Lob und Kritik fürs Schongauer Bad

Erfolgsbilanz mit Misstönen

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Das Ziel Bürgermeister Sluytermans, dass die Sauna das Bad quersubventioniert, geht auf. Das belegen die Zahlen, die Plantsch-Chef Andreas Kosian dem Stadtrat präsentierte.

Schongau – Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Plantsch-Chef Andreas Kosian bei der jüngsten Schongauer Stadtratssitzung am Dienstag vergangener Woche: Zwar konnte er mit jeder Menge höchst erfreulicher Zahlen aufwarten, die bestätigen, dass die Investitionen zur Sauna-Erweiterung fruchten. Doch anschließend geriet der Badleiter unter Beschuss.

Der Grund: Mitglieder der CSU und ALS monierten, dass die ursprünglich angepeilten und tatsächlich benötigten finanziellen Mittel weit auseinandergingen. Auch, dass Kosian sich im Vorfeld dem Kreisboten zu einem Gespräch über den Zustand der Röhrenrutsche zur Verfügung gestellt hatte, stieß einigen Teilen des Gremiums übel auf.

Rund 1,7 Millionen Euro, das ist die finale Summe, die die Sauna-Erweiterung verschlungen hat. Gut angelegtes Geld, folgt man den Informationen Kosians, die er dem Stadtrat präsentierte. „In meiner zwölfjährigen Zeit hier kann ich erstmals ausschließlich Pluszeichen vorstellen“, freute sich der Plantsch-Chef. Nach Fertigstellung des erneuerten Sauna-Bereichs sei die Anzahl der Gäste dort deutlich gestiegen – im ersten Geschäftsjahr auf 49 656 und um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher ziehen die Sauna-Erlöse an. Nämlich um 65 Prozent auf

593 026 Euro. Die Schlussfolgerung: „Die Erlöse wachsen stärker als die Besucherzahlen“, fasste Kosian zusammen. „Die Leute nehmen höherwertige Tarife und bleiben länger.“ Davon profitiere auch die Gastronomie, die bei den Erlösen noch gar nicht berücksichtigt sei, „signifikant“.

Dass die Strahlkraft des Schongauer Bades durch die Sauna-Erweiterung deutlich zugenommen habe, belegten die Zahlen, die Kosian auf Nachfrage Markus Wührs (CSU) aufrief: Vorher sei das Einzugsgebiet mit einem zirka 30 Kilometer großen Radius abzustecken gewesen. Mit einer Delle in Richtung des von vielen hochkarätigen Anbietern umkämpften Allgäus. Dort mache das Plantsch auch heute vergleichsweise wenig Stiche, doch die Sogwirkung in alle anderen Richtungen sei enorm: Bis München und hinter Augsburg halle der Ruf des Schongauer Bades. „Die Leute fahren bis zu einer Stunde und teils länger zu uns“, weiß Kosian. „Normal ist es nicht, dass es gleich vom Start weg so gut läuft.“ Er wäre schon froh gewesen, erst nach drei Jahren vergleichbare Zahlen vorlegen zu können. „Diese Innovation ist voll aufgegangen“, bilanzierte SPD-Fraktionssprecherin Ilona Böse. Und Bürgermeister Falk Sluyterman pflichtete bei: „Das Ziel, dass die Sauna-Überschüsse das defizitäre Bad quersubventionieren, geht auf.“

Doch dieser Euphorie wollten sich nicht alle Stadträte anschließen. Michael Eberle (CSU) stellte den Versuch an, die Amortisierungsdauer der Aufwendungen zu ermitteln und monierte: „Ich erinnere mich daran, dass wir ursprünglich von 800 000 Euro ausgegangen sind. Die fallen mit den tatsächlichen Kosten weit auseinander.“ Ins gleiche Horn stieß Siegfried Müller (ALS): „Es ist schon komisch, wenn man dann fast zwei Millionen auf den Tisch knallen muss.“

„Die 800 000 habe ich vor sieben Jahren auf dem Butterbrotpapier veranschlagt“, rechtfertigte sich Kosian. Damals sei es darum gegangen, den dringlichsten „Notstand“ zu beseitigen. „Jetzt haben wir etwas Zukunftsfähiges, das sich rechnet.“ Sebastian Dietrich vom Bauamt pflichtete bei, dass die unerwarteten Teuerungen aufgrund schlechten Untergrunds, des zwischenzeitlichen Baubooms und aufgekommener Richtlinien zu Barrierefreiheit nicht absehbar gewesen seien. „Wir müssen ausschreiben, stehen im Wettbewerb“, so der künftige Stadtbaumeister. Darüber hinaus habe sich der teurere Technikkeller voll bewährt.

Über gänzlich andere Sorgen klagte Helmut Hunger. Der CSU-Mann sah sich durch den Artikel „Lebensader Röhrenrutsche“ im Kreisbote vom 24. Juni unter Druck gesetzt. Darin hatte Kosian mehrfach die große Unterstützung der Stadt gelobt und darum geworben, die Rutsche zeitgleich mit einer anstehenden Maßnahme zu erneuern. „Dürfen städtische Mitarbeiter ohne Wissen des Bürgermeisters überhaupt Interviews geben?“, wollte Hunger wissen. „Ich wusste von nichts“, ärgerte sich Sluyterman. „Das Thema kommt zur Unzeit“, das Arbeitspensum sei riesig. „Aber wir lassen uns nicht treiben.“

Kosian entgegnete, er vertrete das Plantsch gemäß seiner Stellenbeschreibung nach innen und außen. „Ich bin nicht auf die Presse zugegangen.“ War es doch Sluytermans SPD, die die Rutsche ohne Wissen des Rathaus-Chefs erstmalig in einer Pressemitteilung aufs Tapet gebracht hatte. Dennoch erkannte Sozialdemokrat Friedrich Zeller einen „unglaublichen Hektizismus“, der verbreitet werde. „Ich empfehle, den Ball flach zu halten.“ Doch auch er musste einsehen: „Da sind wir in ein Fettnäpfchen getreten.“

ras

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