuerst auch an eine Nutzung der Räume als Kanzlei oder als Arztpraxis gedacht. Doch daran sei in ersterem Fall kein Bedarf gewesen und die Verhandlungen mit Ärzten ohne Ergebnisse geblieben. Die Herzogsägmühle habe dagegen bereits vor seinem Kauf Interesse signalisiert. 

Das bestätigt Herzogsägmühle-Fachbereichsleiter Hans Rock. „Herr Wanner ist auf uns zugekommen.“ Daraufhin habe man sich das Haus angeschaut und für geeignet befunden. Dass das Vorhaben, dort zwei Wohngruppen für je fünf Menschen mit Behinderung einzurichten, ein sensibles Thema sei, weiß Rock. Er sei jedoch zuversichtlich, dass das Verständnis für eine zentrale Unterbringung wachsen wer-de. Beide Gruppen, die nun umziehen sollen, seien bislang am Rand von Schongau und in Peiting untergebracht. „Das ist kein zusätzliches Angebot“, betont er. Wie viele weitere Wohnungen Herzogsägmühle in der Altstadt angemietet hat, kann Rock nicht sagen. Dass es bereits Pläne gebe, die Geschäftsräume ebenfalls zu übernehmen, bestreitet er: „Das sind ungelegte Eier. Der Idealfall ist, dass Herr Müller seinen Laden weiterbetreibt.“ chpe

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