Entwurf vorzeitig öffentlich

Plantsch-Zutritt nur geimpft oder genesen?

Plantsch Schongau
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Das Plantsch im März 2021 (noch mit alter Rutsche): Ob Ungeimpfte Erwachsene draußen bleiben müssen, entscheidet am Donnerstag der Verwaltungsrat.
  • VonRasso Schorer
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Schongau – Wie die Beschlüsse der letztwöchigen Ministerpräsidentenkonferenz umzusetzen sein könnten, damit hat sich die Geschäftsleitung des Plantsch in deren Anschluss beschäftigt. Ein nicht zur Veröffentlichung gedachter Entwurf drang an die Öffentlichkeit – nun tobt ein Shitstorm. Die Folge: wütende Kommentare beispielsweise auf Facebook und schlechte Google-Bewertungen.

Sehr betroffen und nachdenklich stimmen ihn der Hass und die persönlichen Drohungen in Teilen der Reaktionen, die an ihn adressiert sind, schildert Plantsch-Vorstand Andreas Kosian am heutigen Montagnachmittag. „Offenbar ist unsere Gesellschaft weiter denn je davon entfernt, sich vernünftig miteinander auseinanderzusetzen, als ich dies für möglich gehalten hätte.“

In Hinblick auf die Entwürfe des Plantsch sei auch seitens des Gesundheitsamtes noch vieles zu prüfen – insbesondere, weil seit heute die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für Zwölf- bis 18-Jährige vorliegt. Klarheit, wer künftig wie ins Plantsch kommt, könnte die Sitzung des Verwaltungsrates am Donnerstagabend bringen.

„Das einzige was an den ‚Gerüchten‘ stimmt ist, dass wir planen, die Testnachweise nur bei denjenigen als Zutrittsnachweis zuzulassen, bei denen eine Impfung nicht möglich ist“, so Kosian. Von einem „generellem 2G-Plan für den Zutritt“ könne nicht die Rede sein. „So etwas kann nur das Internet als ‚Informationsquelle‘ hervorbringen.“

So könnte die Umsetzung im Plantsch womöglich aussehen

• Bei Kindern bis zum sechsten Geburtstag gelte unstrittig die „0G“-Regel, erklärt Kosian. Heißt: Bei den kleineren Kindern werde weder der Nachweis einer Impfung, noch einer Genesung oder ein Test vonnöten sein. „Auch hier wird anderes im Internet behauptet“, tritt Kosian entsprechenden Behauptungen entgegen.

• Bei Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren wird hingegen ein negativer Test nötig. „Was ja aber Bestandteil der Ministerpräsidentenkonferenz-Beschlüsse ist und wir hier nicht einmal anders könnten, selbst wenn wir wollten“, schildert der Plantsch-Chef.

• Bei Kindern und Jugendlichen von zwölf bis 18 Jahren besteht seit Montag die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission. „Es stehen zwei geeignete Impfstoffe zur Verfügung, weshalb ich als Geschäftsführer dafür plädiere, dass hier nach einer Übergangsphase (mindestens bis zum Ende der Sommerferien, eher acht Wochen) 2G angewendet wird, während der Übergangsphase 3G“, erklärt Kosian seinen Vorschlag, den er dem Verwaltungsrat zum Beschluss vorlegen werde.

• Für alle über 18 Jahren plädiere er für die Auslegung im Sinne von 2G – Zutritt geimpft oder genesen. Ein Test allein würde im Falle der Zustimmung durch den Verwaltungsrat dann keinen Zutritt mehr ins Plantsch ermöglichen. „Und hierzu stehe ich felsenfest“, schreibt Kosian.

Andere zu belehren liege ihm fern, fasst Kosian mit Blick auf die möglichen Regelungen im Plantsch seine Sicht zusammen. „Es geht darum die Standpunkte der jeweils anderen zu akzeptieren und den Betrieb mit dem derzeit höchstmöglichen Schutzstandard ablaufen zu lassen.“

Niemand werde vorsätzlich und unvermeidbar ausgeschlossen, jeder habe die Möglichkeit das Bad zu nutzen. Welche Bedingungen die Geschäftsleitung aufgrund gewichtiger Sachgründe für nötig hält, das müsse dem Betreiber allerdings zugestanden werden. „Wir verzichten doch sehenden Auges auf Gäste, Einnahmen und Sympathien“, ist er sich über die möglichen Auswirkungen im Klaren. „Warum sollten wir das gerne tun?!“

Änderungen in der Pandemie könne nur die Impfung und vielleicht irgendwann ein Medikament schaffen – „das die Hardcore-Verweigerer wohl erst recht ablehnen werden.“ Daher plädiere er für die Einführung der Regeln, die der jeweils betreffenden Altersgruppe – Gäste wie Mitarbeiter – bestmöglichen Schutz biete.

Andernfalls drohen spätestens nach der Bundestagswahl wieder Lockdowns mit horrenden Verlusten für kommunale Bäder, befürchtet Kosian. „Dann diskutieren wir spätestens nicht mehr, ob man geimpft oder ungeimpft ins Bad gehen kann. Dann reden wir darüber, wo man überhaupt noch ein solches Angebot finden wird!“

Das Plantsch und er als dessen Geschäftsführer akzeptiere die Meinung der Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten, schreibt Kosian. „Sie entscheiden sich dann ebenso wie wir es mit unserer Entscheidung tun für Konsequenzen. Damit muss jeder, der Entscheidungen zu treffen hat, leben, denn entscheiden heißt auch oft verzichten!“ Das Plantsch verzichte im Falle einer entsprechenden Entscheidung sehenden Auges auf einen Teil der Gäste, „freiwillig Ungeimpfte verzichten auf einen Teil der öffentlichen Teilhabe im gesellschaftlichen Miteinander.“

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